Zett, Luis

Across Euro­pe

12 fantasievolle Volkslied­bearbeitungen für Klavier zu 4 Händen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2016
erschienen in: üben & musizieren 3/2018 , Seite 57

Brahms mit sei­nen Unga­ri­schen Tän­zen und Dvoˇrák mit sei­nen Sla­wi­schen Tän­zen haben auf dem Gebiet der vier­hän­dig gesetz­ten, folk­lo­ris­tisch begrün­deten Musik Meis­ter­wer­ke geschaf­fen. Griegs Nor­we­gi­sche Tän­ze setz­ten das in klei­ne­rem Rah­men fort. Deren begrenz­ter Anspruch an Vir­tuo­si­tät mach­ten sie auch für das haus­mu­si­ka­li­sche Musi­zie­ren und für Kla­vier­schü­le­rIn­nen ver­wend­bar. Päd­ago­gisch aus­ge­rich­tet sind Luis Zetts vier­hän­di­ge Volks­lied­sät­ze, die sich im Zeit­al­ter der Glo­ba­li­sie­rung nicht der Folk­lo­re ­eines Lan­des allein wid­men, son­dern euro­pä­isch aus­ge­rich­tet sind.
Luis Zett, der im März 2017 ver­starb, hieß mit bür­ger­li­chem Namen Alois Zucht­rie­gel und war Autor einer gro­ßen Zahl von Bän­den mit attrak­ti­ver Spiel­mu­sik für Kla­vier­schü­le­rIn­nen jeden Alters. Auch im vor­lie­gen­den Band erweist er sich als der geschick­te Prak­ti­ker in Hin­sicht auf reiz­vol­le Unter­richts­li­te­ra­tur für den „etwas fort­ge­schrit­te­nen Kla­vier­schü­ler“. Dass er sich in die­sem Band dem lei­der oft ver­nach­läs­sig­ten Vier­hän­dig­spiel wid­me­te, ist ver­dienst­voll. Lehr­kräf­te wie Schü­le­rIn­nen wer­den an die­sen hüb­schen Volks­lied­be­ar­bei­tun­gen ihren Spaß haben, was ja erklär­tes Ziel des Autors ist.
Euro­pa kann sich glück­lich schät­zen, auch musi­ka­lisch ein Kon­ti­nent der unter­schied­li­chen natio­na­len und regio­na­len Kul­tu­ren zu sein mit ihren aus­ge­präg­ten melo­di­schen, har­mo­ni­schen oder rhyth­mi­schen Eigen­hei­ten. Dar­auf weist der Autor in Kom­men­ta­ren zu den ein­zel­nen Stü­cken hin. Die kön­nen sich auch auf Übehin­wei­se und Schwie­rig­kei­ten bezie­hen, so etwa ganz hand­fest, beim „Mischme­trum“ im maze­do­ni­schen Sto mi e milo die lin­ke Hand auf den Rhyth­mus hin „zu trim­men“, gege­be­nen­falls auch ohne Kla­vier. Im fran­zö­si­schen Dans les jardins d’mon père ist der Hin­weis auf „eine wun­der­schö­ne, wie­gen­de Melo­die“ sicher auch zu ver­ste­hen als For­de­rung nach betont kan­ta­blem Spiel auch in den Begleit­fi­gu­ren. Eine veri­ta­ble Stac­ca­to-Stu­die im Secon­do-Part ist Horch, was kommt von drau­ßen rein und zudem mit sei­nen Tem­po­wech­seln ein schö­nes Bei­spiel für „bedeut­sa­me“ Musik. Klang­sinn­lich­keit ist gefor­dert im Fla­men­co-Ton des spa­ni­schen Ala­là.
Die zwölf Sät­ze sind satz­tech­nisch von schö­ner Durch­hör­bar­keit und geben jedem Spie­ler und jeder Spie­le­rin auch die musi­ka­lisch-melo­di­sche Füh­rung. Sie sind mehr als nur Arran­ge­ments, beinhal­ten sie doch auch soge­nann­te „Inter­mez­zi“, in denen Luis Zett mit Moti­ven und Rhyth­men spielt. Die Mar­ca­to-Anwei­sung immer dort, wo die melo­di­sche Füh­rung nicht in der Ober­stim­me liegt, wirkt etwas zei­ge­fin­ger­haft und über­päd­ago­gisch. Das wird der „mul­ti­kul­tu­rel­len“ Spiel­freu­de, die den Stü­cken inne­wohnt, indes kei­nen Abbruch tun. Sinn­vol­le Wen­de­stel­len und die über­sicht­li­che Par­ti­tur-Anord­nung des vier­hän­di­gen Sat­zes tun das Ihre dazu.
Gün­ter Maty­si­ak