© JeKits-Stiftung

Grosse, Thomas

Lau­ern statt ver­sau­ern

Optionen pädagogischer Haltungen im JeKits-Unterricht

Rubrik: musikschule )) DIREKT
erschienen in: üben & musizieren 2/2018 , musikschule )) DIREKT, Seite 04

„Vom Lauern auf den Moment“ – mit diesem Motto hat die JeKits-Stiftung im Jahr 2017 ihre Arbeit begleitet. Der JeKits-Praxistag trug diesen Titel ebenso wie eine Publikation zur Arbeit der JeKits-Akademie. Der folgende Beitrag basiert auf einem Vortrag anlässlich des JeKits-Praxistages 2017 an der Universität Bielefeld.

Der Begriff „Lau­ern“ beschreibt etwas Span­nungs­vol­les. Selbst wenn das „Auf­lau­ern“, also „in hin­ter­häl­ti­ger Absicht sich in einem Ver­steck sicher ver­ber­gend ange­spannt zu war­ten“, unbe­rück­sich­tigt bleibt, geht es doch um die Grund­hal­tung: Wer lau­ert, war­tet auf einen beson­de­ren Moment. Bleibt die Chan­ce unge­nutzt, muss auf die nächs­te gewar­tet wer­den. Die­ses Lau­ern im Sin­ne von „ange­spannt, begie­rig auf etwas war­ten“ bie­tet Chan­cen, das ­Unter­richts­ge­sche­hen im Pro­gramm JeKits far­bi­ger und sou­ve­rä­ner zu gestal­ten.
Trotz der Anspan­nung hat Lau­ern pas­si­ve Antei­le. Wer lau­ert, gibt sei­ne Hand­lungs­op­tio­nen auf, lässt die Din­ge lau­fen, über­lässt eine Situa­ti­on mög­li­cher­wei­se für eini­ge Zeit sich selbst: Kon­troll­ver­lust droht. In der Arbeit mit Grup­pen besteht das ­Risi­ko, dass sofort die Dis­zi­plin nach­lässt. Ist das pro­fes­sio­nel­les päd­ago­gi­sches Han­deln? Zeich­net sich Unter­richt nicht gera­de dadurch aus, dass die Leh­ren­den „Momen­te“ aktiv her­bei­füh­ren, statt dar­auf zu lau­ern? Und selbst wenn die Idee mit dem „Lau­ern auf den Moment“ zunächst ori­gi­nell wir­ken mag: Wel­che Momen­te sind denn die erstre­bens­wer­ten, auf die es zu lau­ern lohnt?
Zum einen han­delt es sich um Augen­bli­cke, die Chan­cen eröff­nen, den Unter­richt gewinn­brin­gend zu gestal­ten – durch Metho­den­wech­sel oder eine spie­le­ri­sche, moti­va­ti­ons­för­dern­de Idee, ger­ne auch aus dem Kreis der Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Es bie­tet sich eine Opti­on, die Unter­richts­ein­heit ent­lang der Bedürf­nis­se der Unter­richts­grup­pe fort­zu­füh­ren. Zum ande­ren er­geben sich Momen­te mit Aha-Effek­ten, in denen etwas gelingt, was in ver­schie­de­nen Anläu­fen nicht erreicht wur­de. Das kann die Ver­mitt­lung von kon­kre­ten Lern­in­hal­ten eben­so betref­fen wie auch Situa­tio­nen, in denen in einer ande­ren Qua­li­tät musi­ziert wird, also beson­ders ­gelin­gen­de Inter­ak­ti­on, Klang­lich­keit oder Selbst­ver­ges­sen­heit der Schü­le­rin­nen und Schü­ler.
Gemein­sam ist sol­chen Augen­bli­cken ihre Unplan­bar­keit: Sie las­sen sich nicht vor­her­se­hen, mit­hin auch nicht kon­kret her­bei­füh­ren. Es geht weni­ger um eine musi­ka­lisch-künst­le­ri­sche als um eine all­ge­mein-päd­ago­gi­sche Fra­ge­stel­lung. Des­halb soll der Blick auf ein anders gela­ger­tes und doch ver­wand­tes Arbeits­feld in die­sem Zusam­men­hang Anre­gun­gen geben. Beim Musi­zie­ren in der Sozia­len Arbeit, zu der auch die Sozi­al­päd­ago­gik gehört, zeich­net sich Musik dadurch aus, dass sie dyna­mische Grup­pen­pro­zes­se ermög­licht, also eine gro­ße Anzahl an „Momen­ten“ zulässt, mit denen sozia­le Zie­le erreicht wer­den kön­nen. In die­sem Kon­text wird Musik in der Regel als Medi­um auf­ge­fasst, also als eine künst­le­ri­sche Aus­drucks- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form, die zuguns­ten sozia­ler Pro­zes­se funk­tio­na­li­siert wird. Es darf aber dabei nicht außer Acht gelas­sen wer­den, dass es das Wesen der Musik als künst­le­ri­sches Aus­drucks­phä­no­men ist, auf dem ihr Ein­satz in sozia­len Arbeits­fel­dern begrün­det ist. Letzt­lich geht es auch hier stets ums Musi­zie­ren, jedoch hat sich im sozia­len Bereich ein erwei­ter­ter Musik­be­griff eta­bliert.

