Erben, Eva

Den Him­mel berühren“

Die Musikpädagogin Frieda Loebenstein (1888-1968), Forum Musikpädagogik, Augsburger Schriften (hg. von Rudolf-Dieter Kraemer), Band 152

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Wißner, Augsburg 2021
erschienen in: üben & musizieren.research 2021

 

Frie­da Loeben­stein (1888–1968):

eine her­aus­ra­gen­de Reform­päd­ago­gin im Bereich des Klavierunterrichts“


Rezen­si­on zu:
Erben, Eva (2021). „Den Him­mel berüh­ren“. Die Musik­päd­ago­gin Frie­da Loeben­stein (1888–1968), Forum Musik­päd­ago­gik, Augs­bur­ger Schrif­ten (hg. von Rudolf-Die­ter Kraemer), Band 152. Augs­burg: Wiß­ner. 388 Sei­ten, 39,80 €, ISBN 978–3‑95786–260‑0

Rezen­sen­tin: Sil­ke Kruse-Weber
Rezen­si­on ver­öf­fent­licht am: 13.12.2021

1. Ein­füh­rung

Die Dis­ser­ta­ti­ons­schrift von Eva Erben über das Leben und Wir­ken der Musik­päd­ago­gin Frie­da Loeben­stein (1888–1968) wur­de im Bereich der Instru­men­tal- und Gesangs­päd­ago­gik ein­ge­reicht und 2021 im Wiß­ner-Ver­lag als Mono­gra­fie publi­ziert. Die Rezen­si­on glie­dert sich ers­tens in eine Ein­füh­rung in Leben und Werk von Loeben­stein, beschreibt zwei­tens das Anlie­gen und den Auf­bau der Arbeit, erör­tert drit­tens das wis­sen­schaft­li­che Vor­ge­hen (Fra­ge­stel­lung, Ein­ord­nung in den fach­wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs, Aus­ein­an­der­set­zung mit dem For­schungs­stand) und wird schließ­lich durch eine zusam­men­fas­sen­de Bewer­tung der (wis­sen­schaft­li­chen) Ergeb­nis­se abgerundet.

Loeben­steins Lebens­weg führt von ihrem Geburts­ort Hil­des­heim über die Stu­di­en- und Berufs­jah­re in Ber­lin (1912–1933) und bedingt durch ihre jüdi­sche Her­kunft über ver­schlun­ge­ne Pfa­de in die Emi­gra­ti­on nach Bra­si­li­en (1939–1968), wo sie bis zu ihrem Lebens­en­de in einem Klos­ter als Bene­dik­ti­ne­rin lebt. Erben stellt fest, dass Loeben­stein auch als Schwes­ter Pau­la, also als kon­ver­tier­te Chris­tin, ihre jüdi­schen Wur­zeln nie ver­leug­net oder ver­ges­sen habe (Erben, 2021, S. 37). In ihrer Zeit im klös­ter­li­chen Exil stellt Loeben­stein ihr musik­päd­ago­gi­sches Wir­ken in den Dienst der Kir­che und Liturgie.

Im Ber­lin der „Gol­de­nen Zwan­zi­ger“ arbei­tet Loeben­stein im räum­li­chen und zeit­li­chen Umfeld von u. a. Hans Mer­s­mann, Fritz Jöde, Leo Kes­ten­berg und Georg Schü­ne­mann. Zwi­schen 1921 und 1930 ist Loeben­stein in Ber­lin an ver­schie­de­nen Insti­tu­tio­nen tätig. Sie arbei­tet als Leh­re­rin für Gehör­bil­dung am Stern­schen Kon­ser­va­to­ri­um, unter­rich­tet im Rah­men der Staat­li­chen Lehr­gän­ge für Volks- und Jugend­mu­sik­pfle­ge an der Staat­li­chen Aka­de­mie für Kir­chen- und Schul­mu­sik das Fach Gehör­bil­dung und zur glei­chen Zeit lehrt sie am Semi­nar für Musik­erzie­hung an der Hoch­schu­le der Küns­te. Hier arbei­tet sie zusam­men mit Georg Schü­ne­mann an einer reform­päd­ago­gisch gepräg­ten Musik­erzie­hung für den Kla­vier­un­ter­richt. Instru­ment und Stim­me bil­den in die­sem Unter­richt Mit­tel des musi­ka­li­schen Aus­drucks und die Bil­dung der Musi­ka­li­tät wird als vor­ran­gi­ges Ziel betrach­tet (Schü­ne­mann, 1927, S. 283). Wie zahl­rei­che Musik­päd­ago­gIn­nen des Zeit­raums wen­det sich Loeben­stein gegen eine Instru­men­tal­aus­bil­dung, deren Ziel allein dar­in bestehen soll­te, zu einer mög­lichst „umfas­sen­den Beherr­schung des Instru­ments“ (Loeben­stein, 1927, S. 3) zu gelan­gen. Loeben­stein geht es dar­um, Musik und Ler­nen­de zu ver­ste­hen und ein Ver­ständ­nis für Musik zu ver­mit­teln. Das Kla­vier bil­det hier­bei ein „musik­päd­ago­gi­sches Mit­tel“ (Loeben­stein, 1932, S. 1). Die Ver­bin­dung von Musik­theo­rie, Gehör­bil­dung (basie­rend auf der Toni­ka-Do-Leh­re) und Impro­vi­sa­ti­on zielt auf ein „Erschlie­ßen des Musi­ka­li­schen“ – so der Unter­ti­tel ihrer Schrift Der Ers­te Kla­vier­un­ter­richt (Loeben­stein, 1927). Die Toni­ka-Do-Leh­re dient Loeben­stein als zen­tra­les metho­di­sches Mit­tel, um die der Musik imma­nen­ten Bewe­gungs­ten­den­zen als ener­ge­ti­sches Bewe­gungs­ge­sche­hen im Wech­sel von Span­nung und Lösung erfahr­bar, begreif­lich und leben­dig zu machen – sowohl im Anfangs­un­ter­richt für Kla­vier als auch in der Ver­mitt­lung von gre­go­ria­ni­schen Gesän­gen, die im Exil im Zen­trum ihrer musik­päd­ago­gi­schen Arbeit stehen.

