Molter, Johann Melchior

Con­cer­ti­no in C / Con­cer­ti­no 8.13 / 5 Mär­sche

für 2 Chalumeau (Klarinetten), 3 Hörner und Fagott / für 2 Flöten, 2 Hörner und Basso (Fagott oder Violoncello) / für 2 Oboen, Klarinette (Clarino), 2 Hörner und Fagott, hg. von Matthias Pflaum, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Uetz, Halberstadt 2016
erschienen in: üben & musizieren 6/2016 , Seite 56

In Sachen grö­ßer besetzter­ Blä­ser-Kam­mer­mu­sik haben es nach­hal­tig nur Mozarts Diver­ti­men­ti, Sere­na­den und Kas­sa­tio­nen ins Bewusst­sein einer brei­te­ren musi­ka­li­schen Öffent­lich­keit geschafft. Das mag am Gebrauchs­cha­rak­ter lie­gen, den die­se Musik in Barock und Klas­sik wei­test­ge­hend auf­wies. Und ganz sicher ist es mit­tel­bar auch dem durch­schnitt­li­chen (Un-)Vermögen der dama­li­gen Blä­ser­so­lis­ten geschul­det, die manch Kom­po­nis­ten von Rang ein­fach nicht zu einem über die rei­ne Ent­ste­hungs­zeit hin­aus wir­ken­den Stück inspi­rier­ten.
Frag­los ist es nicht fair, Johann Mel­chi­or Mol­ter und sei­ne drei vor­lie­gen­den Blä­ser­wer­ke direkt mit Mozart zu ver­glei­chen. Und doch war Mol­ter ein ganz ent­schie­de­ner Weg­be­rei­ter vir­tuo­ser Musik für Holz­blä­ser, nament­lich für Chalu­meau bezie­hungs­wei­se Kla­ri­net­te. Mag einem der cho­ri­sche Ansatz der bei­den Con­cer­ti­ni und die durch­ge­hend leich­te Fak­tur der fünf Mär­sche auch nicht beson­ders ambi­tio­niert erschei­nen, so ver­lan­gen doch zumin­dest die Flö­ten-, Obo­en-, Kla­ri­net­ten- und Horn­stim­men jene Vir­tuo­si­tät, die Mol­ter auch in sei­nen Blä­ser­kon­zer­ten for­dert.
Wenig scheint bekannt über die bei Uetz von Mat­thi­as Pflaum her­aus­ge­ge­be­nen Stü­cke, ledig­lich der Auf­be­wah­rungs­ort der Auto­gra­fen (die Badi­sche Lan­des­bi­blio­thek) lässt den Schluss zu, sie sei­en gegen Ende von Mol­ters Schaf­fen an sei­nem letz­ten Wir­kungs­ort, dem Karls­ru­her Hof, um die Mit­te des 18. Jahr­hun­derts ent­stan­den. Man darf ver­mu­ten, dass sowohl die Con­cer­ti­ni als auch die Mär­sche eher der Beglei­tung eines fest­lichen Essens als der Unter­ma­lung einer Ver­an­stal­tung im Frei­en dien­ten. Zumin­dest spre­chen sowohl die teil­wei­se Beset­zung mit Vio­lon­cel­lo und die Bezif­fe­rung des Bas­ses als auch die ver­gleichs­wei­se klei­ne Beset­zung für die­sen Hin­ter­grund.
Die Beset­zung für Blä­ser­quin­tett bezie­hungs­wei­se -sex­tett spricht gleich­zei­tig auch dafür, die drei Wer­ke ­Johann Mel­chi­or Mol­ters heu­te mit nach­ge­bau­ten (oder ori­gi­na­len) Instru­men­ten der Ent­stehungszeit auf­zu­füh­ren. Allein schon das deut­lich grö­ße­re Volu­men der bei­den Hör­ner wür­de die Balan­ce sonst nach­hal­tig stö­ren. Und auch das vir­tuo­se Ele­ment wird sehr viel deut­li­cher zu Tage tre­ten, wenn Ori­gi­nal­in­stru­men­te zum Ein­satz kom­men.
Viel­leicht fin­det sich im ­Umfeld des einen oder ande­ren Barock­or­ches­ters eine Blä­ser­for­ma­ti­on, die sich Mol­ters Wer­ken wid­men und sie los­ge­löst von den Strei­chern einem grö­ße­ren Publi­kum prä­sen­tie­ren möch­te. Der heu­ti­ge Aus­bil­dungs­stand von Lai­en­mu­si­kern dürf­te – etwas Erfah­rung vor­aus­ge­setzt – genü­gen, die hier vor­ge­stell­ten Stü­cke effekt­voll zum Klin­gen zu brin­gen.
Dani­el Knöd­ler