Herbst, Sebastian

Musi­ka­li­sche Akti­vi­tät und Her­kunft

Kommentar

Rubrik: musikschule )) DIREKT
erschienen in: üben & musizieren 3/2018 , musikschule )) DIREKT, Seite 01

Jugend­li­che in Deutsch­land wer­den musi­ka­lisch akti­ver. Den­noch hängt die musi­ka­li­sche Akti­vi­tät wei­ter­hin deut­lich von Bil­dung und Ein­kom­men der Eltern sowie von der besuch­ten Schul­form der Jugend­li­chen ab, wie die Stu­die „Jugend und Musik“ der Ber­tels­mann Stif­tung in Koope­ration mit dem Deut­schen Musik­rat zeigt (www.bertelsmann-stiftung.de > Such­be­griff: Stu­die Jugend und Musik). Auf Grund­la­ge des Jugend­fra­ge­bo­gens des Sozio-oeko­no­mi­schen Panels (SOEP) wur­den die Ant­wor­ten von 6256 Sieb­zehn­jäh­ri­gen zwi­schen 2001 und 2015 zur musi­ka­li­schen Akti­vi­tät einer Sekun­där­ana­ly­se unter­zo­gen.

Wäh­rend 97,3% aller Befrag­ten ange­ben, min­des­tens wöchent­lich Musik zu hören, geben 24,4% an, aktiv zu sin­gen oder ein Instru­ment zu spie­len. Nur 16,9% aller aktiv Musi­zie­ren­den erhal­ten oder erhiel­ten dazu bezahl­ten Musik­un­ter­richt. Das Alter des Beginns liegt im Mit­tel bei 9,34 Jah­ren. Fast die Hälf­te der aktiv Musi­zie­ren­den spie­len allei­ne oder mit einer Lehr­kraft (46,6%), 21,6% sind im Chor oder Orches­ter, 20,8% in einer Musik­grup­pe bzw. Band und 11,1% in einer ande­ren Zusam­men­set­zung. Seit der Jahr­tau­send­wen­de ist jedoch ein deut­li­cher Auf­wärts­trend bei den aktiv Musi­zie­ren­den (2015: 28,7%) sowie beim bezahl­ten Musik­un­ter­richt (2015: 19,7%) zu beob­ach­ten.

Ins­ge­samt zeigt sich ein deut­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen dem sozio­öko­no­mi­schen Hin­ter­grund und der musi­ka­li­schen Akti­vi­tät. Bei­spiels­wei­se ver­dop­pelt ein gym­na­sia­ler Abschluss des Vaters die Wahr­schein­lich­keit, dass die Kin­der musi­ka­lisch aktiv sind. Auf­grund der vor­lie­gen­den Daten ist es zudem drei­mal wahr­schein­li­cher, dass Jugend­li­che ohne Mig­rationshintergrund musi­ka­lisch aktiv sind. Das Ein­kom­men der Eltern ist hin­ge­gen kein signi­fi­kan­ter Fak­tor für musi­ka­li­sche Akti­vi­tä­ten im ­All­ge­mei­nen, sehr wohl aber signi­fi­kant in Bezug auf bezahl­ten Musik­unterricht. Hier kom­men auf jeden Haupt­schü­ler mit bezahl­tem Musik­un­ter­richt neun Gym­na­si­as­ten, die bezahl­ten Musik­un­ter­richt erhal­ten.

Auch wenn auf Grund­la­ge der Ergeb­nis­se bereits posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen musi­ka­li­scher Bil­dungs­pro­gram­me in den Grund­schu­len zu ver­mu­ten sind, zeigt sich, dass musi­ka­li­sche Pra­xen für Jugend­li­che in unglei­cher Wei­se zugäng­lich sind. Zu ähn­li­chen Ergeb­nis­sen kommt auch die Stu­die „Eltern/Kinder/Kulturelle Bil­dung. Hori­zont 2017“ des Rats für Kul­tu­rel­le Bil­dung (www.rat-kulturelle-bildung.de > Publi­ka­tio­nen > Stu­di­en). Es gibt also noch viel zu tun: fle­xi­ble und bedarfs­ge­rech­te Ver­tei­lung der För­der­mit­tel für benach­tei­lig­te Jugend­li­che, Koope­ra­tio­nen von Musik­schu­len mit Ganz­tags­schu­len und Kitas, Ver­rin­ge­rung des ­büro­kra­ti­schen Auf­wands auf allen Sei­ten, Abbau von Sprach­bar­rie­ren…

Sebas­ti­an Herbst