In den Jah­ren 1925 bis 1932 ent­ste­hen drei kla­vier­päd­ago­gi­sche Kon­zep­tio­nen von Loeben­stein, die in fach­ein­schlä­gi­gen Krei­sen der Toni­ka-Do-Leh­re (Losert, 2011) sowie der „musik­wis­sen­schaft­li­chen Frau­en-Exil­for­schung“ (Bra­de, 1999; Rho­de-Jüch­tern, 2008) und in der Kla­vier­päd­ago­gik als modern – inno­va­tiv – vor­aus­schau­end (Titel des Auf­sat­zes von Kru­se-Weber, 2004) oder als Pio­nie­rin (Kru­se-Weber, 2006, S. 52) und bezo­gen auf die reform­päd­ago­gi­schen Leis­tun­gen im Bereich des Kla­vier­un­ter­richts als „her­aus­ra­gend“ (Mah­lert, 2011, S. 211) gewür­digt wer­den. Loeben­steins instru­men­tal­di­dak­ti­sche Kon­zep­tio­nen kön­nen sich durch­aus ein­rei­hen in eine moder­ne musi­zier­päd­ago­gi­sche Pra­xis, inso­fern alles Ler­nen und Leh­ren in einem inter­ak­ti­ven Unter­richts­ge­sche­hen auf Anschau­lich­keit, Sinn­lich­keit und Selbst­tä­tig­keit beruht und im Wech­sel von Sin­gen, Hören und Spie­len geschieht.

Seit ihrer Ent­las­sung von der Hoch­schu­le Ber­lin setzt sich Loeben­stein mit der Gre­go­ria­nik aus­ein­an­der und unter­rich­tet und publi­ziert auch in por­tu­gie­si­scher Spra­che (Erben, 2021, S. 133, 253). Man erfährt von der Autorin, wie die Kon­ver­si­on Loeben­stein nicht vor den Repres­sa­li­en durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten bewahr­te und Aus­wan­de­rungs­plä­ne nach Bra­si­li­en in ein Bene­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ter immer deut­li­cher wur­den. Im Klos­ter Aba­dia de San­ta Maria bil­det Loeben­stein ihre Mit­schwes­tern und Novi­zin­nen und spä­ter auch aus­wär­ti­ge Ordens­leu­te im gre­go­ria­ni­schen Sin­gen aus.

2. Anlie­gen und Auf­bau der Monografie

Erben zeich­net mit ihrer Mono­gra­fie über die Musik­päd­ago­gin Frie­da Loeben­stein erst­ma­lig ein „Gesamt­por­trät“, „das zum einen erken­nen lässt, wel­che musik­päd­ago­gi­sche Hal­tung sie ein­nahm, wel­ches Mot­to ihre musik­prak­ti­sche Arbeit bestimm­te und zum ande­ren, wel­che Art von Mensch hin­ter den fort­schritt­li­chen Ideen, die sie zwei­fels­oh­ne ver­trat, steht“ (Erben 2021, S. 13).