Musik­be­griff und päd­ago­gi­sche Hal­tung

Der Sozia­len Arbeit liegt ein Musik­be­griff zugrun­de, der sich im Wesent­li­chen an dem Ver­ständ­nis des jewei­li­gen Gegen­übers, also der Adres­sa­tin­nen und Adres­sa­ten ori­en­tiert. Die tri­via­le Erkennt­nis, dass nahe­zu alle Men­schen über musi­ka­li­sche Erfah­run­gen ver­fü­gen, schließt gleich­falls ein, dass nicht alle Musik­wel­ten auch allen Men­schen glei­cher­ma­ßen zugäng­lich sind. Musik­wahr­neh­mung und/oder Musi­zie­ren sind sehr indi­vi­du­el­le Vor­gän­ge, die gleich­zei­tig über gro­ßes iden­ti­täts­stif­ten­des Poten­ti­al ver­fü­gen. Dar­in liegt die Stär­ke des Phä­no­mens Musik und die Bedeu­tung, die Musik für den mensch­li­chen All­tag und eine Gesell­schaft haben kann. […] Der Musik­be­griff wird folg­lich sehr weit gefasst, und jede Gestalt klang­li­cher Ereig­nis­se, die für die Adres­sa­tin­nen und Adres­sa­ten ästhe­tisch oder bio­gra­fisch bedeut­sam ist, kann in die­sem Kon­text als Musik ver­stan­den wer­den […]. Der Fokus liegt in der Sozia­len Arbeit zwar auf der sozia­len Dimen­si­on und der per­sön­li­chen Kon­struk­ti­on von Musik, dies bedeu­tet aber nicht, dass Wis­sen über Musik und eine Ver­tie­fung ihrer Aus­übung nicht mög­lich sind. Und obwohl Musik statt Gegen­stand ein Medi­um der Sozia­len Arbeit ist, wer­den bei­läu­fig oder auch ganz gezielt – etwa in Instru­men­tal-Work­shops – durch­aus musi­ka­li­sche Kom­pe­ten­zen vermittelt.“1
So wie im Kon­text sozia­ler Pro­zes­se musik­päd­ago­gisch gear­bei­tet wird, kann Musik­un­ter­richt auch von sozi­al­päd­ago­gi­schen Umwe­gen pro­fi­tie­ren. Mög­li­cher­wei­se füh­ren ande­re Pfa­de sogar schnel­ler zum Ziel, weil sie grup­pen­dy­na­mi­sche Pro­zes­se unter­stüt­zen. Sol­che Umwe­ge zu erken­nen und zu beschrei­ten, erfor­dert eben­falls Momen­te, auf die sich zu lau­ern lohnt. In sozi­al­päd­ago­gi­schen Berei­chen sind kon­kre­te musi­ka­li­sche Ange­bo­te ent­wi­ckelt wor­den, die für JeKits-Unter­richt gewinn­brin­gend zu adap­tie­ren wären.

