Molter, Johann Melchior
Concertino in C / Concertino 8.13 / 5 Märsche
für 2 Chalumeau (Klarinetten), 3 Hörner und Fagott / für 2 Flöten, 2 Hörner und Basso (Fagott oder Violoncello) / für 2 Oboen, Klarinette (Clarino), 2 Hörner und Fagott, hg. von Matthias Pflaum, Partitur und Stimmen
In Sachen größer besetzter Bläser-Kammermusik haben es nachhaltig nur Mozarts Divertimenti, Serenaden und Kassationen ins Bewusstsein einer breiteren musikalischen Öffentlichkeit geschafft. Das mag am Gebrauchscharakter liegen, den diese Musik in Barock und Klassik weitestgehend aufwies. Und ganz sicher ist es mittelbar auch dem durchschnittlichen (Un-)Vermögen der damaligen Bläsersolisten geschuldet, die manch Komponisten von Rang einfach nicht zu einem über die reine Entstehungszeit hinaus wirkenden Stück inspirierten.
Fraglos ist es nicht fair, Johann Melchior Molter und seine drei vorliegenden Bläserwerke direkt mit Mozart zu vergleichen. Und doch war Molter ein ganz entschiedener Wegbereiter virtuoser Musik für Holzbläser, namentlich für Chalumeau beziehungsweise Klarinette. Mag einem der chorische Ansatz der beiden Concertini und die durchgehend leichte Faktur der fünf Märsche auch nicht besonders ambitioniert erscheinen, so verlangen doch zumindest die Flöten-, Oboen-, Klarinetten- und Hornstimmen jene Virtuosität, die Molter auch in seinen Bläserkonzerten fordert.
Wenig scheint bekannt über die bei Uetz von Matthias Pflaum herausgegebenen Stücke, lediglich der Aufbewahrungsort der Autografen (die Badische Landesbibliothek) lässt den Schluss zu, sie seien gegen Ende von Molters Schaffen an seinem letzten Wirkungsort, dem Karlsruher Hof, um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden. Man darf vermuten, dass sowohl die Concertini als auch die Märsche eher der Begleitung eines festlichen Essens als der Untermalung einer Veranstaltung im Freien dienten. Zumindest sprechen sowohl die teilweise Besetzung mit Violoncello und die Bezifferung des Basses als auch die vergleichsweise kleine Besetzung für diesen Hintergrund.
Die Besetzung für Bläserquintett beziehungsweise -sextett spricht gleichzeitig auch dafür, die drei Werke Johann Melchior Molters heute mit nachgebauten (oder originalen) Instrumenten der Entstehungszeit aufzuführen. Allein schon das deutlich größere Volumen der beiden Hörner würde die Balance sonst nachhaltig stören. Und auch das virtuose Element wird sehr viel deutlicher zu Tage treten, wenn Originalinstrumente zum Einsatz kommen.
Vielleicht findet sich im Umfeld des einen oder anderen Barockorchesters eine Bläserformation, die sich Molters Werken widmen und sie losgelöst von den Streichern einem größeren Publikum präsentieren möchte. Der heutige Ausbildungsstand von Laienmusikern dürfte – etwas Erfahrung vorausgesetzt – genügen, die hier vorgestellten Stücke effektvoll zum Klingen zu bringen.
Daniel Knödler