Kruse-Weber, Silke / Barbara Borovnjak (Hg.)

Gesund und moti­viert musi­zie­ren. Ein Leben lang

Musikergesundheit zwischen Traum und Wirklichkeit

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2015
erschienen in: üben & musizieren 6/2016 , Seite 47

„Wenn die ,zu erfül­len­den Vor­ga­ben‘ im Stu­di­um oder im Job […] mit den eige­nen Ziel­vor­stel­lun­gen, Maß­stä­ben und Träu­men über­ein­stim­men, lebt man gesün­der.“ Bis zu die­ser ker­ni­gen Bot­schaft liest man sich ger­ne durch 284 Sei­ten einer beach­tens­wer­ten Samm­lung von Bei­trä­gen über die Grund­la­gen für Gesund­heit von Musi­ke­rin­nen und Musi­kern in Aus­bil­dung und Beruf. Das Buch geht her­vor aus einem Sym­po­si­um an der Kunst­uni­ver­si­tät Graz im Juni 2013. Die Her­kunft der Her­aus­ge­be­rin­nen beför­dert einen musikpäda­gogischen Schwer­punkt, dane­ben kom­men AutorIn­nen aus ­unter­schied­lichs­ten Berei­chen in aus­ge­wo­ge­ner Zusam­men­stel­lung zu Wort: Musik­phy­sio­lo­gie und Musi­ker­me­di­zin, Musik­psy­cho­lo­gie, Musik­wis­sen­schaft, Infor­ma­tik, Epi­de­mio­lo­gie, Bio­me­cha­nik, Lern- und Moti­va­ti­ons­for­schung.
Dar­aus ergibt sich eine anre­gen­de Mischung aus Theo­rie und Pra­xis. Daten, Befun­de, Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen, Kasu­is­tik, dia­gnos­ti­sche, the­ra­peu­ti­sche und tech­ni­sche Anwen­dun­gen, nach­denk­li­che Refle­xi­on und Round­ta­ble-Dis­kus­si­on ste­hen neben­ein­an­der und inter­pre­tie­ren die den Buch­ti­tel prä­gen­den Begrif­fe „gesund“ und „moti­viert“ im Sin­ne einer wech­sel­sei­ti­gen Abhän­gig­keit. Das Buch ge­rät zu einer umfas­sen­den Stand­ort­be­stim­mung, deren Tei­le übri­gens durch viel­fäl­ti­ge inne­re Bezü­ge der ange­sag­ten inter­dis­zi­pli­nä­ren Ver­net­zung schon Vor­schub leis­ten.
Ein ver­bin­den­des Ele­ment ist die „Balan­ce“, die im Resü­mee auf drei Ebe­nen bezo­gen wird: Balan­ce auf der Ebe­ne beruf­li­cher Sozia­li­sa­ti­on als Fähig­keit, int­rinsische Moti­va­ti­on mit rea­lis­ti­scher Selbst­ein­schät­zung zu ver­bin­den und bei­des in Rich­tung „Music-Life-Balan­ce“ zu ent­wi­ckeln; intra­per­so­na­le Balan­ce, wel­che auf Indi­vi­dua­li­tät Rück­sicht nimmt und zum Bei­spiel durch Musik selbst als moti­va­tio­na­le und Gesund­heit för­dern­de Res­sour­ce (wieder-)hergestellt wer­den kann; schließ­lich Balan­ce im insti­tu­tio­nel­len Umfeld, die unter ande­rem durch Her­aus­bil­den einer aus­glei­chen­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Feh­ler­kul­tur und den Aus­bau gesundheits­fördernder Ange­bo­te in Musik- bzw. Hoch­schul­päd­ago­gik sowie in musi­ka­li­schen Arbeits­um­ge­bun­gen her­ge­stellt wer­den muss. Das über­ge­ord­ne­te Ziel liegt dar­in, den Pro­zess der Selbst­fin­dung und Selbst­ver­ant­wor­tung zu unter­stüt­zen und die Musi­ker auf jeder Stu­fe ihrer lebens­ge­schicht­li­chen Ent­wick­lung und in allen Berei­chen beruf­li­chen und außer­be­ruf­li­chen Musik­schaf­fens ange­mes­sen zu beglei­ten.
Kein Koch­buch, eher ein krea­ti­ver „Küchen­füh­rer“, der Appe­tit macht und Gerät und Zutat fin­den lässt. Kochen darf man selbst. Sehr zu emp­feh­len für alle, die sich mit prä­ven­ti­vem, the­ra­peu­ti­schem oder pädago­gischem Ansatz dem The­ma Musiker­gesundheit nähern und zum Wei­ter­den­ken inspi­rie­ren las­sen möch­ten.
Mar­tin Fen­del