© Daniela Matejschek

Ofenauer-Haas, Tamara

Durch Musik.Kunst.Kultur wachsen

Weiterbildung als Kern professioneller Musikschularbeit

Rubrik: Musikschule
erschienen in: üben & musizieren 2/2026 , Seite 38

In Niederösterreich werden Fortbil­­dungen für die 2150 Lehrenden in den Musik- und Kunstschulen nicht als Verpflichtung gesehen, sondern als Teil der beruflichen Kultur und als Chance für eine Weiterentwicklung – sowohl fachlich als auch persönlich. Wie Fort­bildungsformate den Weg der Profes­sionalisierung im Musik­schulwesen bereiten, wird am Beispiel von Niederösterreich entfaltet.

Im Österreichischen Bundesland Niederösterreich hat das Musikschulwesen einen hohen Stellenwert bei der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sind die Lehrenden nicht nur bestens ausgebildet – mehr als 90 Prozent befinden sich entweder noch im Musikstudium oder haben ein solches abgeschlossen –, sondern sie nehmen auch laufend an Weiterbildungen teil. Diese werden vom MKM Musik & Kunst Schulen Management Niederösterreich (kurz: MKM NÖ) konzipiert und durchgeführt und stehen unter dem Jahresmotto „Durch Musik.Kunst.Kultur wachsen“. Dieser Leitsatz des Schuljahres 2025/26 steht sowohl für das Wachstum und die Entwicklung von jungen Menschen als auch für die persönliche und fachliche Weiterentwicklung aller im Musikschulwesen tätigen Personen. Dabei wird sowohl persönliches als auch fachliches Wachstum und die Freude an lebenslangem Lernen gefördert.

Persönliche und berufliche Motivation

Die Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen ist ein wichtiger Bestandteil professioneller Entwicklung von Lehrkräften an Musikschulen. Wie aber können Lehrende motiviert werden, eine Fortbildung zu besuchen, auch wenn sie (noch) keinen konkreten Nutzen darin erkennen können? Hier ist es wichtig, Fortbildung als Teil der beruflichen Kultur zu etablieren. Folgende Möglichkeiten können helfen, Leitende und Lehrende für Weiterbildungsangebote zu begeistern.

Niederschwellige Angebote schaffen
In einem ersten Schritt hilft es, die Einstiegshürde zu senken. So bietet zum Beispiel eine Online-Mikrofortbildung am Vormittag einen ersten Einstieg. Die Musiklehrenden können die Weiterbildung von zu Hause aus machen und ab Mittag wie gewohnt in der Musikschule unterrichten. Auch Austauschformate und Vernetzungstreffen unter Kolleginnen und Kollegen eignen sich für den Anfang. Sie fördern das Voneinander-Lernen und die kollegiale Beratung.

Nutzen kenntlich machen
Um Fortbildungen attraktiv zu machen, sollten sie relevante Themen aus der Lebens- und Arbeitswelt der Zielgruppe aufgreifen. Ein konkreter Mehrwert macht Schulungsunterlagen attraktiver und regt dazu an, sie auch in der Praxis anzuwenden.

Beziehung und Vertrauen stärken
Für geleistete Weiterbildungen sollte Wertschätzung gezeigt werden, etwa durch interne Präsentationen oder Zertifikate. Auch ein offener Dialog, der Raum für Fragen, Zweifel und Austausch bietet, schafft Offenheit.

Orientierung geben
Das Aufzeigen von Fortbildungswegen, etwa mittels eines Kompetenzrasters oder Portfolios, kann helfen, die eigene Entwicklung zu planen. Auch die Verknüpfung mit Entwicklungszielen, beispielsweise als Teil von Jahresgesprächen oder Schulentwicklungsprozessen, kann Fortbildungen attraktiver machen.

Evaluierung durchführen
Jede Fortbildung sollte durch die Teilnehmenden evaluiert werden, damit der Veranstaltende daraus lernen und Verbesserungsmaßnahmen erarbeiten kann.

Fortbildungsangebote des MKM NÖ

Mitarbeitende an den Niederösterreichi­schen Musik- und Kunstschulen haben während des gesamten Schuljahres die Möglichkeit, verschiedenste Fortbildungen zu besuchen. Aufgebaut sind diese analog zum Jahresmotto „Durch Musik.Kunst.Kultur wachsen“. Die Fortbildungsangebote sind so konzipiert, dass für jede und jeden etwas Passendes dabei ist: Von der 90-minütigen Online-Fachgruppenvernetzung bis hin zum mehrmonatigen Lehrgang Pädagogik werden hier möglichst alle Beschäftigten angesprochen. Zusätzlich sind die Fortbildungen noch in sogenannte Foren (FORUM:LEHRENDE, FORUM:LEITENDE, FORUM:ADMINS, FORUM:EXPERTISE) unterteilt, sodass sofort erkennbar ist, für welche Zielgruppe dieses Angebot gedacht ist. Nicht nur Musikschullehrkräfte und Musikschulleitungen finden hier passende Angebote, sondern auch die administrativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können eigens für sie maßgeschneiderte Fortbildungen absolvieren.