Die Lebens­ge­schich­te und das viel­fäl­ti­ge musik­päd­ago­gi­sche Wir­ken Frie­da Loeben­steins möch­te Erben in den päd­ago­gi­schen, kul­tu­rel­len und gesell­schaft­li­chen Kon­text der Zeit ein­bet­ten (Erben, 2021, S. 24). Sie geht davon aus, dass nur durch eine Betrach­tung, die das Leben Loeben­steins mit ihrem Wir­ken ver­bin­det, ein tie­fes Ver­ständ­nis ihrer Per­sön­lich­keit mög­lich und sinn­voll ist. Erben beruft sich auf den His­to­ri­ker Bern­hard Fetz und ver­sucht, in die „Kon­takt­zo­ne zwi­schen Wer­ken, Hand­lun­gen und Ideen und den Bedin­gun­gen ihrer Her­vor­brin­gung in der Lebens­pra­xis [ein­zu­drin­gen]“ (Fetz, 2009, S. 435 zit. nach Erben, 2021, S. 13). Die­ses Vor­ge­hen ist zunächst nachvollziehbar.

Erben struk­tu­riert ihre Arbeit in zwei Tei­le: ers­tens eine chro­no­lo­gi­sche Dar­stel­lung und zwei­tens eine sach­lo­gi­sche Sys­te­ma­tik. Loeben­steins Leben und Wir­ken ent­fal­tet Erben anhand der „gro­ßen The­men Musik und Reli­gi­on“ (Erben, 2021, S. 29). Sie legt im ers­ten Teil ihrer bio­gra­fi­schen Dar­stel­lung Loeben­steins (Erben, 2021, S. 29–160) das reli­giö­se Lebens­mot­to „Den Him­mel berühren“ (Erben, 2021, S. 318) zugrun­de und rekon­stru­iert ins­ge­samt „drei Leben“: Loeben­steins ers­tes Leben als deut­sche Jüdin (bis 1933), das zwei­te Leben als Kon­ver­ti­tin (bis 1939) und schließ­lich das drit­te Leben (bis zu ihrem Tod 1988), in wel­ches wir Ein­blick in die Zeit der Abge­schie­den­heit als Bene­dik­ti­ne­rin im Klos­ter Aba­dia de San­ta Maria in São Pau­lo, Bra­si­li­en, gewin­nen. Die Lebens­ab­schnit­te wer­den jeweils zu Beginn mit einer bio­gra­fi­schen Skiz­ze eröff­net und am Ende mit der Nen­nung von rele­van­ten Schrif­ten des Zeit­raums umrahmt. Ab dem Lebens­ab­schnitt als Kon­ver­ti­tin wird den Lese­rIn­nen deut­lich, dass Musik(pädagogik) und Reli­gi­on bei Loeben­stein eng ver­knüpft sind. Auch wird Lese­rIn­nen durch die zahl­rei­chen ver­schie­de­nen Quel­len gro­ße Empa­thie für Loeben­steins Per­sön­lich­keit ermög­licht. Für die Kate­go­rie des so genann­ten ers­ten Lebens als „deut­sche Jüdin“ hät­te man sich gewünscht, mehr dazu zu erfah­ren, was die Autorin unter die­sem Begriff ver­steht und wie sich die­ses Leben auf die musik­päd­ago­gi­sche Arbeit Loeben­steins (even­tu­ell auch nicht) aus­ge­wirkt hat und in Bezie­hung zu den Kol­le­gIn­nen ihrer Zeit steht.

Der zwei­te Teil des Buchs (Erben, 2021, S. 161–314) legt den Fokus auf das musik­päd­ago­gi­sche Wir­ken Loeben­steins und zeigt die Kon­zep­ti­on des musik­päd­ago­gi­schen Han­delns der Musik­päd­ago­gin Loeben­stein dies­mal aus der sys­te­ma­ti­schen Per­spek­ti­ve auf: Loeben­stein als Musik­päd­ago­gin, Gehör­bil­dungs­leh­re­rin, Kla­vier­päd­ago­gin und Chor­lei­te­rin. In den Kapi­teln 1 bis 3 die­ses zwei­ten Teils wer­den die zeit­ge­schicht­li­chen Strö­mun­gen Reform­päd­ago­gik, Jugend­mu­sik­be­we­gung, Kes­ten­berg-Reform und Frau­en­be­we­gung the­ma­ti­siert, gefolgt von Loeben­steins „Leit­ge­dan­ken“ „Men­schen­bil­dung durch Musik“, „leben­di­ge Musik­un­ter­wei­sung“ und „Musik ist Bewe­gung“ und der Toni­ka-Do-Metho­de (Erben, 2021, S. 15). In Kapi­tel 4 wer­den die „Haupt­schrif­ten“ zur Gehör­bil­dung, Kla­vier­päd­ago­gik und Gre­go­ria­nik der Prot­ago­nis­tin sowie im direk­ten Anschluss Ver­tre­te­rIn­nen der Fach­ge­bie­te Musik­päd­ago­gik, Musik­wis­sen­schaft, Psy­cho­lo­gie und Päd­ago­gik betrach­tet, da sie Loeben­stein maß­geb­lich beein­flusst haben. Kapi­tel 6 nimmt die Wür­di­gung von SchülerInnen und Stu­die­ren­den in den Blick, um schluss­end­lich die „Bedeu­tung von Leben und Wir­ken Frie­da Loeben­steins für die Musik­päd­ago­gik“ (Erben, 2021, S. 15) zusammenzufassen.

