Löschhorn, Carl Albert

Kin­der-Etü­den für Kla­vier op. 181

hg. von Ruth Taneda

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2017
erschienen in: üben & musizieren 6/2017 , Seite 54

Der Ber­li­ner Kom­po­nist Carl Albert Lösch­horn (1819–1905) war in sei­ner Zeit ein aner­kann­ter Kla­vier­päd­ago­ge. Sei­ne Kin­der-Etü­den op. 181 sind erst­ma­lig 1883 in Leip­zig bei Peters erschie­nen. Es han­delt sich um vier­zig Etü­den, ursprüng­lich auf zwei Bän­de ver­teilt, die jetzt bei Schott neu erschie­nen sind. Die Etü­den sind immer paar­wei­se ange­ord­net: Einer Etü­de für die rech­te Hand folgt in glei­cher Bewe­gungs­art eine für die lin­ke Hand. Dadurch wer­den beim Durch­ar­bei­ten bei­de Hän­de glei­cher­ma­ßen trai­niert.
Gro­ße Griff­span­nen sind aus­ge­spart, sodass Kin­der­hän­de etwa ab dem zwei­ten bis drit­ten Unter­richts­jahr die­se Stü­cke gut spie­len kön­nen. Die Samm­lung rich­tet sich aber kei­nes­falls aus­schließ­lich an Kin­der, wie es der Titel ver­mu­ten lässt, son­dern an Ler­nen­de jeden Alters, die ihre Spiel­tech­nik auf­bau­en und trai­nie­ren wol­len. Musi­ka­lisch sind die­se jeweils zwei­sei­ti­gen, groß­zü­gig und gut les­bar gedruck­ten Etü­den durch man­che har­mo­ni­sche Berei­che­rung inter­es­san­ter als etwa die Stü­cke von Czer­ny, errei­chen aber nicht ganz den Klang­reiz eines Hel­ler oder Burg­mül­ler. Dafür lagen Lösch­horn das sys­te­ma­ti­sche Trai­ning von Bewe­gungs­mus­tern in Fünf­ton­se­quen­zen, Ton­re­pe­ti­tio­nen mit und ohne Fing­erwech­sel und die  Chro­ma­tik mit ein­be­zie­hen­de Ge­läufigkeit zu sehr am Her­zen.
Da es nur den rei­nen Noten­text ohne Tem­po- und Cha­rak­te­r­an­ga­ben, ohne Arti­ku­la­ti­on und Dyna­mik gibt, hat der Kla­vier­leh­rer die Auf­ga­be, die­se wesent­lichen Gestal­tungs­mit­tel selbst mit der Schü­le­rin oder dem Schü­ler zu erar­bei­ten. Sicher wäre es inter­es­sant, eine ver­glei­chen­de Aus­ga­be zu haben, in der alle musi­ka­lisch wich­ti­gen Para­me­ter mit ein­ge­ar­bei­tet sind, ähn­lich wie bei Bach-Urtext­aus­ga­ben im Ver­gleich zu ver­schie­de­nen Bear­bei­tun­gen.
Lösch­horns Fin­ger­sät­ze sind sehr gut und kon­se­quent durchge­arbeitet und hel­fen, die vor­ge­se­he­nen Bewe­gungs­mus­ter mit der ent­spre­chen­den Lage der Hän­de schnell zu erken­nen. Ein­zig in Num­mer 30 fehlt in Takt 14 in der lin­ken Hand auf der drit­ten Zähl­zeit die 1, und in Num­mer 32 müss­te im zwei­ten Takt beim g der vier­te und nicht der fünf­te Fin­ger ste­hen.
Etü­de Num­mer 15 ist mit ihren zahl­rei­chen Zwi­schen­do­mi­nan­ten har­mo­nisch aus­ge­spro­chen inter­es­sant. Die Num­mer 34 berei­tet mit ihrer Bewe­gung in e-Moll auf ent­spre­chen­de Bach-Prä­lu­di­en vor und ab Etü­de 35 fin­det nach und nach eine gute Ein­füh­rung in die unterschied­lichen For­men der Chro­ma­tik statt.
Zwei Druck­feh­ler stö­ren das Klang­bild: In der ach­ten Etü­de muss im ach­ten Takt in der rech­ten Hand ein a' anstel­le des dort notier­ten g' ste­hen und in der vor­letzten Etü­de ist in Takt 13 das ais' ver­kehrt, es müss­te drei­mal ein a' sein.
Chris­toph J. Kel­ler