Im Auftrag des Landes Niederösterreich ent­wickelte das MKM NÖ das Projekt KUKUDU®, das für Kunst, Kultur & Du steht. Ziel ist eine Frühförderung in den Bereichen Kunst und Kultur von Kindergartenkindern. Dabei kooperieren Kindergärten mit den Musik- und Kunstschulen, wobei Lehrende, die Elementare Musikpädagogik unterrichten, beim MKM NÖ eine Zusatzausbildung in vier Modulen absolvieren und als zertifizierte KUKUDU®-Vermittlerinnen und -vermittler Workshops in Kindergärten abhalten können.
Herzstück der Fortbildungsangebote ist die Fortbildungswoche Ende August auf Schloss Zeillern, bei der sich die Lehrenden eine Woche lang intensiv mit verschiedenen Themen auseinandersetzen können und auch die Möglichkeit der Übernachtung haben. Der NÖ-Lehrendentag, die größte Vernetzungsplattform im Musikschulwesen, gibt Ende August noch einen Rucksack voll Motivation und Ideen für das kommende Schuljahr mit.

Unterschiedlichste Formate

Die Formate sind ganz unterschiedlich, wobei sich Online-Fortbildungen zunehmend großer Beliebtheit erfreuen. Aus diesem Grund wurde der „Digitale Fortbildungsmonat November“ ins Leben gerufen. Hier finden fast täglich Online-Veranstaltungen statt – von Social Media für Lehrende über Stimmtraining bis zu Mentaltraining können sich Lehrende unkompliziert von zu Hause aus fortbilden. Weitere Formate sind die klassische Fortbildung in Präsenz, Zertifizierungskurse (z. B. Schulungen für Fachprüferinnen und -prüfer, die von den Musikschulen für Abschlussprüfungen, sogenannte Goldprüfungen angefragt werden können), die Fortbildungswoche in den Sommerferien, der Lehrendentag und die Leitenden-Tagung. Außerdem zu nennen ist die Leitenden-Akademie für Musikschulleitende oder Lehrende, die sich um eine Leitung bewerben wollen, sowie der Tag der Admins als einmal jährlicher Vernetzungstag für Lehrende, Leitende und administrative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Arbeitsgruppen und fachlichem Austausch.
Fortbildungen sind viel mehr als ein klassisches Setting. So gibt es in den Niederösterreichischen Musik- und Kunstschulen zahlreiche Veranstaltungen bzw. Gelegenheiten, die als Fortbildung gesehen oder behandelt werden können. Eine passive Teilnahme, also das intensive Zuhören und die damit einhergehende Auseinandersetzung mit Wettbewerben wie prima la musica oder beim Volksmusikwettbewerb sind ebenfalls eine Art der Fortbildung und sollten auch als solche behandelt werden. Dasselbe gilt für Coachings oder offene Proben der Landesjugendorchester. Auch die gemeinsame Erarbeitung eines Kinderschutzkonzepts in einer Musik- und Kunstschule ist in weiterem Sinne eine Fortbildung, da diese Tätigkeit nicht nur das eigene Handeln reflektiert, sondern auch neue Perspektiven eröffnet. Schließlich kann auch eine Vernetzung innerhalb der Fachgruppen weiterbildend sein – die Chancen von „peer education“ sollten nicht unterschätzt werden.

Fazit

Durch die klare Ansprache der Zielgruppen (Lehrende, Leitende, Admins) und eine Ausweitung des Angebots konnte die Zahl der Teilnehmenden an Fortbildungen gesteigert werden. Im Jahr 2022/23 wurden noch reine Lehrendenfortbildungen angeboten, die von 670 Personen besucht wurden. Im Jahr 2024 erweiterte das MKM NÖ sein Angebot auf Leitende und Admins, woraufhin schon 1290 Teilnehmende begrüßt werden konnten. Das Schuljahr 2024/25 bildete den bisherigen Höhepunkt mit 1351 Musikschulbediensteten, die eine Weiterbildung besucht haben. Auch im laufenden Schuljahr 2025/26 sind die Fortbildungen gut angelaufen, vor allem die Angebote im „Digitalen November“ wurden stark nachgefragt.
Nicht jede Lehrkraft muss sofort „Feuer und Flamme“ für eine Weiterbildung sein. Aber durch gezielte Impulse, passende Rahmenbedingungen und eine wertschätzende Haltung kann sich Motivation entwickeln. Vielleicht ist der erste Schritt nicht gleich eine ganze Fortbildungswoche, aber zumindest ein neugieriger Blick über den Tellerrand.

Lesen Sie weitere Beiträge in Ausgabe 2/2026.

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