Fritsch, Markus / Peter Kellert / Andreas Lonardoni

Impro­vi­sie­ren

Professional Music Musikarbeitsbuch

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Leu, Bergisch Gladbach 2005
erschienen in: üben & musizieren 4/2006 , Seite 66

Mit sei­nem drit­ten gemein­sa­men Werk kehrt das bewähr­te Autoren-Trio nach zehn Jah­ren auf den Buch­markt zurück. „Impro­vi­sie­ren kann jeder ler­nen“, lau­tet das schlich­te Mot­to des umfang­rei­chen und viel­schich­ti­gen Arbeits­buchs – für Pop- oder Jazz-Exper­tIn­nen eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, für „klas­si­sche“, repro­du­zie­ren­de Instru­men­ta­lis­tIn­nen aber eher ein Grund zum Schwei­gen. Doch Fritsch, Kel­lert und Lonar­do­ni prä­sen­tie­ren ein für alle wohl­durch­dach­tes, trag­fä­hi­ges Kon­zept, das vie­le Stil­rich­tun­gen der Popu­lar­mu­sik berührt wie Rock, Hea­vy Metal, Soul, Funk, Fusi­on, Jazz, Latin, Blues u. a. Die so wich­ti­ge Schnitt­stel­le zwi­schen Theo­rie und Pra­xis wird neu belebt, Impro­vi­sa­ti­on vom Stig­ma des Unver­bind­li­chen, Unfer­ti­gen und Form­lo­sen befreit.
Das eben­so umfang­rei­che wie kom­ple­xe Mate­ri­al ist inhalt­lich und didak­tisch vor­züg­lich auf­be­rei­tet; der Schwie­rig­keits­grad steigt ste­tig und strin­gent: Glo­ba­le Übestra­te­gien und trans­pa­ren­te Ein­zel­auf­ga­ben ergän­zen ein­an­der. Die Spra­che klingt klar und ver­ständ­lich, bis­wei­len aller­dings ein wenig haus­ba­cken.
Grund­le­gen­de instru­men­ta­le Fer­tig­kei­ten sowie musik­theo­re­ti­sche Kennt­nis­se wer­den vor­aus­ge­setzt, in einer „Check­lis­te“ skiz­ziert und in den ein­zel­nen Kapi­teln auf­ge­grif­fen, dann für die Pop­mu­sik modi­fi­ziert und erwei­tert. Ein sorg­fäl­tig erar­bei­te­tes und varia­bles Netz­werk aus musi­ka­li­schen Bau­stei­nen und Struk­tu­ren wie Ska­len, Moti­ve, Akkor­de, Pat­terns und Rhyth­men erfor­dert jedoch ein hohes Maß an Ein­satz­be­reit­schaft und Aus­dau­er, um von dem Kon­zept pro­fi­tie­ren zu kön­nen. Dabei ist es span­nend und fas­zi­nie­rend, wel­che unge­ahn­ten Mög­lich­kei­ten aus ein­fa­chen Mit­teln wie der Pen­ta­to­nik erwach­sen – ver­schmol­zen mit ande­ren moda­len, tona­len und Blues-Ska­len, ver­se­hen mit einer höchst varia­blen Melo­dik, Har­mo­nik und Rhyth­mik.
Zwei pro­fes­sio­nell ein­ge­spiel­te Audio-CDs ergän­zen das Buch bes­tens und bie­ten man­nig­fal­ti­ge Mög­lich­kei­ten zum Mit­spie­len. Sämt­li­che im Buch erar­bei­te­ten Übun­gen sind mit allen Play­backs kom­bi­nier­bar. Auch der Anhang ent­spricht wis­sen­schaft­li­chem Stan­dard, den man in Lehr­wer­ken oft ver­misst. (Manch eine Kla­vier­schu­le, Har­mo­nie­leh­re oder Gehör­bil­dung endet abrupt, als sei dem Autor oder der Autorin nach dem letz­ten Noten­kopf der Grif­fel aus der Hand gefal­len.) So bie­ten die Autoren unter ande­rem eine detail­lier­te Buch­emp­feh­lung mit Adres­sen, eine Auf­lis­tung wich­ti­ger Inter­pre­ten mit sti­lis­ti­scher Zuord­nung, eine Ska­len- und Akkord­ta­bel­le und Noten zu den Songs von CD2.
Ins­be­son­de­re doku­men­tiert die­ser Anhang die „modu­la­re“ und offe­ne Grund­hal­tung der Autoren, die ihre Arbeit in den Dienst einer ganz­heit­li­chen Musik­aus­bil­dung stel­len. Eine wich­ti­ge Neu­erschei­nung für alle enga­gier­ten und lern­wil­li­gen U- und E‑MusikerInnen!
Vol­ker Ben­dig