Krause, Helge

Du brauchst Timing!

Eine taktlose Lebenshilfe für Musikmacher aller Couleur, Übebuch

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Selfpublisher, Berlin 2018
erschienen in: üben & musizieren 6/2018 , Seite 50

Self­pu­bli­shing bie­tet AutorIn­nen die Mög­lich­keit, ihre Gedan­ken ohne Vor­ga­ben eines Ver­lags mit Lese­rIn­nen zu tei­len. Denn nicht jedes The­ma ist inter­es­sant für pro­fes­sio­nel­le Ver­la­ge und so fin­den sich unter den Selbst­ver­öf­fent­li­chun­gen immer wie­der klei­ne Schät­ze, deren Lek­tü­re loh­nens­wert sein kann.
Hel­ge Krau­se, Musi­ker und Musik­leh­rer aus Ber­lin, legt mit sei­nem e-book Du brauchst Timing! „eine takt­lo­se Lebens­hil­fe für Musik­ma­cher aller Cou­leur“ vor, das auf die Ver­bes­se­rung der rhyth­mi­schen Wahr­neh­mung abzielt. In sehr per­sön­li­chen Wor­ten ver­steht er es, auf humor­vol­le Wei­se die Lese­rIn­nen für sein The­ma zu begeis­tern und ihnen die Rele­vanz von gutem Timing näher­zu­brin­gen.
Neben einem Vor- und Nach­wort fin­den sich in die­ser Veröffent­lichung sie­ben Kapi­tel, die in ihrer Schwie­rig­keit auf­ein­an­der auf­bau­en. Im Abschnitt „Grund­la­gen“ gibt der Autor wert­vol­le Hin­wei­se zum pra­xis­er­prob­ten Zäh­len, die die unmit­tel­ba­re Emp­fin­dung des inne­ren Pul­ses schu­len und bereits für den Unter­richt mit Anfän­ge­rIn­nen gute Impul­se lie­fern. Auf das Gelern­te auf­bau­end fol­gen zwei Kapi­tel zur Ach­tel- und Sech­zehn­tel­rhyth­mik. Spä­tes­tens bei Letz­te­rer stellt sich als nach­tei­lig her­aus, dass der Autor kon­se­quent auf Noten­bei­spie­le oder Abbil­dun­gen ver­zich­tet. Zwar rät er den Ler­nen­den dazu, sich Noti­zen zu machen und bei Nicht­ver­ste­hen betref­fen­de Absät­ze ein wei­te­res Mal zu lesen, doch bei aller sprach­li­cher Gewandt­heit des Autors wären Noten­bei­spie­le hier hilf­reich und hät­ten das e-book benut­zer­freund­li­cher gemacht.
Inten­siv wid­met sich Krau­se Fra­gen zur ter­nä­ren Rhyth­mik und ver­steht es, mit sei­nen Übun­gen nütz­li­che Anre­gun­gen zu geben. Nur kurz kom­men unge­ra­de Takt­arten und Poly­rhyth­mik zur Spra­che, bevor der Autor Stra­te­gi­en behan­delt, um sich dem sau­be­ren Spiel von Syn­ko­pen zu nähern.
Mit einem Augen­zwin­kern führt der Musi­ker einen immer­wäh­ren­den Dia­log mit dem so beti­tel­ten „Klug­schei­ßer“. Hier­mit ist ein mit­den­ken­der Schü­ler gemeint, der sei­ne Gedan­ken zu den Lern­in­hal­ten aus­spricht und von Krau­se einen ver­ba­len Rüf­fel kas­siert, sich auf die Arbeits­anweisungen ein­zu­las­sen, statt mit eige­nen Ide­en zu punk­ten. Die­se Momen­te sind nicht unein­ge­schränkt komisch und dem inhalt­lich wert­vol­len Buch nicht immer zuträg­lich.
Doch eben­so häu­fig stol­pert man in die­sem Werk über gera­de­zu phi­lo­so­phi­sche Lebens­weis­hei­ten, die der Autor wie neben­bei ein­streut und die für sich allein genom­men schon den Titel eines gan­zen Buchs aus­ma­chen könn­ten. So ist die­ses e-book von Hel­ge Krau­se eine ungewöhn­liche, aber loh­nen­de Horizont­erweiterung für (Hobby-)MusikerInnen und Musik­päd­ago­gIn­nen. Eine emp­feh­lens­wer­te Lek­tü­re!
Kris­tin Thie­le­mann