Spahn, Claudia (Hg.)

Kör­per­ori­en­tier­te Ansät­ze für Musi­ker

Methoden zur Leistungs- und Gesundheitsförderung

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Hogrefe, Bern 2017
erschienen in: üben & musizieren 6/2017 , Seite 49

Ganz gleich, ob Orches­ter­mu­si­ke­rIn­nen, Sän­ge­rIn­nen, Instru­men­tal- oder Gesangs­päd­ago­gIn­nen, sie alle sind beim Musi­zie­ren beson­de­ren Anfor­de­run­gen aus­ge­setzt. Die Übe- und Spiel­zei­ten pro­fes­sio­nel­ler Musi­ke­rIn­nen umfas­sen meh­re­re Stun­den am Tag, die spiel­tech­ni­schen Belas­tun­gen sind hoch. Neben der phy­si­schen Bean­spru­chung bil­det der star­ke Kon­kur­renz­druck eine nicht zu unter­schät­zen­de psy­chi­sche Kom­po­nen­te. So bil­den Leis­tungs­ver­mö­gen und Gesund­heit unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zun­gen für ein erfolg­rei­ches Berufs­le­ben. Doch auch bei einem bewuss­ten und ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit dem „Instru­ment“ Kör­per las­sen sich nicht alle Risi­ko­fak­to­ren aus­schlie­ßen. Auf­grund der sich ste­tig wie­der­ho­len­den Bewe­gungs­mus­ter sind bestimm­te Kör­per­re­gio­nen für die Ent­ste­hung von Schmer­zen prä­de­sti­niert. Gesund­heits­pro­ble­me in den Berei­chen Kopf, Nacken, Rücken und Hän­de sind häu­fig bei Musi­ke­rIn­nen anzu­tref­fen.
Vie­le die­ser Beschwer­den haben psy­cho­so­ma­ti­schen Cha­rak­ter. Aus­glei­chen­de kör­per­li­che Ak­tivitäten neben der Spiel­pra­xis sind daher jedem Musi­ker zu emp­feh­len. Die Palet­te von Ent­span­nungs­ver­fah­ren, Sport­ar­ten, prä­ven­ti­ven oder rege­ne­ra­ti­ven Bewe­gungs­leh­ren ist groß. In der pra­xis­ori­en­tier­ten Lite­ra­tur fin­den sich zahl­rei­che Tipps und Rat­schlä­ge zur Anwen­dung effek­ti­ver Stra­te­gi­en in der Gesund­heits­för­de­rung und -erhal­tung. Die Viel­zahl der Metho­den kann leicht unüber­sicht­lich wer­den.
Hier setzt das Buch Kör­per­ori­en­tier­te Ansät­ze für Musi­ker von Clau­dia Spahn an. Die Publika­tion schafft erst­mals einen detail­lier­ten Über­blick über Stra­te­gi­en, die sich beim adäqua­ten Umgang mit musi­ker­spe­zi­fi­schen Belas­tun­gen bewährt haben. Dazu gehö­ren Ver­fah­rens­wei­sen wie z. B. Fel­den­krais, Alex­an­der-Tech­nik, Dis­po­ki­ne­sis, Qigong, Yoga oder Pila­tes. Bei den ins­gesamt zwan­zig vor­ge­stell­ten Tech­ni­ken ste­hen Kör­per­wahr­neh­mung, Bewe­gungs­öko­no­mie oder Ergo­no­mie im Zen­trum der Auf­merk­sam­keit.
Die unter­schied­li­chen Kon­zep­te zur geis­ti­gen und kör­per­li­chen Gesund­erhal­tung wer­den aus­führ­lich in ihrer Ent­ste­hung, Anwen­dungs­pra­xis und Wirk­sam­keit behan­delt. Beson­de­res Augen­merk liegt auf der musi­ker­spe­zi­fi­schen Rele­vanz, die mit klar geglie­der­ten Dar­stel­lun­gen und Übungs­vor­schlä­gen ver­voll­stän­digt wird. Sän­ge­rIn­nen und Instru­men­ta­lis­tIn­nen kom­men selbst zu Wort und berich­ten von ihren Erfah­run­gen mit den ver­schie­de­nen Ansät­zen. Zudem bie­ten wei­ter­füh­ren­de Informa­tionsquellen eine zusätz­li­che Ent­schei­dungs­hil­fe bei der indi­vi­du­el­len Metho­den­wahl.
Clau­dia Spahn und ihren Mit­au­toren ist eine über­aus anschau­liche und pra­xis­na­he Vor­stel­lung gesund­heits­re­le­van­ter Ansät­ze für Musi­ke­rIn­nen gelun­gen, deren sonst so posi­ti­ves Erschei­nungs­bild bedau­er­li­cher­wei­se von diver­sen Erra­ta geschmä­lert wird. Nichts­des­to­trotz ein äußerst emp­feh­lens­wer­tes Buch.
Julia­ne Bal­ly