Anpas­sungs­pro­zes­se

Musik­an­ge­bo­te in der Sozia­len Arbeit fol­gen kei­nem Lehr­plan, dadurch kann das musi­ka­li­sche Han­deln belie­big erschei­nen. Stark ver­ein­facht lässt sich pos­tu­lie­ren: ­Instru­men­tal- und Gesangs­un­ter­richt passt die Men­schen der Musik an, Sozia­le Arbeit die Musik den Men­schen. In der Rea­li­tät sind die Gren­zen flie­ßend. Im Musik­un­ter­richt wer­den Musik­stü­cke den Schü­le­rin­nen und Schü­lern ange­passt, ein Vor­ge­hen, das in der klas­si­schen Instru­men­tal- und Gesangs­päd­ago­gik nicht immer selbst­verständlich war, denn es wider­spricht einem eng gefass­ten Werk­be­griff.
Wur­den in frü­he­ren Zei­ten aus die­sem Grund oft­mals eigen­stän­di­ge, leich­te­re Spiel­stü­cke kom­po­niert, neh­men mitt­ler­wei­le ver­ein­fach­te Ver­sio­nen von Wer­ken – ins­be­son­de­re der Pop­mu­sik – zu. Auch steht die Bedeu­tung von Nota­ti­on nicht mehr zwin­gend im Zen­trum des Unter­richts, was in den nied­rig­schwel­li­gen Ange­bo­ten des Pro­gramms JeKits Vor­tei­le bie­ten kann. Denn gera­de unter sol­chen Rah­men­be­din­gun­gen erge­ben sich in den Unter­richts­stun­den zuneh­mend lich­te „Momen­te“, auf die es zu lau­ern gilt. Sie kön­nen mit Live-Arran­ge­ment oder Impro­vi­sa­ti­on genutzt wer­den und brin­gen den unmit­tel­ba­ren Musi­zier­pro­zess in den Vor­der­grund. Dem Anspruch an JeKits wird somit ent­spro­chen.

Das Lau­ern auf den Moment steht als Meta­pher für eine Hal­tung, die bereit ist, Impul­se aus der Unter­richts­grup­pe auf­zu­neh­men und wei­ter­zu­ver­fol­gen.

Des­halb lohnt sich der Blick auf die Ele­men­ta­re Musik­päd­ago­gik, wo inter­dis­zi­pli­nä­re Optio­nen in Gesang, Instru­men­tal­spiel, Tanz, Bewe­gung und wei­te­ren Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten Hand­lungs­räu­me eröff­nen. Deren Ver­füg­bar­keit garan­tiert aber kei­nes­wegs, in die­sem Bereich grund­sätz­lich offe­ne­ren Unter­richt zu erle­ben. Auch die Ele­men­ta­re Musik­päd­ago­gik kann sehr ver­schul­te Unter­richts­kon­zep­te vor­wei­sen. „Erlau­er­te Momen­te“ nut­zen zu kön­nen, ist nicht vom Metho­den­kof­fer abhän­gig, sei­ne Aus­stat­tung kann nur unter­stüt­zen. Es han­delt sich um eine päd­ago­gi­sche Grund­hal­tung, die ent­spre­chen­de Räu­me ermög­licht.
In der Ele­men­ta­ren Musik­päd­ago­gik eben­so wie im instru­men­ta­len oder voka­len Grup­pen­un­ter­richt kann in einer offe­nen Situa­ti­on, in der alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler gemein­sam agie­ren, schnell ein beson­de­rer Moment ent­ste­hen, etwas Dia­lo­gi­sches, eine kol­lek­ti­ve Impro­vi­sa­ti­on oder Ähn­li­ches. Dies muss aber zuge­las­sen wer­den und ist von der Unter­richts­ge­stal­tung abhän­gig.

Bit­te nicht stö­ren – oder doch?

