Steiner, Johannes

Ensem­ble im Puls

Musik im Moment entwickeln

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Universal Edition, Wien 2017
erschienen in: üben & musizieren 6/2017 , Seite 52

Nach Cir­cle Groo­ves 1 und 2, zwei pra­xis­er­prob­ten Arbeits­bü­chern mit Anre­gun­gen zum Klas­sen­mu­si­zie­ren mit ver­schie­de­nen Instru­men­ten, Vocal- und Body­per­cus­sion, legt Johan­nes Stei­ner, Gym­na­si­al-Musik­leh­rer und Lehr­be­auf­trag­ter für Didak­tik des Klas­sen- und Ensemble­musizieren am Mozar­te­um Inns­bruck, mit Ensem­ble im Puls erneut eine Arbeits­me­tho­de für hete­ro­ge­ne Ensem­bles vor.
Nach einer infor­ma­ti­ven Ein­lei­tung, in wel­cher er drei Zugän­ge zur Ensem­ble­ar­beit vor­stellt (Arran­gie­ren, Kom­po­nie­ren, Klang­ge­stal­tung), geht Stei­ner auf ver­schie­de­ne Metho­den, Tech­ni­ken und Pro­zes­se der Ensem­ble­ar­beit ein, ohne sich dabei unnö­tig in Details zu ver­lie­ren.
Die dar­auf fol­gen­den fünf Stü­cke die­nen als Bei­spiel, um sei­ne theo­re­ti­schen Aus­füh­run­gen zu ver­tie­fen: Blue Soup ist ein fun­ki­ges Musik­stück in Blues­form, in wel­chem ein kur­zes Motiv auf ver­schie­de­nen Stu­fen mu­siziert und von einer leicht erlern­ba­ren Bass­li­nie beglei­tet wird. Ergän­zend kom­men Vor­schlä­ge für Vocal Per­cus­sion und Body Groo­ves hin­zu.
Song­wri­ting steht im Zen­trum des Stücks Die Auto­bahn. Hier kön­nen aus einer zwei­tak­ti­gen Akkord­fol­ge, zu der ein Play­back als Down­load zur Ver­fü­gung steht, ers­te Kom­po­si­ti­ons­ver­su­che unter­nom­men wer­den. Johan­nes Stei­ner hat pra­xis­er­prob­te Tipps zusam­men­ge­stellt, die auch mit weni­ger ver­sier­ten Spie­le­rIn­nen leicht umsetz­bar sein dürf­ten und trotz­dem gut klin­gen.
Beim Pop­song Wai­ting For Her han­delt es sich um ein fer­ti­ges Lead Sheet, das von der Grup­pe mit­tels Arran­gie­ren in eine ganz per­sön­li­che Ver­si­on ver­wan­delt wer­den kann. Auch bei die­sem umfang­rei­chen The­ma kommt der Autor schnell und auf sehr über­sicht­li­che Wei­se auf den Punkt.
Um Klang­ge­stal­tung und die Ent­wick­lung neu­er Spiel­kon­zep­te mit­tels Impro­vi­sa­ti­on geht es im Stück Soun­d­ing Lines, wel­ches eine pfif­fi­ge Idee ist und sich eben­falls ide­al für spon­ta­ne Aktio­nen in einer Musik­stun­de eig­net.
Zwar fin­det sich ein im Inhalts­ver­zeich­nis ver­spro­che­nes Video nicht auf der ange­ge­be­nen Inter­net­sei­te, doch im wei­te­ren Ver­lauf der Aus­ga­be ent­deckt man Hin­wei­se auf die kor­rek­te Web­adres­se, die zudem das Down­loadmaterial wie die Kopier­vor­la­gen und die aus­no­tier­ten Arran­ge­ments der Stü­cke bie­tet. Bei allem Sinn für die Pra­xis wur­de an die­ser Stel­le lei­der ver­ges­sen, ver­schie­de­ne Trans­po­si­tio­nen der Stim­men zur Ver­fü­gung zu stel­len. Ein klei­nes Man­ko, wobei ver­sier­te Ensem­ble­lei­ter mit etwas Eigen­leis­tung sicher in der Lage sind, die feh­len­den Trans­po­si­tio­nen zu pro­du­zie­ren, um sie ihren von die­ser Musik sicher­lich rest­los begeis­ter­ten Schü­le­rIn­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len.
Ensem­ble im Puls bie­tet didak­tisch wie musi­ka­lisch groß­ar­tig durch­dach­te Arbeits­an­sät­ze für krea­ti­ven, spon­ta­nen, unge­wöhn­li­chen, doch zugleich nach­hal­ti­gen Musik­un­ter­richt mit den ver­schie­dens­ten Instru­men­ten­kom­bi­na­tio­nen auf sehr unter­schied­li­chen Niveaus.
Kris­tin Thie­le­mann