Schmidt, Martin

Der klei­ne Gitarrenheld

20 Playalong-Solos for Guitar, mit Audio-Download

Rubrik: Noten
Verlag/Label: www.dergitarrenheld.de
erschienen in: üben & musizieren 6/2021 , Seite 66

Gitar­re spie­len, Musik machen und Spaß dabei haben“: Das ist das Cre­do von Mar­tin Schmidt, der im Selbst­ver­lag Der klei­ne Gitar­ren­held vor­ge­legt hat. Soviel gleich vor­weg: Schmidt kann gut erklä­ren und fin­det immer den rich­ti­gen Ton, er lei­tet inspi­rie­rend an, ohne dabei zu leh­rer­haft und über­kor­rekt zu sein, was er schon im kürz­lich erschie­ne­nen Surf Gui­tar Book unter Beweis gestellt hat.
Nun prä­sen­tiert er 20 selbst­kom­po­nier­te Songs für den musi­ka­li­schen Nach­wuchs. Die Stü­cke sind für zwei Gitar­ren, egal ob elek­trisch oder akus­tisch, kon­zi­piert, einer spielt die Melo­die, der ande­re beglei­tet. Bei den ers­ten Titeln kommt man in der Beglei­tung mit zwei gän­gi­gen Akkor­den aus, dann fol­gen Songs, bei denen drei und mehr Akkor­de (kei­ne Bar­ré­grif­fe) beherrscht wer­den sollten.
Mar­tin Schmidts päd­ago­gi­sche Über­zeu­gung ist, dass Jugend­li­che ohne theo­re­ti­schen Bal­last ans Musi­zie­ren her­an­ge­hen sol­len. Soli­de tech­ni­sche Basis, Kör­per- und Hand­hal­tung und all das, was übli­cher­wei­se zu einem pro­fun­den (klas­si­schen) Gitar­ren­un­ter­richt gehört, ver­mit­telt er nicht. Der klei­ne Gitar­ren­held ist ohne­hin ein Heft für Selbst­ler­ner, die rasche Erfol­ge ohne Unter­richt anstre­ben. Mach es wie die Auto­di­dak­ten: „Lern ein paar Akkor­de und mache Musik damit,“ ist Schmidts ein­fa­cher Weg zum Ziel.
Round and Round ist rhyth­misch für Anfän­ge­rIn­nen nicht leicht. Mit Hil­fe meh­re­rer Audio­tra­cks fin­det man aber schnell in die Melo­die hin­ein, wird es sich zuerst anhö­ren und dann ver­su­chen mit­zu­spie­len. Mit e‑Moll und D‑Dur liegt die Beglei­tung gut in der Hand.
Beim Indie Boy 500 schöpft Schmidt den Ton­um­fang in der ers­ten Gitar­ren­stim­me aus, die Melo­die schwingt sich von der tie­fen E‑Saite in die sieb­te Lage der hohen e‑Saite hin­auf. Dank der Tabu­la­tur, die zu allen Melo­dien mit­ge­lie­fert wird, ist ein Fin­den der hohen Töne kein unlös­ba­res Pro­blem. Beglei­tet wird mit C‑Dur und G‑Dur, die Melo­die wird mit einem klei­nen Sli­de gewürzt – und fer­tig ist ein hüb­scher Song, der Spie­le­rIn­nen und Zuhö­re­rIn­nen sicher Spaß macht. Anspruchs­voll wird es in der Begleit­stim­me beim Begin­ner Song: Gleich fünf Akkor­de sind im schnel­len Wech­sel zu bewältigen.
Die Auf­ma­chung ist schön und spricht Jugend­li­che an. Dank Spi­ral­bin­dung bleibt das Heft sehr gut geöff­net lie­gen. Der Druck ist sehr gut und feh­ler­frei. Bei eini­gen Songs, etwa bei Too Much Home­work, ver­wen­det Schmidt den Akkord Fmaj7. Dies tut er sicher auch aus klang­li­chen Grün­den, vor allem aber wohl, um den kniff­li­gen klei­nen Bar­ré­griff bei F‑Dur zu umge­hen. Kor­rekt wäre es, ihn auch als Fmaj7 statt nur F(-Dur) zu bezeichnen.
Am Ende sei­nes emp­feh­lens­wer­ten Hefts gibt Schmidt sinn­vol­le Übe-Tipps sowie einen guten Über­blick über eini­ge Pat­terns und Tabu­la­tu­ren. Alle Tex­te im Anhang, aber auch alle Song­ein­füh­run­gen und das Vor­wort, sind zwei­spra­chig deutsch/englisch gedruckt.
Uwe Sandvoß