Fin­det bei­spiels­wei­se sequen­zi­el­ler Ein­zel­un­ter­richt statt, in dem ein­zel­ne Schü­le­rin­nen und Schü­ler nach­ein­an­der etwas vor­spie­len und die ande­ren nicht stär­ker invol­viert sind, wer­den Inter­ak­tio­nen der Nicht-Betei­lig­ten als Stö­run­gen wahr­ge­nom­men. Aber auch in Set­tings, bei denen alle Grup­pen­mit­glie­der betei­ligt sind, gibt es ­Stö­run­gen.
Die „Stö­rung“ kann den Pro­zess hem­men, viel­leicht aber auch zur Chan­ce wer­den, indem sie einen ande­ren (Lern-) Weg eröff­net. Die­se Chan­ce in kür­zes­ter Zeit zu erken­nen, ist die Her­aus­for­de­rung; die dazu erfor­der­li­che hohe Fle­xi­bi­li­tät darf dabei kei­nes­falls mit Belie­big­keit gleich­gesetzt wer­den. Bei JeKits ste­hen Musik oder Tanz im Zen­trum, die Ori­en­tie­rung dar­an soll­te trotz vie­ler mög­li­cher Lern-Umwe­ge nicht aus dem Blick gera­ten.
In Lehrtan­dems kann gemein­sam auf den Moment gelau­ert wer­den. Gestal­tet die Lehr­kraft eines außer­schu­li­schen Koope­ra­ti­ons­part­ners eine Stun­de gemein­sam mit der Grund­schul­lehr­kraft, kann Arbeits­tei­lung hel­fen: Eine lei­tet den Grup­pen­pro­zess („unter­rich­tet“), die ande­re lau­ert. Und zwar nicht auf Fehl­ver­hal­ten, um dann für Dis­zi­plin zu sor­gen, son­dern auf Gele­gen­hei­ten, um Ide­en aus der Grup­pe mit auf­zu­grei­fen, ohne dass das Prin­zip Voll­be­schäf­ti­gung ver­lo­ren geht, das für Musik­un­ter­richt in der Grund­schu­le stets rat­sam erscheint – alle haben eine Auf­gabe, nie­mand soll sich lang­wei­len. Das Lau­ern inner­halb eines Tan­dems kann sich dar­auf bezie­hen, wei­te­re Hand­lungs­op­tio­nen für Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu ent­de­cken und auf­zu­grei­fen.
Mög­li­cher­wei­se lau­ern auch die Schü­le­rin­nen und Schü­ler: Auf die Mög­lich­keit, sich in Sze­ne zu set­zen, das Gesche­hen zu bestim­men, auf einen Metho­den­wech­sel, die Pau­se oder dar­auf, dass am Ende der Stun­de alle noch ein­mal gemein­sam tan­zen, ein Lied sin­gen oder ein Stück spie­len. Was auch immer: Sie wer­den den Moment viel spon­ta­ner und direk­ter ergrei­fen, als es die meis­ten Erwach­se­nen täten. Dies kann als Stö­rung emp­fun­den wer­den, manch­mal aber auch als Ange­bot: ein Weg­wei­ser für einen der Umwe­ge, die eine Grup­pe eben­falls zum Ziel brin­gen kön­nen – und dann ist es kein Dis­zi­plin­pro­blem.
Die Dis­zi­plin einer Unter­richts­grup­pe zu erhal­ten, ist eine all­täg­li­che Her­aus­for­de­rung im Grup­pen­un­ter­richt. Die JeKi-Begleit­for­schung for­dert Stra­te­gi­en, um sicher­zu­stel­len, dass „die hoch­qua­li­fi­zier­ten Leh­ren­den aus der Musik­schu­le auf ihr neu­es und deut­lich ver­än­der­tes Arbeits­feld Grund­schu­le vor­be­rei­tet wer­den kön­nen, um nicht unver­schul­det in einen prob­lematischen Novi­ze­n­sta­tus zu geraten“.2 Die Erfah­rung, dass eine JeKits-Unter­richts­grup­pe deut­lich anders agiert als die auf den ers­ten Blick ver­gleich­bar zusam­men­ge­setz­te Grup­pe an der Musik­schu­le, kann ein­schnei­dend sein und bil­det eine Her­aus­for­de­rung, mit der ein ange­mes­se­ner Umgang gefun­den wer­den muss.
Jörg Som­mer­feld mut­maßt, dass eine Lehr­kraft, die sich durch Dis­zi­plin­lo­sig­keit in der Klas­se bedrängt fühlt, einen Aus­weg sucht, indem sie ein hohes Unter­richts­tem­po durch Dau­er­power vor­legt. In einer sol­chen Unter­richts­at­mo­sphä­re wird kaum auf einen Moment gelau­ert wer­den kön­nen. Als pro­fes­sio­nel­le Gegen­stra­te­gie wird emp­fohlen, die Rol­le eines Mode­ra­tors ein­zu­neh­men, die Grup­pen­si­tua­ti­on zu erken­nen und zu führen.3 Die­ser Ansatz ent­spricht den grund­sätz­li­chen Regeln zur Anlei­tung von Grup­pen: Es muss Zeit­räu­me geben, in denen die eigent­li­chen Pro­zes­se statt­fin­den.
Wird im Unter­richt eine gewis­se Frei­heit zuge­las­sen, die das Ent­ste­hen von „Momen­ten“ begüns­tigt, dient das „Lau­ern auf den Moment“ als Anre­gung für eine Ent­schleu­ni­gung des Unter­richts­ge­sche­hens.