3. For­schungs­me­tho­di­sches Vorgehen

Mit ihrer Arbeit möch­te Erben jeweils einen Bei­trag zur His­to­ri­schen Musik­päd­ago­gik, Instru­men­tal­päd­ago­gik, Gen­der- und Exil­for­schung leis­ten. In der Beschrei­bung des For­schungs­stan­des nennt Erben zahl­rei­che Quel­len zwi­schen 1999 und 2008 der Musik- bzw. Instru­men­tal­päd­ago­gik sowie Exil- und Gen­der­for­schung (Erben, 2021, S. 15–19), die sich mit Loeben­stein auseinandersetzen.

Erben ver­folgt die Fra­ge, „wel­che Impul­se Frie­da Loeben­stein für die Musik­päd­ago­gik ihrer Zeit gab“ (Erben, 2021, S. 13). Sie bezieht hier­für ein viel­fäl­ti­ges Quel­len­ma­te­ri­al ein: Dies sind zunächst die Publi­ka­tio­nen von Loeben­stein selbst, wel­che aus Lehr­wer­ken und Auf­sät­zen zur Musik­päd­ago­gik der Zeit bestehen. Wei­ter­hin spürt Erben zahl­rei­che Manu­skrip­te im bra­si­lia­ni­schen Exil Aba­dia de San­ta Maria im Nach­lass Loeben­steins auf. Die Schrif­ten bestehen aus deutsch­spra­chi­gen und ab 1952 auch aus Quel­len in por­tu­gie­si­scher Spra­che. Eben­so befin­den sich auto­bio­gra­fi­sche Auf­zeich­nun­gen wie zum Bei­spiel zwei hand­schrift­lich ver­fass­te Lebens­läu­fe in die­sem Nach­lass. Erben datiert die­se „Memoi­ren“, in denen Loeben­stein über ihre Geburts­stadt Hil­des­heim, ihre Eltern und die häus­li­che Atmo­sphä­re berich­tet, auf jeweils „1937 und 1939 anläss­lich ihres Ein­tritts bei den Johan­nes­schwes­tern von Maria Köni­gin in Leu­tes­dorf und den Bene­dik­ti­ne­rin­nen in São Pau­lo“ (Erben, 2021, S. 20). Wei­ter­hin bezieht Erben Brie­fe über die gesam­te Lebens­span­ne von und an Loeben­stein sowie Akten aus Archi­ven wie dem Uni­ver­si­täts­ar­chiv der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin und dem Uni­ver­si­täts­ar­chiv der Uni­ver­si­tät der Künste Ber­lin, Jah­res­be­rich­te, Rezen­sio­nen ihrer Schrif­ten sowie soge­nann­te „Erin­ne­rungs­li­te­ra­tur“ (Erben, 2021, S. 19) in ihre Unter­su­chung ein.

