Herbst, Sebastian

Arbeits­si­tua­ti­on und Finan­zen

Kommentar

Rubrik: musikschule )) DIREKT
erschienen in: üben & musizieren 6/2019 , musikschule )) DIREKT, Seite 01

Pres­se­mit­tei­lun­gen berich­te­ten auch 2019 wie­der von erfreu­li­chen und weni­ger erfreu­li­chen Ent­wick­lun­gen in Bezug auf das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis und die finan­zi­el­le Situa­ti­on von Musik­schul­leh­ren­den. Posi­tiv: Die Musik­schu­len in Rhein­land Pfalz erhiel­ten einen Lan­des­zu­schuss von drei Mil­lio­nen Euro und auch in Hes­sen ist laut Frank­fur­ter All­ge­mei­ne eine Auf­stockung geplant. Lehr­kräf­te in Mett­mann mit min­des­tens sie­ben Wochen­stunden wer­den wei­ter nach Tarif bezahlt und das Hono­rar der ande­ren wur­de erhöht. Auch die Leh­ren­den der Leip­zi­ger Musik­schu­le „Johann Sebas­ti­an Bach“, der nun kom­mu­na­len Musik­schu­le Schwan­dorf sowie die Hono­rar­lehr­kräf­te der Rhei­ni­schen Musik­schu­le Köln bekom­men mehr Geld. In Köln konn­ten sogar für vor­he­ri­ge Hono­rar­lehr­kräf­te 17 Plan­stel­len nach Tarif­ver­trag mit Fest­an­stel­lung geschaf­fen wer­den.

Doch die Situa­ti­on ist noch längst nicht zufrie­den­stel­lend, wie der Bericht „Musik­schu­len for­dern mehr Geld und Fest­ver­trä­ge“ im Deutsch­land­funk ver­mu­ten lässt. So star­te­te die Kreis­mu­sik­schu­le Drei­län­der­eck eine Online-Peti­ti­on und for­der­te höhe­re Gehäl­ter der TVöD-Lehr­kräf­te. Die Tarif­ver­hand­lun­gen sind jedoch geschei­tert. Laut West­deut­scher Zei­tung geht auch die Geduld der Hono­rar­kräf­te in Wup­per­tal zu Ende: „Die frei­en Mit­ar­bei­ter for­mie­ren sich zum Pro­test. Seit Jah­ren sind ihre Stun­den­sät­ze nicht erhöht wor­den. Vie­le leben am Exis­tenz­mi­ni­mum.“

Die Zah­len einer aktu­el­len Sta­tis­tik zu frei­be­ruf­lich Täti­gen in der Spar­te Musik (Daten­ba­sis: KSK-Ver­si­cher­te, mehr dazu: www.miz.org/statistiken.html), die das Musik­in­for­ma­ti­ons­zen­trum im Sep­tem­ber 2019 ver­öf­fent­lich­te, bestä­ti­gen die­sen Ein­druck. Für frei­be­ruf­li­che Musik­lehr­kräf­te sowie Aus­bil­de­rIn­nen im Bereich Musik, die 49,7 Pro­zent der KSK-Ver­si­cher­ten in der Spar­te Musik aus­ma­chen, ist für 2019 ein durch­schnitt­li­ches Jah­res­ein­kom­men von 13337 Euro vor Steu­ern pro­gnos­ti­ziert. Dies bedeu­tet zwar einen Anstieg von 56,4 Pro­zent im Ver­gleich zum Jahr 2000, von einem ange­mes­se­nen Ein­kom­men kann jedoch kei­ne Rede sein. Im Geschlech­ter­ver­gleich muss zudem fest­ge­stellt wer­den, dass Frau­en mit durch­schnitt­lich 12295 Euro deut­lich weni­ger ver­die­nen als ihre männ­li­chen Kol­le­gen mit 14494 Euro.

Nicht nur in Anbe­tracht des Ein­kom­mens ist zu hof­fen, dass musi­ka­li­sche Bil­dungs­an­ge­bo­te wei­ter­hin umsatz­steu­er­be­freit blei­ben. Einen Auf­schlag von 19 Pro­zent ohne Ver­än­de­rung der För­der­mög­lich­kei­ten wür­de die Teil­ha­be an musi­ka­li­scher Bil­dung ver­rin­gern oder die pre­kä­re Arbeits­situation frei­be­ruf­li­cher Lehr­kräf­te ver­stär­ken. Zum Leben zu wenig, zum Ster­ben zu viel.