Saint-Saëns, Camille
La Muse et le Poète op. 132
Duo pour violon et violoncelle avec accompagnement de piano, hg. von Wolfgang Birtel, Partitur und Stimmen
Ein langes Leben mit einer großen Produktivität hat Camille Saint-Saëns nicht davon abgehalten, immer wieder zu den drei zentralen Instrumenten seiner Komponistenlaufbahn zurückzukommen: Violine, Violoncello und Klavier. Nun ist La Muse et le Poète zwar alles andere als ein Klaviertrio, aber es kombiniert in der kammermusikalischen Fassung diese drei Instrumente in einem Stück Programmmusik, das viele von Saint-Saëns’ Qualitäten auf wirksamste Weise vereint.
Das Duo op. 132 ist keine Virtuosen-Nummer, und doch braucht es eine mehr als nur durchschnittlich gute Beherrschung der beiden im musikalischen Dialog höchste instrumentale Höhen erreichenden Streichinstrumente. Und auch das Klavier, wiewohl es in dieser Dreierbesetzung nicht die zentrale Rolle wie in einem Klaviertrio spielt, muss man sich unter den Händen eines Virtuosen oder einer Virtuosin vorstellen, der oder die in der Lage ist, einen sprechenden und mannigfach abgetönten klanglichen Hintergrund für die beiden SolistInnen darzustellen. Tatsächlich wirkt das Stück in der Kammermusik-Variante deutlich zarter und transparenter, weniger bedacht auf Glanz, stattdessen klar fokussiert auf Dialog.
Violine und Violoncello dürfen dabei auf ihre jeweils eigene Art singen: ein strahlender, leichtgängiger Sopran und ein klar zeichnender Tenor mit einem vollen Timbre, das auch im Baritonbereich noch sehr selbstbewusst und präsent klingt.
Nach einem vorsichtig tastenden Beginn mit einem liedhaften Hin- und Herwerfen von Motiven, gerade wie ein Frage- und Antwortspiel, geht das musikalische Geschehen über in große gesangliche Linien, die mit viel Nachdruck und mit stetiger Bewegung vorgetragen werden. Eher nachdenkliche, etwas dunkler abgetönte langsamere Passagen führen zurück zum klaren Beginn, bevor Camille Saint-Saëns im schnellen Schlussteil der für ihn so typischen klar strukturierten, brillanten Ensemblemusik die Bühne überlässt. Hier könnte man dann tatsächlich vom dritten Klaviertrio des Komponisten sprechen.
Die in der Edition Dohr von Wolfgang Birtel herausgegebene Notenausgabe der Triobesetzung von La Muse et le Poète spiegelt diese klassische Klarheit Saint-Saëns’scher Kammermusik, die gleichwohl Interpretinnen und Interpreten von unzweifelhafter technischer Güte und instrumentaler Gestaltungskraft bedarf. Violine und Cello müssen in diesem beseelten Dialog von Dichter und Muse singen und jubeln und Inspiration Klang werden lassen.
Daniel Knödler


