Karst, Karl

Erleb­nis Hören

Wahrnehmungsförderung in der Kita, mit Online-Material

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2019
erschienen in: üben & musizieren 5/2019 , Seite 58

Das Hören wird im Rah­men unse­rer Erzie­hungs­be­mü­hun­gen nach wie vor unter­schätzt. Dabei geht es um viel mehr als um den gesund­heit­li­chen Aspekt. Denn mit dem ­Auf­ein­an­der-Hören, dem Ein­an­der-Wahr­neh­men und dem dif­fe­ren­zier­ten Ver­ste­hen, wie jemand spricht und was damit gemeint ist, gehen zen­tra­le Aspek­te der mensch­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­her.
Des­halb ist zu begrü­ßen, dass der Autor 2011 die „Stif­tung Hören“ gegrün­det hat. Karl Karst for­dert seit­her die Schu­lung der „Sin­nes­kom­pe­tenz“ als Vor­aus­set­zung einer „Medi­en­kom­pe­tenz“ und bringt mit Erleb­nis Hören für die Wahr­neh­mungs­för­de­rung in der Kita eine beach­tens­wer­te Infor­ma­ti­ons- und Spie­le­samm­lung mit diver­sen Hör­bei­spie­len als Down­load her­aus. Die Figur Olli Ohr­wurm beglei­tet die Kin­der Lola Laut und Leo Lei­se auf ­inter­es­san­ten, aben­teu­er­li­chen und fröh­li­chen Rei­sen rund ums Hören.
Die Erzie­he­rin­nen wer­den gleich mit­ge­nom­men und bes­tens infor­miert. Neben Tex­ten rund um das Ohr und das Gehör geht es auch um Hör­be­ein­träch­ti­gun­gen, Hör­hil­fen und die Gebär­den­spra­che. Im ers­ten von ins­ge­samt acht Kapi­teln wird als Basis­übung der „Hör­spa­zier­gang“ geschil­dert, den man in vari­ier­ter Form immer wie­der ein­set­zen kann. Die übri­gen ­Kapi­tel befas­sen sich mit „Olli Ohr­wurm und sei­nen Freun­den“, geben Infor­ma­tio­nen „Rund ums Ohr“, ­the­ma­ti­sie­ren Wis­sens­wer­tes zu „Hören – Hor­chen – Lau­schen“, brin­gen einem „Die Stim­me“ sowie „Klän­ge und Geräu­sche“ nahe, bie­ten 16 Gestal­tungs­an­re­gun­gen, um „Klang­in­stru­men­te“ selbst zu machen und las­sen Kin­der und Erzie­he­rin­nen über „Lärm und Stil­le“ nach­den­ken.
Neben einer Fül­le von ­Info­tex­ten in jedem Kapi­tel ­besteht jedoch das Essen­zi­el­le des Buchs in der Viel­zahl von ori­gi­nel­len Spie­len, Expe­ri­men­ten, Klang­ge­schich­ten und Lie­dern, die ein im höchs­ten Maße anre­gen­des und sinn­stif­ten­des Mate­ri­al für die unter­schied­lichs­ten Kon­tex­te in der Kita bie­ten. Her­vor­zu­he­ben ist, dass es dem Her­aus­ge­ber und sei­nen Mit­au­torin­nen und­­ -autoren tat­säch­lich gelun­gen ist, eine Spie­le­samm­lung zu erstel­len, die schon beim blo­ßen ­Lesen Lust macht, sofort mit dem Spie­len begin­nen zu wol­len.
Ein pra­xis­ori­en­tier­tes und fach­lich fun­dier­tes Buch ohne jeg­li­che Bana­li­tä­ten – (lei­der) eine Sel­ten­heit – liegt hier vor! Die­sem wich­ti­gen und qua­li­tät­vol­len Werk wün­sche ich nicht nur eine rasche Ver­brei­tung in Kitas, son­dern auch in ­Musik­schu­len im Bereich der Ele­men­ta­ren Musik­päd­ago­gik und in den Aus­bil­dungs­gän­gen für Musik­päd­ago­gin­nen und -päd­ago­gen an Hoch­schu­len und Uni­ver­si­tä­ten. Denn „wer gehört wer­den will, muss selbst hören kön­nen“ schreibt Karst in sei­ner Ein­füh­rung und fährt fort: „Es gehört zu den Bedin­gun­gen des Erfolgs der fol­gen­den Aus­füh­run­gen, dass die­je­ni­gen, die sie anwen­den, sich zuvor für das The­ma geöff­net haben. Nur wer begeis­tert ist, kann Begeis­te­rung wecken.“ Ich bin ­bereits begeis­tert, las­sen Sie sich auch begeis­tern!
Manue­la Wid­mer