Als wis­sen­schaft­li­ches Ver­fah­ren für die Dar­stel­lung ihres umfang­rei­chen Quel­len­ma­te­ri­als wählt Erben die „lite­ra­ri­sche Mon­ta­ge“, wel­che auf Wal­ter Ben­ja­min zurück­geht. Die­ser Ansatz ist inter­es­sant im Rah­men einer wis­sen­schaft­li­chen Arbeit: Erben wählt, arran­giert, inter­pre­tiert und kon­tex­tua­li­siert das viel­fäl­ti­ge Quel­len­ma­te­ri­al aus ver­schie­dens­ten Text­sor­ten wie u. a. eigen­stän­di­ge Publi­ka­tio­nen, Auf­sät­ze, Brie­fe, auto­bio­gra­fi­sche Auf­zeich­nun­gen, Manu­skrip­te, Akten, Jah­res­be­rich­te und ord­net sie den ver­schie­de­nen Lebens­ab­schnit­ten zu. Das Mon­ta­ge­prin­zip berück­sich­tigt wesent­li­che Kom­po­nen­ten für eine doku­men­ta­ri­sche Geschichts­dar­stel­lung (Füß­mann, 1994). Dies sind Retro­spek­ti­vi­tät, aus der her­aus Ver­gan­ge­nes gedeu­tet wird, Per­spek­ti­vi­tät und Stand­ort­ge­bun­den­heit, die selek­ti­ve Aus­wahl his­to­ri­scher Momen­te, die Anord­nung und Ver­knüp­fung in der Sequen­zia­li­tät des Mate­ri­als, die kom­mu­ni­ka­ti­ve Aus­rich­tung auf einen Kreis von Adres­sa­tIn­nen und Par­ti­ku­la­ri­tät bzw. Lückenhaftigkeit von Geschichts­prä­sen­ta­tio­nen (Bor­chard, 2003, S. 241; Füß­mann, 1994, S. 32–36; Erben, 2021, S. 26). Nach die­sen Kri­te­ri­en wür­de aus einer reflek­tier­ten Mon­ta­ge Trans­pa­renz für die Zuschrei­bun­gen, Inter­pre­ta­tio­nen, Selbst­deu­tun­gen und Fremd­wahr­neh­mun­gen ent­ste­hen. Man wür­de expli­zit mit einer Viel­falt von über­ra­schen­den und oft ein­an­der wider­spre­chen­den Sicht­wei­sen oder ergän­zen­den Per­spek­ti­ven kon­fron­tiert. Lese­rIn­nen erfah­ren kei­ne Empa­thie, son­dern Distanz und Refle­xi­on (Bor­chard, 2003, S. 239–240). In die­ser Art von Mon­ta­ge wür­den „Leer­stel­len und wei­ße Fle­cken“ nicht als bekla­gens­wer­tes Man­ko, son­dern als essen­zi­ell gese­hen. Das Bio­gra­fi­sche wür­de nicht als Gege­ben­heit auf­ge­fasst wer­den, da Lese­rIn­nen lau­fend zu Sinn­kon­struk­tio­nen auf­ge­for­dert wer­den (Bor­chard, 2003, S. 241). Erben jedoch sucht nach einer „Annä­he­rung an die bio­gra­phi­sche Wahr­heit“ (Erben, 2021, S. 10, 13), wie es eher in kon­ven­tio­nel­len Bio­gra­fien geschieht, da hier durch Demon­ta­ge die „bio­gra­phi­sche Wahr­heit“ auf­ge­deckt und ent­hüllt wird (Fetz, 1963, S. 139), wäh­rend die Mon­ta­ge das Bio­gra­fi­sche nicht als Gege­ben­heit auf­fasst. Lese­rIn­nen sind dort lau­fend zu Sinn­kon­struk­tio­nen auf­ge­for­dert. Das Span­nen­de ist ja, dass der Umgang mit den Quel­len zugleich umfang­reich und lücken­haft sein kann. Dies bie­tet wie­der­um Poten­zi­al, um Fra­gen zu stellen.

Es ist not­wen­dig, die Ergeb­nis­se der Aus­wer­tung immer wie­der zu hin­ter­fra­gen und neu zu deu­ten. Was wird über­lie­fert? Wer über­lie­fert was und war­um? Was ist über­lie­fer­bar? Was wird aus wel­chen Grün­den ver­drängt? […] Wie sieht die eige­ne Rol­le im For­schungs­pro­zeß aus?“ (Bor­chard 2003, S. 230)

Erben kon­sta­tiert wei­ter­hin, dass für ihre Metho­de das her­me­neu­tisch-exege­ti­sche Vor­ge­hen not­wen­dig sei (Erben, 2021, S. 26). Man hät­te sich gewünscht, dass Erben hier mehr Ein­blick gibt. Ein Blick auf Loeben­steins Inten­tio­nen und Moti­va­ti­on hät­te in die­sem Sin­ne her­me­neu­tisch offen­ge­legt und rekon­stru­iert wer­den müs­sen. So ist die­se Arbeit einem idio­gra­fi­schen Ansatz zuzu­ord­nen und auf einem rekon­stru­ie­ren­den Ver­fah­ren beru­hend, da Erben sich auf ein Sub­jekt, den Ein­zel­fall und sei­ne Sinn­re­kon­struk­tio­nen bezieht (hier­zu Kru­se-Weber, 2020). Erben möch­te ein Bild der Per­sön­lich­keit Loeben­steins ver­mit­teln, „das ein Stück weit den Men­schen Frie­da Loeben­stein leben­dig wer­den lässt. Nur auf die­sem Weg erscheint mir ein tie­fes Ver­ständ­nis ihres Wir­kens mög­lich und sinn­voll“ (Erben, 2021, S. 13). Die­ser Ansatz ist zunächst gut nach­voll­zieh­bar. Jedoch sucht man ver­geb­lich nach Fra­ge­stel­lun­gen wie etwa: Was wird gesagt? Was wird nicht gesagt und was bleibt im Dun­keln? Wie dach­te Loeben­stein über den Natio­nal­so­zia­lis­mus und das Grau­en ihrer Zeit? Wur­den die­se Quel­len aus­ge­spart? Exis­tie­ren die­se Quel­len nicht? Ver­misst wer­den Refle­xio­nen des eige­nen Vor­wis­sens, der eige­nen Stand­ort­ge­bun­den­heit (sie­he oben die Kri­te­ri­en nach Füß­mann, 1994) und der Ent­schei­dun­gen für Zuschrei­bun­gen und Inter­pre­ta­tio­nen, die Erben sub­jek­tiv an den Gegen­stand her­an­trägt. So ist anzu­mer­ken, dass kei­ne wirk­lich reflek­tier­te Bio­gra­fik umge­setzt wird. Dies spie­gelt sich außer­dem in einem nor­ma­ti­ven Grund­ton sowie nor­ma­ti­ven Set­zun­gen in der Arbeit wider. Als exem­pla­risch kann die auf­fal­len­de Wür­di­gung des Pra­xis­be­zugs in der Musik­päd­ago­gik gese­hen werden:

