Gariboldi, Giuseppe

Etu­des mignon­nes für Flöte

Mit Hinweisen für den ­Unterricht, hg. von Stefan Albrecht

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2008
erschienen in: üben & musizieren 5/2008 , Seite 60

Zwei Hef­te, ein The­ma: Es geht um die Arbeit am Ton mit dazu geeig­ne­tem Mate­ri­al. Bei­de stam­men aus der neu­en Rei­he „Essen­ti­al Exer­ci­ses“, die „grund­le­gen­de Stu­di­en­li­te­ra­tur für alle Instru­men­ta­lis­ten“ bie­ten möch­te, so der Klap­pen­text. Die wirk­lich hüb­schen Etu­des mignon­nes von Gari­bol­di sind leicht und leicht ins Ohr gehend und dürf­ten für jede Alters­stu­fe reiz­voll sein; rhyth­mi­sche und arti­ku­la­to­ri­sche Fein­hei­ten las­sen sich an ihnen sehr schön erar­bei­ten.
Die Übehin­wei­se des Her­aus­ge­bers Ste­fan Albrecht wer­den dabei eine gute Hil­fe sein. Lei­der erfährt man nicht, ob bei die­ser Neu-Edi­ti­on der viel­fach ver­leg­ten Stü­cke auf den Text der Erst­aus­ga­be zurück­ge­grif­fen wur­de, aber man möch­te es gern anneh­men, da der Her­aus­ge­ber die Vor­trags­be­zeich­nun­gen genau beach­tet haben will. Eine schö­ne und emp­feh­lens­wer­te Aus­ga­be ist es jeden­falls gewor­den, die mit Drei­spra­chig­keit und instruk­ti­ver Auf­be­rei­tung dem Anspruch der Rei­he gerecht wird.
Die Melo­dies for Deve­lo­ping Tone and Inter­pre­ta­ti­on fol­gen den Inten­tio­nen von Mar­cel Moy­se (Tone deve­lo­p­ment through inter­pre­ta­ti­on), am Bei­spiel gro­ßer Inter­pre­ten sich ori­en­tie­rend Voka­les und Instru­men­ta­les sys­te­ma­tisch auf der Flö­te üben zu las­sen, um deren Aus­drucks­mög­lich­kei­ten zu erwei­tern, sie kon­kur­renz­fä­hig zu machen. Befremd­lich „geschichts­los“ aber, dass Moy­se, die­ses berühm­te Vor­bild, mit kei­ner Sil­be erwähnt wird.
Die Aus­wahl der Melo­dien wur­de hier natür­lich zeit­ge­mäß ver­än­dert und inter­na­tio­nal erwei­tert. Es sind 133 Bei­spie­le von mehr als 50 Kom­po­nis­ten ent­hal­ten, quer durch die Lite­ra­tur. Das Haupt­ge­wicht liegt auf dem 19. Jahr­hun­dert mit eini­gen klei­nen Aus­flü­gen in die U‑Musik. Zahl­rei­che Aus­schnit­te aus allen mög­li­chen Gat­tun­gen (Opern, Ope­ret­ten, Lie­der, Songs, Kam­mer­mu­sik und Orches­ter­wer­ke) sol­len stu­diert wer­den, rei­ne Flö­ten­mu­sik ist mit Absicht nur in gerin­gem Maß dabei.
So weit so gut, ein ver­dienst­vol­les Unter­neh­men also, des­sen Rea­li­sie­rung jedoch eini­ges zu wün­schen übrig lässt, nicht nur bezo­gen auf den Anspruch der Rei­he „Essen­ti­al Exer­ci­ses“. Da stö­ren nicht nur vie­le ärger­li­che und unnö­ti­ge Druck­feh­ler und Inkon­se­quen­zen (Noten, Pau­sen, Vor­schlags­no­ta­tio­nen etc.), auch die didak­ti­sche Auf­be­rei­tung ist nicht opti­mal. Die nicht sehr hilf­rei­chen Tex­te ver­feh­len im Deut­schen gele­gent­lich leicht, aber ent­schei­dend den Sinn, die ers­ten bei­den deut­schen Tex­te wur­den auch gegen­über den eng­li­schen ver­tauscht. Atem­zei­chen gibt es nur spo­ra­disch und nicht dort, wo sie gebraucht wür­den. Auch die Unter­stüt­zung durch (mög­lichst rich­ti­ge) Metro­nom­zah­len wünscht man sich häu­fi­ger, beson­ders für nicht so Bekann­tes.
Die Arbeit mit die­ser reich­hal­ti­gen und dazu sehr preis­wer­ten Mate­ri­al­samm­lung wird aber unge­ach­tet der Kri­tik­punk­te im Flö­ten­un­ter­richt sehr viel Ver­gnü­gen machen und nicht zuletzt auch den musi­ka­li­schen Hori­zont erwei­tern.
Ursu­la Pesek