Pärt, Arvo

Lie­der aus der Kind­heit

für Kinderchor und Klavier, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Universal Edition, Wien 2015
erschienen in: üben & musizieren 4/2016 , Seite 60

Wie klingt es, wenn Arvo Pärt Kin­der­lie­der schreibt? Ent­stan­den sind die Stü­cke zwi­schen 1956 und 1970, vie­le davon wäh­rend einer knapp eine Deka­de dau­ern­den Pha­se, die ansons­ten einer schöp­fe­ri­schen Pau­se glich. Doch auch zuvor kom­po­nier­te der Este fast 20 Jah­re lang Musik für den Nach­wuchs und zur Unter­ma­lung von Zei­chen­trick- und Pup­pen­fil­men sowie Hör­spie­len. Die meis­ten Lie­der sind jedoch Pärts Mut­ter zu ver­dan­ken: Die­se war Kin­der­gärt­ne­rin und Arvo Pärt besuch­te sie bis zum Abitur täg­lich auf der Arbeit. Dort erfreu­te er die Kin­der mit Impro­vi­sa­tio­nen auf dem Kla­vier und lus­ti­gen Ver­sen. Erst spä­ter hielt er sei­ne Ide­en auf Noten­pa­pier fest.
Hör­bar wer­den vie­le der 15 Lie­der die­ses Hefts durch die Auf­nah­me mit dem Kin­der­ge­sangs­stu­dio des Est­ni­schen Rund­funks. Auf der mit­ge­lie­fer­ten CD ver­zau­bern die jun­gen Stim­men in Ori­gi­nal­spra­che. Rein instru­men­ta­le Ver­sio­nen, die der eben­falls est­ni­sche Kom­po­nist Tau­no Aints zusam­men mit Pärt arran­gier­te, ergän­zen das umfang­rei­che Album. Sie sol­len die Musik­lehr­kräf­te im Unter­richt unter­stüt­zen und den Chor­mit­glie­dern das Mit­sin­gen zuhau­se ver­ein­fa­chen.
Die Stü­cke sind kurz gehal­ten und bestechen durch ein­gän­gi­ge, aber für Kin­der­lie­der oft aus­ge­fal­le­ne Har­mo­ni­en. Beson­ders in Die Pup­pe hat kei­nen Namen las­sen sich auch Ele­men­te der Neu­en Musik erah­nen. Ein­fühl­sam ach­ten die Tex­te auf die Bedürf­nis­se und Sor­gen jun­ger Men­schen. Zei­len wie „ach ich bin so schwach und klein, brich mir bit­te bloß kein Bein“ im Lied des Mari­en­kä­fers appel­lie­ren an das Mit­ge­fühl für ande­re Wesen und die Natur. Auch kri­ti­sches Den­ken soll den Kin­dern nahe gebracht wer­den: In Lie­bes Büch­lein! wer­den zwar Com­pu­ter nicht abge­lehnt, doch wird beson­ders auf die Wich­tig­keit von Büchern hin­ge­wie­sen.
Pärts Musik unter­stützt die Tex­te, die von ver­schie­de­nen AutorIn­nen ver­fasst wur­den, opti­mal. Tie­fe, abrup­te Kla­vier­stö­ße imi­tie­ren in Der Weih­nachts­mann die Schrit­te des bär­ti­gen Man­nes auf dem Wald­bo­den, die der Gesang sodann als „poch-poch“ nach­singt. In Was braust er schön stel­len die sehr schnel­len Sech­zehn­tel­läu­fe im Kla­vier, die das  Geräusch eines Schnee­sturms schön dar­stel­len, den Pia­nis­ten vor eine Her­aus­for­de­rung.
Auch die Jun­gen und Mäd­chen wer­den das ein oder ande­re Mal gefor­dert. Bis zum es'' geht es in eini­gen Stü­cken hin­auf, was mach­bar ist, aber aus­nahms­wei­se über­sprun­gen wer­den könn­te, da die Kla­vier­stim­me den Ton eben­falls mit­spielt. In der tiefs­ten Lage dür­fen die Sän­ger bis zum g brum­men. Die­se Stel­le dürf­te wohl eher für älte­re Kin­der gedacht sein.
Wer mit sei­nem Kin­der­chor unbe­kann­te und unge­wöhn­li­che Melo­di­en aus­pro­bie­ren und den Hori­zont sei­ner Chor­mit­glie­der erwei­tern möch­te, greift mit Arvo Pärts Lie­dern aus der Kind­heit genau zum rich­ti­gen Heft.
Laurena Frey