Denn sie [die Haupt­schrif­ten Loeben­steins] sind es, die in ers­ter Linie Aus­kunft geben über ihre musik­päd­ago­gi­schen Ansich­ten und Über­zeu­gun­gen. Sie erwei­sen sich auch des­halb als so über­aus wert­voll, weil sie alle­samt aus der prak­ti­schen Unter­richts­er­fah­rung her­aus ent­stan­den sind“ (Erben 2021, S. 15).

In Kapi­tel 4, wo die Haupt­schrif­ten der Prot­ago­nis­tin einer ein­ge­hen­den Betrach­tung unter­zo­gen wer­den, feh­len Hin­ter­fra­gun­gen der eige­nen Behaup­tun­gen: Sicht­wei­sen, d. h. wie etwas gese­hen wird, wie es war, war­um etwas so oder so gese­hen wur­de, wer­den nicht dif­fe­ren­ziert, son­dern ver­mischt. Wenn Kurt Schu­bert (1932) die Ent­wick­lung in den Anschau­un­gen zur Kla­vier­päd­ago­gik beschreibt, fol­gert Erben: „Das Neu­ar­ti­ge an Frie­da Loeben­steins Publi­ka­ti­on ist also […]“ (Erben 2021, S. 242, Her­vor­he­bung SKW) Eine Rezen­si­on oder Brief ist ein Selbst­ent­wurf und ist weni­ger Zeug­nis dafür, wie es war, als viel­mehr, wie es gese­hen wur­de (Bor­chard 2003, S. 136). Span­nend wäre es gewe­sen, auch Deu­tungs­al­ter­na­ti­ven zu diskutieren.

4. Zusam­men­fas­sen­de Bewertung

Die wis­sen­schaft­li­chen Ergeb­nis­se zum musik­päd­ago­gi­schen Den­ken und Han­deln Loeben­steins fasst Erben am Ende in fünf Leit­li­ni­en zusam­men. Die ers­te Leit­li­nie besagt, dass Loeben­steins Ver­ständ­nis von Musik als „Mit­tel der inne­ren mensch­li­chen Bil­dung“ von einem „Bemü­hen, Musik ganz­heit­lich erle­ben zu las­sen und nicht rein ver­stan­des­mä­ßig zu ver­mit­teln“ (Erben, 2021, S. 316), durch­drun­gen ist. Die zwei­te Leit­li­nie bezieht sich dar­auf, dass „[s]ämtliche Schrif­ten Loeben­steins […] aus der Pra­xis für die Pra­xis ent­stan­den“ sind (Erben, 2021, S. 31). Die­se Attri­bu­ie­rung zieht sich wie ein roter Faden durch Erbens Arbeit, ohne dass wir genau­er erfah­ren, wie die­ser Pro­zess voll­zo­gen wur­de. Anbei ein paar Bei­spie­le: „Alle ihre Erkennt­nis­se zog Schwes­ter Pau­la aus der Pra­xis“ (Erben, 2021, S. 136); „In die­sem Sin­ne hat Frie­da Loeben­stein auch mit ihren Publi­ka­tio­nen, in denen sie ihre aus der Pra­xis gewon­ne­nen Erkennt­nis­se einer brei­ten Öffent­lich­keit zugäng­lich mach­te, die musik­päd­ago­gi­sche For­schung wesent­lich berei­chert und leben­dig wer­den las­sen“ (Erben, 2021, S. 6); oder: „Die hohe Qua­li­tät die­ser Wer­ke rührt nicht zuletzt daher, dass sie aus­nahms­los aus der Pra­xis her­aus ent­stan­den sind“ (Erben, 2021, S. 19). Zu fra­gen ist, auf wel­cher Basis Erben ihre Über-zeu­gun­gen posi­tio­niert und wie der Blick in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen gerich­tet ist.

