Korn, Christoph / Frank Klüger
Der Weg zur Bassklarinette
Informationen & praktische Hinweise
Der Bassklarinettist des Radio-Sinfonieorchesters Berlin Christoph Korn und sein früherer Lehrer Frank Klüger aus Zwickau haben eine Handreichung vorgelegt, die für Klarinettespielende gedacht ist, die bereits ihr Instrument beherrschen und sich der Bassklarinette zuwenden wollen.
Einleitend gibt es einen kurzen historischen Überblick zur recht komplexen Entstehungsgeschichte des Bass-Instruments der Klarinettenfamilie, die sich schon an den auf einer Abbildung zusammengestellten unterschiedlichsten Formen der Bauweise erkennen lässt. Entscheidende Unterschiede zur B-Klarinette werden in Bezug auf die Instrumentenhaltung und den Anblaswinkel dargelegt.
Wer Bassklarinette spielen will, muss sich grundsätzlich auf zwei verschiedene Notationsarten einlassen: die „französische Notation“ im Violinschlüssel und die „deutsche Notation“ im Bassschlüssel. Außerdem gibt es noch eine Mischform. Die erläuterten Notationsweisen finden in den praktischen Übungen ihre Anwendung, die insbesondere zum Erlernen und Lesen des Bassschlüssels sämtliche Tonleitern sowie Dreiklänge und Septakkorde im F-Schlüssel notiert enthalten.
Eine weitere zentrale Anforderung ist die Erweiterung des Tonraums mit Hilfe der rechten Daumenklappen für notiert C bis Es. Ihnen werden zwar auch Übungen gewidmet, aber nicht in allzu differenzierter Weise. Spezielle Übungen für die kurzen Töne der linken Hand und für die rechte Hand zum Trainieren der etwas größeren Spreizung helfen bei der Entwicklung der Grifftechnik auf der Bassklarinette. Sehr sparsam wird das hohe Register bedacht. Die dazugehörige Grifftabelle ist im Anhang angefügt. Daneben gibt es noch allgemein übliche Binde-, Dynamik- und Staccatoübungen. Anregungen für Einspielübungen runden das Angebot ab.
Im Anhang wird eine subjektive Auswahl an Kammermusik-Kompositionen aufgelistet und ein Überblick über den Einsatz der Bassklarinette in Orchesterwerken gegeben. Keine Berücksichtigung finden die inzwischen doch weit verbreiteten neuen Spieltechniken, die gerade auf der Bassklarinette sehr effektvoll (Slaptongue!) eingesetzt werden können.
Die von den Verfassern geäußerte Absicht, die Bassklarinette als eigenständiges und nicht als Nebeninstrument anzusehen, lässt sich mit den etüdenhaften Übungsinhalten dieser Handreichung, die nur auf dem deutschen Griffsystem beruht, allerdings nur schwer realisieren. Um den besonderen Charakter des Instruments zu erschließen, wären einige typische Beispiele bedeutender Solostellen aus dem Orchesterrepertoire oder der Kammermusik nötig gewesen. Leider fehlte es auch an einem Lektorat, das unscharfe Formulierungen und die von Mayerhofer gebaute „sichelförmige, siebenköpfige Bassklarinette“ in ein siebenklappiges Instrument korrigiert hätte.
Heribert Haase


