Thoma, Xaver Paul

Klei­ne Duet­te op. 129

für zwei Violinen, Band I

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Ikuro Edition, Asperg 2006
erschienen in: üben & musizieren 2/2007 , Seite 67

In der Ikuro Edi­ti­on sind zwölf Klei­ne Duet­te für zwei Vio­li­nen des 1953 gebo­re­nen Brat­schis­ten und Kom­po­nis­ten Xaver Paul Tho­ma erschie­nen. Der Autor will sei­ne klei­nen Minia­tu­ren nicht als „päd­ago­gi­sche Musik“ ver­stan­den wis­sen, son­dern als Kom­po­si­tio­nen, die sowohl im Unter­richt wie im Pro­gramm pro­fes­sio­nel­ler Musi­ke­rIn­nen ihren Platz haben sol­len. Er belegt dies durch die Anga­be der Urauf­füh­rungs­da­ten aus den Jah­ren 2002 bis 2006. „Ein­fach­heit“ in der kom­po­si­to­ri­schen Struk­tur soll dabei genü­gend Sub­stanz auch für pro­fes­sio­nel­le Musi­ker bie­ten.
Jun­ge Musi­ke­rIn­nen kön­nen hier im Zusam­men­spiel ein Reper­toire erfah­ren, das in der Ton­spra­che unse­rer Zeit geschrie­ben wur­de. Groß ist dabei sicher das Risi­ko, dass frei­er Ton­satz und um Zen­tral­klän­ge grup­pier­te Dis­so­nan­zen für den pro­fes­sio­nel­len Spie­ler reiz­voll und span­nend wir­ken, aber für Schü­ler, die noch auf dem Weg der Annä­he­rung an neue Ton­spra­chen sind, befremd­lich. Die­ser Balan­ce­akt scheint in der klei­nen Samm­lung, der wohl bald ein zwei­ter Band fol­gen soll, gelun­gen. Der Kom­po­nist führt die jun­gen Spie­le­rIn­nen in ver­schie­de­ne strei­che­ri­sche Spiel­tech­ni­ken „moder­ner“ Ton­spra­che auf einem spiel­tech­nisch ange­pass­ten Niveau ein.
Im Bereich der 1. bis 4. Lage – der Kom­po­nist gibt dazu genaue Anwei­sung – bie­tet sich zwi­schen gut zu bewäl­ti­gen­den Anfor­de­run­gen an das Dop­pel­griff- und Akkord­spiel und an die Fähig­keit, Strich­tech­ni­ken wie Spic­ca­to, Saltan­do, Stac­ca­to, Tre­mo­lo und Lega­to­spiel aus­zu­füh­ren, Gele­gen­heit, dyna­mi­schen Klang­sinn zu ent­fal­ten. Ent­spre­chen­de Pas­sa­gen wech­seln mit sul pon­ti­cel­lo und sul tasto ab. Ange­rei­chert mit musi­ka­li­schen und spiel­tech­ni­schen Effek­ten wie der Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Asy­me­tri­en in Metrik und Rhyth­mus zwi­schen den bei­den Violin­stim­men (Nr. IV), Osti­na­to-Figu­ren, die aug­men­tiert und syn­ko­piert wer­den (Nr. IX) sowie Fla­geo­let­te­spiel wird den Spie­le­rIn­nen ein hohes Maß an dyna­mi­scher Gestal­tungs­kraft zwi­schen vier­fa­chem pia­no, ff und sffz abver­langt.
Als beson­ders wir­kungs­vol­le Cha­rak­ter­stu­die wird das Scher­zan­do (Nr. II) emp­fun­den, wel­ches schon eini­ge Anfor­de­rung sowohl in tech­ni­scher Hin­sicht wegen der schnel­len Wech­sel zwi­schen arco, piz­zi­ca­to und wech­seln­der Bogen­kon­takt­stel­len als auch an die Fähig­keit zum Zusam­men­spiel stellt. Reich­lich Gele­gen­heit zu dyna­misch sinn­li­chem Spiel bie­ten die ruhi­ge­ren Duet­te Nr. I und III wie auch das in flie­ßen­dem Tem­po zu spie­len­de Duett Nr. IV und das in kom­mu­ni­zie­ren­der Gegen­be­we­gung gehal­te­ne Duo Nr. IX.
Die klei­ne Samm­lung ist eine reiz­vol­le und päd­ago­gisch gut ein­setz­ba­re Ergän­zung zeit­ge­nös­si­scher Duo­li­te­ra­tur für zwei Streich­in­stru­men­te, die in der Tat auch das Inter­es­se pro­fes­sio­nel­ler Spie­le­rIn­nen wecken kann.
Uwe Gäb