Schatt, Peter W.

Kul­tu­rel­le Bil­dung in Musik

Eine Topologie

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Waxmann, Münster 2021
erschienen in: üben & musizieren 4/2022 , Seite 60

Die­ses Buch ist der drit­te Band der von der Gise­la und Peter W. Schatt Stif­tung her­aus­ge­ge­be­nen Rei­he „Stu­di­en zur Musik­kul­tur“. Im ein­lei­ten­den Kapi­tel „War­um die­ses Buch?“ gibt der Autor eine Begrün­dung für die Publi­ka­ti­on: Die selbst­kri­tisch for­mu­lier­te Über­schrift zu einer Tagung des Bun­des­ver­bands Musik­un­ter­richt, ob die Musik­päd­ago­gik „der Welt abhan­den gekom­men“, also in Selbst­be­züg­lich­keit ver­lo­ren sei, wird von ihm als Impuls auf­ge­grif­fen, um über die Zie­le der Dis­zi­plin Musik­päd­ago­gik grund­sätz­lich nachzudenken.
Schatt greift an vie­len Stel­len aktu­el­le Dis­kur­se des Fachs kri­tisch auf. So wird direkt zu Beginn ange­deu­tet, dass es gel­te, zwi­schen einem rein pra­xeo­lo­gi­schen Men­schen­bild einer­seits und stär­ker kon­struk­ti­vis­tisch ori­en­tier­ten Ansät­zen ande­rer­seits zu ver­mit­teln. Ent­spre­chend wird im Fol­gen­den davon aus­ge­gan­gen, dass Kul­tur, Musik und Bil­dung bei und zwi­schen Men­schen statt­fin­den, deren Lebens­welt und Hand­lungs­mög­lich­kei­ten natür­lich von gesell­schaft­lich ver­mit­tel­ten und vor­ge­form­ten Pra­xen beein­flusst sind, denen aber wei­ter­hin die Mög­lich­keit eines auto­no­men Umgangs mit Musik zuge­stan­den wird.
Vor die­sem Hin­ter­grund gehe es nun dar­um zu zei­gen, „dass Kul­tur, Bil­dung und Musik der­art auf­ein­an­der bezo­gen wer­den kön­nen, dass zumin­dest die Mög­lich­keit eines wech­sel­sei­ti­gen Syn­er­gie­ver­hält­nis­ses auf­scheint“. Mit ande­ren Wor­ten soll das Ver­hält­nis der drei Begrif­fe zuein­an­der geklärt wer­den, um eine theo­re­ti­sche Grund­le­gung einer ange­mes­se­nen „Kul­tu­rel­len Bil­dung in Musik“ for­mu­lie­ren zu können.
Mit dem Hin­weis auf die aktu­el­le „gesell­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Situa­ti­on, die von Plu­ra­li­tät und Diver­si­tät“ gekenn­zeich­net sei, wird auch die päd­ago­gi­sche Rele­vanz der Schrift unmit­tel­bar deut­lich, da sich natür­lich die Fra­ge nach einem Umgang mit die­ser Plu­ra­li­tät – bei­spiels­wei­se im Musik­un­ter­richt – stellt.
Schatt unter­sucht sodann in umfang­rei­chen Kapi­teln die Begrif­fe „Kul­tur“, „Bil­dung“ und – beson­ders aus­führ­lich – „Musik“. Hier­bei wird mit „über­kom­me­nen Vor­stel­lun­gen“ auf­ge­räumt, etwa der Zweck­frei­heit von Bil­dung oder einer ange­nom­me­nen för­der­li­chen Wir­kung von Kunst und Kul­tur auf die Moral des Menschen.
Das Buch mün­det schließ­lich in den Appell, Teil­ha­be an Musik­kul­tur zu ermög­li­chen. Die­ses Ziel musik­päd­ago­gi­schen Den­kens und Han­delns ist durch­aus schon for­mu­liert wor­den, es erfährt in der vor­lie­gen­den Schrift aller­dings eine sehr dich­te, tief­ge­hen­de und in die­ser Aus­führ­lich­keit gewiss nicht oft vor­zu­fin­den­de Begrün­dung. Beson­ders fällt dabei die enor­me Fül­le von Bezü­gen zu ver­schie­de­nen AutorIn­nen aus den Berei­chen Phi­lo­so­phie, Musik­wis­sen­schaft, ‑päd­ago­gik u. a. auf, die vom Autor sou­ve­rän mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den. Die Lek­tü­re ist dadurch mit einem hohen Anspruch ver­bun­den – und alle­mal lohnenswert!
Mat­thi­as Goebel