Finnis, Edmund
Youth
Ten Pieces For Piano
Der Zyklus Youth mit zehn kurzen Stücken (Dauer insgesamt ca. 15 Minuten) aus dem Jahr 2017 ist das erste Werk für Klavier solo des englischen Komponisten Edmund Finnis (*1984). Darauf folgten bald weitere Werke für Klavier: 2018 die Miniatur For Emmeline und 2021 Mirror Images.
Es läge nahe, den Titel Youth so zu verstehen, dass der Zyklus wie das Album für die Jugend der Jugend gewidmet oder für jugendliche PianistInnen gedacht sei. Folgt man der kurzen Einführung von Edmund Finnis, hatte er viele der „sounds, patterns and ideas“ schon lange in Kopf und Händen. So deutet der Titel Youth darauf hin, dass der Komponist lange verwahrte Ideen, Erinnerungen an Bilder, Ereignisse, Begegnungen und Wahrnehmungen – sozusagen aus seiner eigenen Jugendzeit – in eine Notation gebracht, justiert, in Klang übersetzt hat.
Beim Spielen der Stücke oder beim Hören der wunderbaren Einspielung von Clare Hammond (Pentatone PTC: 5187197) reibt sich die Rezensentin verwundert die Augen und verortet diese impressionistisch gewandete Musik im Bereich der Minimal Music. Finnis rekurriert mit Titeln wie Bloom, Spin, Serried Ridges und Heath auf Erscheinungen und Anmutungen der Natur, inklusive sich aufdrängender Bilder, Düfte und Bewegungen.
Andere Titel weisen auf die bildende Kunst als weitere Inspirationsquelle: Frankenthaler steht wohl für die US-amerikanische Malerin Helen Frankenthaler; Coenties Slip ist eine Straße in Manhatten, in der sich in den 1950 bis 1960er Jahren KünstlerInnen niederließen, die mit den Stilrichtungen des Minimalismus, der Pop Art und Hard Edge assoziiert werden; Hammershøi Windows öffnet die Ohren und den Blick auf die Interieur-Gemälde des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi; ebenso spielen die Titel Buren (Daniel Buren) und Helsinki Patterns mit Hinweisen auf Malerei des 20. Jahrhunderts.
Hier schließt sich der Kreis von Minimal Art über Minimal Music zur Musik von Youth: Jedes Stück kommt mit einer Idee aus, sich wiederholende rhythmisch-melodische Patterns, kleine Verschiebungen, schlichte, stabile Harmonik fügen sich zu einem Muster, einem stehenden Klangbild, meditativer Betrachtung. Die Pianistin Clare Hammond über Youth: „This music is relatively simple but seems immediately to touch the heart. It is beautifully evocative, moving, and stays with you long after hearing it.“
Zum Erwecken solcher subtiler Wahrnehmung bedarf es feinster Anschlags- und Pedaltechnik, Sensibilität und Offenheit. Passend für erwachsene, sensibilisierte Pianisten und Pianistinnen.
Maria Zeidler-Kröll