Die Mischung macht’s

Stel­len wir uns die Ska­la einer Bal­ken­waa­ge oder den Über­blend­reg­ler („Fader“) eines Misch­pults vor: Auf einer Ach­se befin­det sich am einen Ende Musik als Medi­um für die Gestal­tung von Grup­pen­pro­zes­sen, am ent­ge­gen­ge­setz­ten Ende Musik als Kunst­form, als ästhe­ti­sche Pra­xis. Durch Ver­schie­ben des Reg­lers ändert sich stu­fen­los die Gewich­tung zwi­schen „Musik als Medi­um“ und „Musik als Kunst“. Gelin­gen­der JeKits-Unter­richt basiert auf einer aus­ge­wo­ge­nen und situa­ti­ons­an­ge­mes­se­nen Ver­tei­lung zwi­schen den bei­den Enden. Das ist nicht neu, bei die­sem Balan­ce­akt han­delt es sich um ein in der Pra­xis durch­aus übli­ches Vor­ge­hen.
Der Unter­richt bewegt sich ver­mut­lich in JeKits 1 näher am Ende „Musik als Medi­um“, in JeKits 2 mit kla­rer Ten­denz zur „Musik als ästhe­ti­sche Pra­xis“. Dadurch wird dem Wesen von Musik als sozia­ler Kunst Rech­nung getra­gen. Sozia­le Aspek­te begeg­nen musi­ka­li­scher Bil­dung, Musik ist Medi­um und Gegen­stand. Das dadurch ge­förderte Ver­ständ­nis sowohl für Musik als Kunst­form als auch für Musik als Medi­um der Begeg­nung, der Selbst­wirk­sam­keit, der spie­le­ri­schen Zeit­ver­ges­sen­heit und vie­lem ande­ren mehr – das sind die Erfah­run­gen, die in den Momen­ten gemacht wer­den kön­nen, auf die es zu lau­ern lohnt.
Die JeKits-Stif­tung will Kin­dern die Erfah­rung des Instru­men­tal­spiels, des Tan­zens oder des Sin­gens als ästhe­ti­sches Han­deln in der Grup­pe ermög­li­chen. Ver­ste­hen wir ästhe­ti­sches Han­deln als einen zunächst ein­mal von Lehr­plä­nen los­ge­lös­ten Pro­zess, in dem sich sozia­le Inter­ak­ti­on und Begeg­nung mit prak­ti­schem musi­schen Erle­ben ver­bin­den, ist ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis von Input durch Leh­ren­de einer­seits und ent­de­cken­dem, selbst­be­stimm­tem Ler­nen der Kin­der ande­rer­seits anzu­stre­ben. Dazu müs­sen die Rah­men­be­din­gun­gen und päd­ago­gi­schen Hal­tun­gen auf­ein­an­der abge­stimmt sein. Das Lau­ern auf den Moment steht als Meta­pher für eine Hal­tung, die bereit ist, Impul­se aus der Unter­richts­grup­pe auf­zu­neh­men und wei­ter­zu­ver­fol­gen, wenn die­se direkt oder aber auch mit­tel­fris­tig das freud­vol­le und nach­hal­ti­ge Erle­ben ästhe­ti­schen Han­delns im Pro­jekt JeKits ermög­li­chen.

1 Tho­mas Grosse/Hans Her­mann Wickel: „Musik­päd­ago­gik in sozia­len Arbeits­fel­dern“, in: Micha­el Dartsch/Jens Knigge/Anne Niessen/Friedrich Platz/ Chris­ti­ne Stö­ger: Hand­buch Musik­päd­ago­gik, Müns­ter, i. V.
2 Ulri­ke Kra­ne­feld (Hg.): Instru­men­tal­un­ter­richt in der Grund­schu­le. Pro­zess- und Wir­kungs­ana­ly­sen zum Pro­gramm „Jedem Kind ein Instru­ment“, Ber­lin 2015, S. 16.
3 vgl. Jörg Som­mer­feld: Instru­men­tal­un­ter­richt in der Grund­schu­le. Erfolg­reich leh­ren und gestal­ten, Wies­ba­den 2014, S. 108.