Carbow, Martin / Christoph Schönherr

Chor­lei­tung Pop – Jazz – Gospel

Der sichere Weg zum richtigen Groove, mit CD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2006
erschienen in: üben & musizieren 2/2007 , Seite 62

Es ist mei­ne Über­zeu­gung, dass die Begeis­te­rung für die Musik in jedem Moment zu spü­ren sein darf“, schreibt Mar­tin Car­bow im Vor­wort sei­ner Ver­öf­fent­li­chung zur Chor­lei­tung im Bereich Pop, Jazz und Gos­pel, die er als Haupt­au­tor gemein­sam mit Chris­toph Schön­herr vor­ge­legt hat. Die­se Begeis­te­rung des Autors durch­zieht das gan­ze umfang­rei­che Buch, in dem Chor­lei­te­rIn­nen klein­schrit­tig und detail­ge­nau Infor­ma­tio­nen, Anlei­tung und kon­kre­te Hil­fen für die Pro­ben­ar­beit fin­den kön­nen.
Im Mit­tel­punkt steht der Groo­ve, defi­niert als „die Art, wie Rhyth­men inter­pre­tiert und umge­setzt wer­den,“ als das wich­tigs­te kon­sti­tu­ti­ve Ele­ment im Bereich Pop, Jazz und Gos­pel. Nach eini­gen gene­rel­len Über­le­gun­gen und Tipps zur Chor- bzw. Pro­ben­ar­beit fol­gen das zen­tra­le Kapi­tel „Groo­ve im Chor“ (mehr als 180 Sei­ten!) und kür­ze­re Kapi­tel zu den The­men Gehör­bil­dung, Jazz­har­mo­nik und Into­na­ti­on sowie Aus­füh­run­gen zu Arran­ge­ments, Audi­tions etc. In wei­te­ren Abschnit­ten befasst sich Chris­toph Schön­herr mit der Fra­ge der Not­wen­dig­keit des Diri­gie­rens im Bereich Pop, Jazz und Gos­pel, mit dem Wort-Ton-Ver­hält­nis, Par­al­le­len zur Arbeit im Bereich Klas­sik und mit der cho­ri­schen Vokal­im­pro­vi­sa­ti­on. Uli­ta Knaus und Anne Koh­ler sind die Autorin­nen zwei­er nütz­li­cher Kapi­tel zur Stim­me und zur Stimm­bil­dung.
Anfäng­li­che Skep­sis, ob ein Buch all das trans­por­tie­ren kann, was für die Arbeit im Bereich Pop, Jazz und Gos­pel wich­tig ist und sich zum gro­ßen Teil nur unvoll­kom­men ver­schrift­li­chen lässt, weicht rasch der Bewun­de­rung für Mar­tin Car­bow, der mit Fleiß, Akri­bie und äußers­ter Prä­zi­si­on im Detail mög­li­che Pro­ble­me und Feh­ler­quel­len benennt, Übun­gen vor­legt und genaue Anwei­sun­gen zu deren Durch­füh­rung gibt. Inter­es­sier­te Lese­rIn­nen, die sich inten­siv auf das Buch ein­las­sen – sie brau­chen dabei nicht ein­mal unbe­dingt von vor­ne nach hin­ten zu lesen, son­dern kön­nen im Text hin- und her­sprin­gen –, wer­den als­bald fest­stel­len, dass sie von der Plas­ti­zi­tät der Dar­stel­lung, den Noten­bei­spie­len und der bei aller Sach­lich­keit doch in einem posi­ti­ven Sin­ne per­sön­lich gepräg­ten, zum Teil sogar emo­tio­na­len Schreib­wei­se ange­steckt und für das The­ma begeis­tert wer­den.
Auf­wän­dig und detail­reich wie das gan­ze Buch ist auch der Appa­rat im Anhang: Bio­gra­fi­sches zu den bei­den Haupt­au­toren und deren Ver­öf­fent­li­chun­gen, Bezugs­quel­len, Orga­ni­sa­tio­nen, Emp­feh­lun­gen zu Ton­trä­gern und die not­wen­di­gen Regis­ter run­den das Kom­pen­di­um ab und las­sen (fast) kei­ne Fra­gen mehr offen. Da, wo die Spra­che nicht alles sagen kann, hel­fen die Hör­bei­spie­le, Kom­po­si­tio­nen und Arran­ge­ments von Mar­tin Car­bow auf der bei­gefüg­ten CD wei­ter. Das Lay­out (Neben­be­mer­kun­gen und Fuß­no­ten klei­ner gedruckt am Rand, grau unter­leg­te Fel­der für Bei­spie­le und ande­res mehr) för­dert die Les­bar­keit.
Ein unver­zicht­ba­res Stu­di­en­buch für alle Chor­lei­te­rIn­nen, die sich ernst­haft dar­um bemü­hen, mit ihrem Chor qua­li­tät­voll und begeis­ternd Sät­ze aus dem Bereich Pop, Jazz und Gos­pel auf­zu­füh­ren.
Wolf­gang Koperski