Bauer, Stefan

Lie­der-Hits für Tas­ten-Kids

22 beliebte Kinderlieder für Klavier, Band 1, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Helbling, Innsbruck 2017
erschienen in: üben & musizieren 6/2017 , Seite 54

Die neue Rei­he Lie­der-Hits für Tas­ten-Kids des an der Hoch­schu­le für Musik Franz Liszt in Wei­mar schul­prak­ti­sches Kla­vier­spiel leh­ren­den Ste­fan Bau­er ist auf ins­ge­samt vier Hef­te mit 88 Lie­dern ange­legt. Die 22 Lie­der des ers­ten Ban­des sind eine reprä­sen­ta­ti­ve Aus­wahl aus neu­en Kin­der­lie­dern und tra­di­tio­nel­len Volks­lie­dern.
Die zumeist zwei­stim­mi­gen Lied­sät­ze sind für Kin­der, die sich im Oktav­raum sicher ori­en­tie­ren kön­nen, gut zu spie­len. Gro­ße Griff­span­nen und Akkor­de wer­den aus­ge­spart. Die rech­te Hand spielt die Melo­die in einer für die Kin­der­stim­me guten Lage, und da die Lied­tex­te zwi­schen den bei­den Akko­la­den ste­hen, ist ein Mit­sin­gen leicht mög­lich. Die Begleit­stim­me ist oft­mals fan­ta­sie­voll und mit anspre­chen­den har­mo­ni­schen Wen­dun­gen geführt und ent­hält, wie etwa beim eng­li­schen Lied If you’re hap­py, auch reiz­vol­le chro­ma­ti­sche Durch­gänge.
Eini­ge Stü­cke sind sehr swin­gig wie z. B. Scho­ko­la­de, Fri­do­lin, der…? (hier ist der Noten­satz bei den Vier­teln am Tak­ten­de unpro­por­tio­nal) und das For­scher-Lied. Die­se laden zum Spiel im ter­nä­ren Rhyth­mus ein. Eine her­vor­ra­gen­de Ein­füh­rung in den Blues fin­den wir bei Die coo­le Bon­go-Dis­co in der Coco-Bar mit den über­mä­ßi­gen Quar­ten und ver­min­der­ten Quin­ten in der lin­ken Hand und den Quer­stän­den, die auf die „Blue Notes“ hin­wei­sen. Bei Hörst du den Vogel­sang fin­den wir Franz Schu­berts zwei­tes The­ma aus sei­ner „Unvoll­ende­ten“ mit einem poe­ti­schen Text ver­se­hen.
Eini­ge Sei­ten ent­hal­ten Übun­gen zur rhyth­mi­schen Gestal­tung, Impro­vi­sa­ti­ons­an­re­gun­gen und Wis­sens­wer­tes aus der Musik­ge­schich­te. Die Fin­ger­sät­ze sind für Schü­le­rin­nen und Schü­ler gut und hilf­reich. Erfri­schend sind die auf die ein­zel­nen Lie­der abge­stimm­ten Illus­tra­tio­nen von Ant­je Hage­mann.
Bei dem stim­mungs­vol­len Stück Der Wind wird in die dori­sche Ton­art ein­ge­führt, aller­dings ohne dass die­se bei den Erläu­te­run­gen erwähnt wird. Es gibt auch Lie­der, wo der Lied­satz Schwä­chen auf­weist, wie die Oktav­par­al­le­len bei A-E-I-O-U im vier­ten Takt oder die Grund­ton­ver­dop­pe­lun­gen der Auf­tak­te in Kum­ba­yah. Beim japa­ni­schen Kaki­ne No ist die Ver­tau­schung der Funk­tio­nen (T/D) im sieb­ten und ach­ten Takt har­mo­nisch nicht schlüs­sig, zudem füh­ren die vie­len Sekun­den auf den Schwer­punkt­zei­ten zu einer für die schlich­te Melo­die über­trie­be­nen Dis­so­nanz­bil­dung.
Die bei­lie­gen­de CD ent­hält alle 22 Lie­der: Ste­fan Bau­er spielt man­ches mit einem dyna­misch zu unbe­weg­li­chen Por­ta­to­an­schlag. Um die Kin­der musi­ka­lisch anzu­re­gen, wäre ein dif­ferenzierterer Anschlag wün­schens­wert, der die natür­li­chen Schwer­punk­te des Metrums, der Lied­phra­sen und Text­sil­ben mehr berück­sich­tigt.
Chris­toph J. Kel­ler