Tülek, Kenan

Bag­la­ma spie­len

Die Selpe-Technik. Die einfache Methode für den modernen Unterricht, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2018
erschienen in: üben & musizieren 6/2018 , Seite 59

Das Lehr­buch von Ken­an Tülek Bag­la­ma spie­len – Die Sel­pe-Tech­­nik ist spe­zi­ell für den deutsch­spra­chi­gen Raum ent­wi­ckelt wor­den. Denn bis heu­te gibt es weni­ge Lehr­bü­cher zur Sel­pe-Tech­nik. Dabei ist das Inter­es­se zum Erler­nen die­ser Tech­nik in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich gestie­gen. Wäh­rend bei der Plekt­rumtechnik nur die lin­ke Hand für die Melo­die zustän­dig ist, ver­wen­det die Sel­pe-Tech­nik sowohl lin­ke als auch rech­te Hand zur Melo­die­bil­dung.
Das Lehr­werk ver­wen­det aus­schließ­lich die Kurz­hals-Bag­la­ma in der Bag­la­ma-Stim­mung mit 19 Bün­den. Es rich­tet sich an Lai­en mit Noten­kennt­nis­sen, die bereits gene­rell über Grund­kennt­nis­se des Bag­la­ma-Spie­lens ver­fü­gen und sich auch in ver­schie­de­nen Stil­rich­tun­gen der tür­ki­schen Volks­mu­sik aus­ken­nen soll­ten. Anders als die gene­rell übli­che Lehr­me­tho­de, die eng mit dem Gesang des tür­ki­schen Volks­lieds ver­knüpft ist, konzent­riert sich hier das Bag­la­ma-Spiel auf das Instru­men­tal­spiel von Lie­dern und Tän­zen.
Der Band ist in vier Tei­le geglie­dert: gene­rel­le Ein­füh­rung und Beschrei­bung der Baˇg­la­ma, tech­ni­sche Übun­gen und Lied­bei­spie­le zu den drei belieb­ten Sel­pe-Grund­tech­ni­ken: Pençe-, Picking- und Tap­ping-Etü­den zu einer Aus­wahl von Ska­len, wie sie in der tür­ki­schen Musik ver­wen­det wer­den, eine Lie­der­samm­lung bekann­ter Lie­der aus ver­schie­de­nen Regio­nen der Tür­kei mit ihren typi­schen Sti­len. Im Anhang fin­den sich Hin­wei­se zur tür­ki­schen Aus­spra­che und Über­set­zun­gen der Lied­na­men. Auf der bei­lie­gen­den CD hat Ken­an Tülek die Übun­gen, Etü­den und Lie­der klar und noten­ge­treu ein­ge­spielt.
Das Lehr­werk zeich­net sich durch sei­ne über­sicht­li­che Gestal­tung und Auf­be­rei­tung aus. Bei der Nota­ti­on der Stü­cke wur­de eine ein­fa­che Noten­schreib­wei­se gewählt, die auf Ver­zie­run­gen ver­zich­tet und eine ein­fa­che Dar­stel­lung bevor­zugt. Foto­gra­fi­en zur Hand- und Fin­ger­hal­tung erleich­tern zudem die tech­ni­sche Umset­zung.
Die Benut­zung des Lehr­buchs er­fordert ein sys­te­ma­ti­sches Durch­arbeiten, da das Mate­ri­al von leicht nach schwer ange­ord­net ist. Für mich ist die Ein­tei­lung des Mate­ri­als in die vier Tei­le nicht ganz schlüs­sig. Zum Bei­spiel erfolgt die genaue Beschäf­ti­gung mit den ver­schie­de­nen Ska­len im drit­ten Kapi­tel auf einen Schlag. Per­sön­lich hät­te ich auch für die Benen­nung der Ton­lei­tern die ana­to­li­schen Bezeich­nun­gen denen der klas­sisch tür­ki­schen Musik vor­ge­zo­gen, zumal die Stück­aus­wahl der ana­to­li­schen Musik ent­springt. Der vier­te Teil stellt eine rei­ne Stü­cke­samm­lung dar, tech­ni­sche Übun­gen hin­sicht­lich der Sel­pe-Tech­nik oder Hin­wei­se zu den ver­wendeten Ska­len feh­len. Tech­ni­sche Fer­tig­kei­ten wer­den nun als bekannt vor­aus­ge­setzt.
Im Gan­zen betrach­tet stellt das Lehr­werk aber einen gelun­ge­nen Bei­trag zum Erler­nen der Sel­pe-Tech­nik dar; sei es für den tür­kisch­stäm­mi­gen Bag­la­ma-Spie­ler oder für den deut­schen Gitar­ren­lieb­ha­ber, der über Kennt­nis­se der Fla­men­co-, Tap­ping- und Picking­schu­le ver­fügt.
Mus­ta­fa Erdo­gan