Song, Ji-Youn

Mein Klavier – GANZ – am Anfang

Charakterstücke und Übungen mit neuen Spieltechniken

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Bärenreiter, Kassel 2025
erschienen in: üben & musizieren 1/2026 , Seite 62

Die vorliegende Sammlung enthält 15 Stücke und drei Übungen in grafischer Notation für AnfängerInnen. Bevorzugt wendet sich die Autorin an Kinder zwischen sechs und zehn Jahren, aber es ist auch möglich, die Stücke mit älteren SchülerInnen zu spielen. Notenkenntnisse sind noch nicht erforderlich, die notwendigen Elemente der grafischen Notation werden im Unterricht gemeinsam erarbeitet. Die Spieltechniken umfassen Cluster, Spiel auf den Saiten im Innenraum, Präparationen, stummes Drücken von Tasten zur Erzeugung von Resonanzen und verschiedene Pedaltechniken. Dazu kommt auch mal der Einsatz der Stimme.
Wie man an den Innenraum eines Klaviers kommt, wird auf einem Video gezeigt, zu dem ein QR-Code führt. Auch sonst werden immer Hinweise gegeben, wie die Stücke am Klavier realisiert werden können, wenn kein Flügel zur Verfügung steht. Von jedem Stück gibt es eine Videoaufnahme, auf der jeweils ein Kind spielt. Ein Lehrerkommentar ist digital erhältlich. Dort gibt es Entwürfe für ca. neun Unterrichtseinheiten.
Die Stücke sollen den Zugang zur zeitgenössischen Musik insofern erleichtern, dass gar nicht erst Vorurteile gegenüber ungewohnten Klängen entstehen. Es gibt auch den Vorschlag, gemeinsam mit den SchülerInnen bestimmte Werke zeitgenössischer Komponisten anzuhören und dabei die grafische Notation zu verfolgen. Es ist sehr zu begrüßen, wenn im Anfangsunterricht am Klavier die vielen klanglichen Möglichkeiten des Instruments ausprobiert und dabei Anregungen zu Improvisation und Komposition gegeben werden. Die gewünschte Kreativität der Kinder beim Finden von Notationsmöglichkeiten oder Assoziationen wird leider manchmal etwas eingeschränkt durch Suggestivfragen („Findest du auch, dass…“) oder entsprechende Vorschläge.
Einige kleine Anmerkungen seien noch gemacht: In der ersten Übung geht es um das Hören der Stille. In der Zeit zwischen zwei Tönen soll in Gedanken bis 20 gezählt werden. Wenn man zählt, hört man aber nicht den Tönen nach und kann auch nicht voraushören. Ein Hinweis auf das Lauschen der Stille wäre sicher schöner. In der dritten Übung wird der Nachhall eines Tones durch schnellen Pedalwechsel aufgefangen. Bei einer tiefen Bassnote wäre das deutlicher als bei dem angegebenen cis1. Während an einer Stelle berechtigterweise deutlich davor gewarnt wird, die Dämpfer zu berühren, wird an anderer Stelle in Erwägung gezogen, die Dämpfer zur Orientierung im Innenraum zu markieren. Insgesamt spürt man, dass die Verfasserin die Stücke mit ihren Schülerinnen und Schülern erarbeitet hat und es ihr ein wichtiges Anliegen ist, die leider so oft anzutreffende Abneigung gegenüber zeitgenössischer Musik zu überwinden bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Linde Großmann

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