Heumann, Hans-Günther (Hg.)

Lie­bes­traum

Die 50 schönsten klassischen Original-Klavierstücke, mittelschwer

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2009
erschienen in: üben & musizieren 4/2009 , Seite 59

Der Titel "Lie­bes­traum“ weckt sofort Asso­zia­tio­nen. Han­delt es sich um melan­cho­li­sche Her­zens­bre­cher der Kla­vier­mu­sik? Das Heft gehört zur Schott-Rei­he „pia­nis­si­mo“. Das Cover in grel­len ver­schwom­me­nen Far­ben erin­nert zunächst eher an eine Key­board-Schu­le. Daher fragt man sich beim ers­ten Anblick, wel­che Stü­cke wohl der Her­aus­ge­ber als „Die 50 schöns­ten klas­si­schen Ori­gi­nal-Kla­vier­stü­cke“ bezeich­nen wird.
Tat­säch­lich bezieht sich der Titel ledig­lich auf Liszts Lie­bes­traum Nr. 3 und ist kei­nes­falls pro­gram­ma­tisch für die Aus­wahl. In die­sem Sam­mel­band, der 22 Kom­po­nis­ten umfasst, befin­den sich Wer­ke ver­schie­dens­ter Cha­rak­te­ris­tik aus Barock, Klas­sik, Roman­tik und Moder­ne. Dar­un­ter sind Stü­cke wie Johann Sebas­ti­an Bachs Aria aus den Gold­berg-Varia­tio­nen, Wolf­gang Ama­de­us Mozarts „Alla tur­ca“ aus der Kla­vier­so­na­te A‑Dur KV 331, Fré­dé­ric Cho­pins Regen­trop­fen-Pré­lude Des-Dur, Franz Schu­berts Moment musi­cal f‑Moll sowie drei sei­ner Impromp­tus, Robert Schu­manns Ara­bes­ke op. 18 und der Vogel als Pro­phet op. 82/7.
Aber auch Edvard Griegs Hoch­zeits­tag auf Trold­h­au­gen op. 65/ 6, Carl Maria von Webers Auf­for­de­rung zum Tanz op. 65, Isaac Albé­niz’ Astu­ri­as op. 47/5, Thek­la Badar­zew­s­ka-Bara­nows­kas Das Gebet einer Jung­frau oder Georg Gershwins Pre­lude Nr. 2 cis-Moll sind hier zu fin­den. Dabei ent­hält der Band sowohl voll­stän­di­ge Sona­ten wie Wolf­gang Ama­de­us Mozarts Sona­te C‑Dur KV 545 als auch Ein­zel­sät­ze wie Lud­wig van Beet­ho­vens 2. Satz aus der Kla­vier­so­na­te c‑Moll „Pathé­tique“.
Hin­wei­se dar­auf, ob es sich gene­rell um Urtext-Mate­ri­al han­delt, ob der Her­aus­ge­ber Ergän­zun­gen vor­ge­nom­men hat oder wel­che Aus­ga­be dem jewei­li­gen Abdruck zu Grun­de liegt, feh­len lei­der gänz­lich. Dafür sind die Fin­gersatz­be­zeich­nun­gen aus­führ­lich, was das Ein­stu­die­ren, vor allem kniff­li­ger Stel­len, erheb­lich erleich­tern kann. Sie sind für eine nor­ma­le Hand sinn­voll und öko­no­misch und machen auch vor dem Dau­men auf den schwar­zen Tas­ten nicht halt.
Kon­zi­piert ist das Heft „für fort­ge­schrit­te­ne Schü­ler, Stu­den­ten, Wie­der­ein­stei­ger und Lieb­ha­ber der klas­si­schen Musik“ und wur­de für „Kla­vier­un­ter­richt und Hob­by“ ent­wi­ckelt. Die gene­rel­le Ein­stu­fung „mit­tel­schwer“ mag eini­gen der Kom­po­si­tio­nen nicht gerecht wer­den. Dem Anspruch aber, popu­lä­re anspruchs­vol­le Kla­vier­stü­cke für qua­li­fi­zier­te Lai­en zusam­men­zu­stel­len, wird das Heft voll gerecht.
Scha­de, dass kei­ne CD dabei ist, was sicher der Popu­la­ri­tät der Stü­cke oder dem für 240 Sei­ten Kla­vier­li­te­ra­tur güns­ti­gen Preis geschul­det ist. Viel­leicht könn­te ein Ton­trä­ger mit unter­schied­li­chen Inter­pre­ta­tio­nen der ent­hal­te­nen Wer­ke den sicher noch fol­gen­den Bän­den der Rei­he „pia­nis­si­mo“ eine beson­de­re Note verleihen.
Sibyl­le Nowak