Schäuble, Marion

Auf­tritt!

Musiktheater mit Kindernund Jugendlichen

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Carus, Stuttgart 2012
erschienen in: üben & musizieren 5/2012 , Seite 57

Schon die ers­ten Sei­ten machen Lust und Mut, sich an ein eige­nes (ers­tes) Musik­thea­ter­pro­jekt zu wagen – so viel Spaß am gemein­sa­men Pro­bie­ren und Expe­ri­men­tie­ren strahlt die­ses Buch aus. Mari­on Schäub­le gibt ihre lang­jäh­ri­ge Erfah­rung in den Berei­chen Schau­spiel, Regie, Dra­ma­tur­gie und Kos­tüm wei­ter und macht es so auch Men­schen mit wenig Erfah­rung mög­lich, eine Pro­duk­ti­on mit Kin­dern und Jugend­li­chen jeden Alters zu verwirklichen.
Dabei steht hier nie die Perfek­tion im Mit­tel­punkt, son­dern das Erfah­ren und das gemein­sa­me Aus­pro­bie­ren. Ob bei Grup­pen­spie­len, Rhyth­mus­übun­gen, der Rol­len­fin­dung, Übun­gen zu Spra­che oder Chor – immer wird ver­mit­telt, wie man die jun­gen Sän­ger­schau­spie­ler dort abho­len kann, wo sie gera­de ste­hen, wie ihre Lebens­wirk­lich­keit ein­be­zo­gen wer­den kann. Ohne erho­be­nen päd­ago­gi­schen Zei­ge­fin­ger gibt Mari­on Schäub­le Bei­spie­le und Vor­schlä­ge dafür, wie man mit Kin­dern und Jugend­lichen auch in schwie­ri­gen grup­pen­dy­na­mi­schen Pro­zes­sen kom­muniziert und für alle eine rund­her­um posi­ti­ve Erfah­rung ermöglicht.
Zu Beginn jedes Abschnitts und jeder Übung wird auf­schluss­reich erläu­tert, wor­in das Ziel und die Rele­vanz inner­halb des Pro­zes­ses bestehen. Der inter­dis­zi­pli­nä­re Ansatz bin­det die Bedürf­nis­se der gesam­ten Grup­pe mit ein. Sim­pel, aber ernst­haft gibt Schäub­le Werk­zeu­ge an die Hand, nicht der Ver­lo­ckung des Pro­fes­sio­nel­len zu ver­fal­len, son­dern bei Licht, Kos­tüm und Büh­nen­bild mit den Mit­teln zu arbei­ten, die zur Ver­fü­gung ste­hen, und sie bestmög­lich in Sze­ne zu set­zen. Auch für alles, was außer­halb der Pro­ben­zei­ten getan wer­den muss, wie Mit­tel­be­schaf­fung, Wer­bung und Aus­ein­an­der­set­zung mit recht­li­chen Regu­lie­run­gen, gibt die Autorin nütz­li­che Tipps. Schließ­lich wird man auf die End­pro­ben und Vor­stel­lun­gen bes­tens vor­be­rei­tet, bekommt Vor­stel­lun­gen von Abläu­fen vor, hin­ter und auf der Büh­ne. Der her­aus­nehm­ba­re Ablauf­plan zeigt zusätz­lich detail­iert die ein­zel­nen Pro­duk­ti­ons­schrit­te in ihrer zeit­li­chen Rei­hen­fol­ge und Dau­er an.
Abschlie­ßend fin­den sich exemp­­larische Ant­wort­mög­lich­kei­ten dar­auf, wie das pas­sen­de Stück für eine Grup­pe gefun­den oder bear­bei­tet wer­den kann. Hin­zu kommt ein aus­führ­li­ches und ins­pirierendes Lite­ra­tur­ver­zeich­nis zum Weiterlesen.
Auch erfah­re­ne Musik­thea­ter­ma­che­rIn­nen fin­den in die­sem Buch sicher noch Anre­gun­gen, denn egal, ob man das Buch pro­zess­be­glei­tend liest oder ein­zel­ne Kapi­tel zu Rate zieht: Eigent­lich kann so nichts mehr schief­ge­hen. Oder um es mit Mari­on Schäub­le zu sagen: „Ob jetzt wäh­rend der Vor­stel­lung ­etwas schief­geht oder nicht, ist ­eigent­lich egal. Nor­ma­ler­wei­se geht immer etwas schief. Das macht aber nichts. Es geht um die Spiel­freu­de und die gemein­sa­me Erfahrung.“
Judith Ph. Franke