Die drit­te Leit­li­nie bezieht sich auf die Toni­ka-Do-Metho­de als Grund­la­ge einer musi­ka­li­schen Gesamt­aus­bil­dung. Hier hät­te man erwar­tet, dass die Zusam­men­hän­ge zwi­schen der musi­ka­li­schen Ener­ge­tik von Ernst Kurth (1931) und Loeben­steins musik­äs­the­ti­scher Auf­fas­sung kla­rer her­aus­ge­ar­bei­tet wür­den. Es wird im Wesent­li­chen auf Loeben­stein selbst Bezug genom­men, sodass sich das Fazit qua­si im Krei­se dreht. Zu wün­schen wäre gewe­sen, dass auch hier Bezü­ge zu den Kla­vier­päd­ago­gIn­nen des Zeit­raums gesucht wor­den wären, deren instru­men­tal­di­dak­ti­sche Kon­zep­tio­nen eben­so auf der Toni­ka-Do-Leh­re und/oder der musi­ka­li­schen Ener­ge­tik beruhen.

Die vier­te Leit­li­nie bezieht sich dar­auf, im „Erleb­nis- und Arbeits­un­ter­richt“ die Selbst­tä­tig­keit der Ler­nen­den je nach Ent­wick­lungs­stand im Unter­richt zu för­dern. Auf­ga­be der Lehr­per­son sei es, das schöp­fe­ri­sche Poten­zi­al so zu wecken, dass sich die Ler­nen­den am Instru­ment musi­ka­lisch aus­drü­cken kön­nen (Erben, 2021, S. 317). In der letz­ten Leit­li­nie wird auf den Gemein­schafts­un­ter­richt Bezug genom­men, den Loeben­stein wegen sei­ner viel­sei­ti­gen Inter­ak­ti­ons- und Musi­zier­ge­le­gen­hei­ten als ide­al ansieht, um das soge­nann­te Arbeits­prin­zip der Reform­päd­ago­gik umzu­set­zen (Erben, 2021, S. 317).

So bringt Erben mit die­sen Leit­li­ni­en nicht direkt neue Erkennt­nis­se gegen­über der bereits vor­han­de­nen For­schung, son­dern sie beru­hen im Wesent­li­chen auf Mate­ri­al, das bereits anders­wo oder bei Loeben­stein selbst publi­ziert wur­de. Die­se Erkennt­nis­se ver­blei­ben somit im Repro­duk­ti­ven und die eigent­li­che Fra­ge­stel­lung der Arbeit, wel­che „Impul­se Frie­da Loeben­stein für die Musik­päd­ago­gik ihrer Zeit“ (Erben, 2021, 13) gege­ben hat, wird am Ende zwar wie­der auf­ge­grif­fen, aber nicht wirk­lich beantwortet.

Das weit ver­streu­te Quel­len­ma­te­ri­al spie­gelt sich in dem opu­len­ten Lite­ra­tur­ver­zeich­nis (S. 319–346), wel­ches dar­auf deu­tet, welch umfas­sen­des Lite­ra­tur­stu­di­um die­ser Arbeit zugrun­de liegt. So ist auch der Ver­dienst von Erbens Arbeit, durch „detek­ti­vi­sche Recher­che“ (Erben, 2021, S. 10) in Archi­ven und Anti­qua­ria­ten bis­her unbe­kann­tes Quel­len­ma­te­ri­al wie oben erwähnt ans Licht zu brin­gen. Aus Begeg­nun­gen und Inter­views mit Men­schen, die in Ver­bin­dung zu Loeben­stein stan­den, konn­te Erben in die­ser Arbeit ein reli­giö­ses Men­schen­bild von Loeben­stein und eine begeis­tern­de Leh­ren­den­per­sön­lich­keit leben­dig wer­den las­sen. Zu ergän­zen ist, dass die Dis­ser­ta­ti­on ins­ge­samt gut zu lesen ist und man beim Lesen vom Lebens­weg Loeben­steins sehr in den Bann gezo­gen wird.

Es ist der Instru­men­tal- und Gesangs­päd­ago­gik als jun­ger wis­sen­schaft­li­cher Dis­zi­plin zu wün­schen, dass sie sich wei­ter mit his­to­ri­schen instru­men­tal- und gesangs­di­dak­ti­schen Ansät­zen aus­ein­an­der­setzt, um die Geschich­te unse­res Fachs in ihren Brü­chen und Kon­ti­nui­tä­ten und auch die gegen­wär­ti­ge Instru­men­tal- und Gesangs­di­dak­tik bes­ser zu verstehen.

