Spanhove, Bart

Das Ein­mal­eins des Übens

Wege zur Perfektion (nicht nur) auf der Blockflöte

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Moeck, Celle 2016
erschienen in: üben & musizieren 4/2016 , Seite 50

Üben ist der bes­te Leh­rer“ – mit die­sem Zitat des römi­schen Autors Publi­li­us Syrus aus dem 1. Jahr­hun­dert v. Chr. beginnt das Buch von Bart Span­ho­ve, in dem er Grund­la­gen und Tech­ni­ken rund um das The­ma Üben ver­mit­telt. Vor allem aber lernt man, musi­ka­lisch zu üben, den „Stier bei den Hör­nern zu packen“, Pro­ble­me mit Spaß anzu­ge­hen und eine „per­sön­li­che Kunst des Übens“ zu ent­wi­ckeln.
Der Autor ist Grün­dungs­mit­glied des Flan­ders Recor­der Quar­tet und Pro­fes­sor für Block­flö­te an der Musik­hoch­schu­le im bel­gi­schen Leu­ven. In die­sem Band fasst er Erfah­run­gen zusam­men, die er bei Kur­sen in Euro­pa, den USA und Asi­en sam­meln konn­te. Er rich­tet sich sowohl an Ama­teu­re als auch Stu­die­ren­de.
Bart Span­ho­ve hat sein Buch in vier Tei­le auf­ge­teilt: Im Kapi­tel über die Grund­la­gen des Übens gibt er wert­vol­le Tipps zur Übe­situation und der inne­ren Ein­stel­lung des Spie­lers, betont den Nut­zen von musi­ka­li­schem Üben, ver­schie­de­nen Tem­pi und dem Aus­wen­dig­spie­len. Dar­auf fol­gen Aus­schnit­te aus Wer­ken von Tele­mann, Corel­li, Quantz und ande­ren. Span­ho­ve über­schlägt sich buch­stäb­lich mit Ide­en aus dem Fun­dus bewähr­ter oder von ihm ent­wi­ckel­ter Trai­nings­me­tho­den, ergänzt mit Hil­fe­stel­lun­gen für ein mög­lichst effek­ti­ves Vor­ge­hen. Span­ho­ve bestä­tigt damit sei­ne Devi­se, dass man zum erfolg­rei­chen Üben vor allem dies braucht: viel Fan­ta­sie und krea­ti­ve Ide­en!
Im drit­ten Teil wird Span­ho­ve sei­nem Sinn für struk­tu­rier­tes Den­ken gerecht: aus typi­schen Ton­fol­gen der Barock­mu­sik, immer wie­der­keh­ren­den Mus­tern und Figu­ren­kon­stel­la­tio­nen hat er cir­ca 70 Grund­mus­ter ent­wi­ckelt und in Rubri­ken ent­spre­chend der Inter­val­le ein­ge­teilt. Dar­aus erge­ben sich Anre­gun­gen zum Ver­ständ­nis der Musik. Vor allem bekommt man hier­durch die Chan­ce, Mus­ter zu erken­nen, zu auto­ma­ti­sie­ren und ein eige­nes Trai­nings­pro­gramm zu ent­wi­ckeln. Das Ziel dabei ist, die Töne nicht zu buch­sta­bie­ren, son­dern zu sinn­vol­len Moti­ven zusam­men­zu­fas­sen. So schreibt Span­ho­ve: „Das Geheim­nis für schnel­les Spie­len ist ein lang­sa­mer Gedan­ke.“
Als Abschluss folgt das Kapi­tel „Täg­li­cher Trai­ner“ mit Fol­gen von Übun­gen für die Fin­ger­tech­nik und Arti­ku­la­ti­on – aus­drück­lich gedacht als Ein­stiegs­hil­fe! Das erklär­te Ziel ist auch hier, dahin zu gelan­gen, sich die ei­genen Trai­nings­pro­gram­me auf den Leib zu schnei­dern.
Sehr gelun­gen fin­de ich die Samm­lung von Zita­ten berühm­ter Per­sön­lich­kei­ten, die einen auf fast allen Sei­ten beglei­ten: Wor­te von Kom­po­nis­ten, Musik­kri­ti­kern, Phy­si­kern, Schrift­stel­lern, Phi­lo­so­phen, Ten­nis­spie­lern… Denk­wür­di­ge Äuße­run­gen von Har­non­court ste­hen neben Tele­mann und Ivan Lendl. Die Quint­essenz stammt von David Laso­cki: „Wie man in die Car­ne­gie Hall gelangt? Üben, üben, üben!“ Oder im Sin­ne von Bart Span­ho­ve: Üben heißt, die Kraft und Schön­heit der Musik jeden Tag aufs Neue zu erle­ben. „Las­sen Sie uns jeden Tag genie­ßen!“
Lucia Mense