Lite­ra­tur­ver­zeich­nis
Bor­chard, B. (2003). Lücken schrei­ben. Oder: Mon­ta­ge als bio­gra­phi­sches Ver­fah­ren. In H. E. Böde­ker (Hg.), Bio­gra­phie schrei­ben (S. 211–241). Göt­tin­gen: Wallstein.
Bra­de, A. C. (1999). Frie­da Loeben­stein. In W. Rathert & D. Schenk (Hg.), Pia­nis­ten in Ber­lin. Kla­vier­spiel und Kla­vier­aus­bil­dung seit dem 19. Jahr­hun­dert (S. 82–83). Ber­lin: Hoch­schu­le der Künste, Pres­se- und Infor­ma­ti­ons­stel­le (= HdKAr­chiv; Bd. 3).
Erben, E. (2021). „Den Him­mel berüh­ren“. Die Musik­päd­ago­gin Frie­da Loeben­stein (1888–1968), Forum Musik­päd­ago­gik, Augs­bur­ger Schrif­ten (hg. von Rudolf-Die­ter Kraemer), Band 152. Augs­burg: Wißner.
Fetz, B. (2009). Zur Bedeu­tung der Quel­len. In C. Klein (Hg.), Hand­buch Bio­gra­phie. Metho­den, Tra­di­tio­nen, Theo­rien (S. 433–438). Stutt­gart: J. B. Metzler.
Füßmann, K. (1994). His­to­ri­sche For­mun­gen. Dimen­sio­nen der Geschichts­dar­stel­lung. In K. Füß­mann, H. Th. Grüt­ter & J. Rüsen (Hg.), His­to­ri­sche Fas­zi­na­ti­on. Geschichts­kul­tur heu­te (S. 27–44). Köln u. a.: Böhlau.
Kru­se-Weber, S. (2004). Modern – Inno­va­tiv – Vor­aus­schau­end. Didak­tik und Metho­dik des Anfangs-Kla­vier­un­ter­richts im ers­ten Drit­tel des 20. Jahr­hun­derts. üben & musi­zie­ren 1/2004, 33–37.
Kru­se-Weber, S. (2006). Frie­da Schmidt-Maritz – Anna Epping – Frie­da Loeben­stein. Frau­en als Pio­nie­re. Zu Reform­an­sät­zen der Kla­vier­päd­ago­gik im ers­ten Drit­tel des 20. Jahr­hun­derts. In Euro­pean Pia­no Tea­chers Asso­cia­ti­on (Hg.), Doku­men­ta­ti­on 2004/2005. Auf ver­wach­se­nen Pfa­den? Kla­vier­un­ter­richt heu­te. Bei­trä­ge des Kon­gres­ses Jena 2004 und des Semi­nars in Ros­tock (S. 22–55). Düs­sel­dorf: Staccato.
Kru­se-Weber, S. (2020). Die Kla­vier­päd­ago­gik Frie­da Loeben­steins unter her­me­neu­ti­schem Blick­win­kel. In B. Clau­sen, A. Cve­t­ko, S. Hör­mann, M. Krau­se-Benz & S. Kru­se-Weber (Hg.), Grund­la­gen­tex­te Wis­sen­schaft­li­cher Musik­päd­ago­gik. Mythos Her­me­neu­tik (S. 165–254). Müns­ter: Waxmann.
Loeben­stein, F. (1927). Der ers­te Kla­vier­un­ter­richt. Ein Lehr­gang zur Erschlie­ßung des Musi­ka­li­schen im Anfang­skla­vier­un­ter­richt. (Aus­ga­be A für Leh­rer). Ber­lin-Lich­ter­fel­de: Vieweg.
Losert, M. (2011). Die didak­ti­sche Kon­zep­ti­on der Toni­ka-Do-Metho­de. Geschich­te – Erklä­run­gen – Metho­den. Augs­burg: Wißner.
Mah­lert, U. (2011). Wege zum Musi­zie­ren. Metho­den im Instru­men­tal-und Vokal­un­ter­richt. Mainz: Schott.
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Schünemann, G. (1927). Aus der Hoch­schul­ar­beit. Das Semi­nar für Musik­erzie­hung an der Ber­li­ner Hoch­schu­le. Die Musik 20/1927, 283.

Prof. Dr. Sil­ke Kruse-Weber
Kunst­uni­ver­si­tät Graz
Leon­hard­str. 82
8010 Graz
Österreich
E‑Mail: silke.kruse-weber@kug.ac.at
https://www.kruse-weber.com/
For­schungs­schwer­punk­te: (His­to­ri­sche) Kla­vier­päd­ago­gik, Ent­wick­lung der Instru­men­tal- und Gesangs­päd­ago­gik als Wis­sen­schafts­dis­zi­plin, Reflec­ti­ve Prac­ti­ce im Musik(hoch)schul-kontext, Wis­sens­trans­fer zwi­schen Theo­rie und Praxis