Heumann, Hans-Günter

Mys­te­ry Pia­no

20 geheimnisvolle leichte Klavierstücke, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2018
erschienen in: üben & musizieren 6/2018 , Seite 55

Hans-Gün­ter Heu­mann fügt mit Mys­te­ry Pia­no sei­nen zahl­rei­chen kla­vier­päd­ago­gi­schen Ver­öf­fent­li­chun­gen einen wei­te­ren Band hin­zu. Sämt­li­che Stü­cke tra­gen Titel, die sich auf Sagen­um­wo­be­nes und Geheim­nis­vol­les bezie­hen, z. B. Nes­sie, das Was­se­run­ge­heu­er oder Die gro­ße Che­ops-Pyra­mi­de.
Beim Ziel­pu­bli­kum, jün­ge­ren Kla­vierschülerInnen des zwei­ten oder drit­ten Unter­richts­jah­res, könn­te ein „Kopf­ki­no“ in Gang gesetzt wer­den, um aus dem Zusam­men­wir­ken von Titel, Hin­ter­grund und Kla­vier­stück Bil­der bezie­hungs­wei­se Film­bil­der zu evo­zie­ren. Es könn­ten sich auch Recher­chen anbie­ten, um mehr über den Hin­ter­grund zu erfah­ren, z. B. bei Azte­ken­schatz oder Mao­ri Tatoos.
Heu­manns Stü­cke sind recht leicht zu spie­len – eine Aus­nah­me bil­det Secret Dun­ge­on, hier hat die lin­ke Hand als Begleit­mo­dell rasch hin­ter­ein­an­der Bass­ton, Akkord­nach­schlag und eine ver­dop­peln­de Figur –, eine Oktav­span­ne wird vor­aus­ge­setzt, eben­so Pedal­ge­brauch, der hier viel genutzt wird. Heu­mann ver­wen­det häu­fi­ger Osti­na­ti, Bor­dun­quin­ten sowie Dreh- und Pen­del­fi­gu­ren. Neben Dur-Moll-Tona­lem und Moda­lem erschei­nen Ganz­ton­lei­tern. Auch Clus­ter und ein Fla­geo­lett tau­chen auf. In eini­gen Titeln wird durch das Wan­dern der Sep­ti­me oder Sex­te Span­nung erzeugt so­wie durch extre­me Lagen­wech­sel (Ver­hex­tes Ber­mu­da-Drei­eck).
Pas­sa­gen­wei­se bil­det sei­ne Musik eine beweg­te Folie, hier mag die aktu­el­le Ten­denz, Film­mu­sik zu spie­len, Pate gestan­den haben. Heu­mann knüpft auch an Gewohn­hei­ten aus der Musik im Fern­se­hen an: Melo­di­sches steht kaum im Vor­der­grund. Der Kobold erhält einen Muset­te-Wal­zer, die Inkas erschei­nen mit einer flö­ten­ar­ti­gen Melo­die, die Kata­kom­ben wer­den mit einem eher tra­di­tio­nel­len Trau­er­marsch dar­ge­stellt. Vor­bil­der wie Grieg oder Tschai­kow­sky schwin­gen zuwei­len mit. Die Form­bil­dung ist varia­bel, sie reicht von Varia­ti­on über Drei­tei­lig­keit bis zu frei­en Bil­dun­gen.
Der Noten­satz ist sehr klar gehal­ten, eini­ge Fin­ger­sät­ze sind ange­ge­ben, aller­dings feh­len sie zuwei­len an Stel­len, die Fra­gen auf­wer­fen, z. B. beim Spie­len ver­scho­be­ner Quin­ten.
Heu­manns Ziel ist es, kur­ze Stü­cke für den ers­ten Vor­trag zu lie­fern: Das ist ihm gelun­gen. Das Aus­wen­dig­ler­nen könn­te durch vie­le, nicht immer iden­ti­sche Wie­der­ho­lun­gen von Pas­sa­gen etwas erschwert wer­den.
Im Vor­wort prä­sen­tiert sich Heu­mann als Wer­ben­der in eige­ner Sache. Die inter­es­san­ten Titel­ge­bun­gen füh­ren gewiss dazu, zu klang­lich viel­fäl­ti­gen Ergeb­nis­sen zu kom­men. Die Ein­spie­lung auf der bei­gefüg­ten CD erscheint zuwei­len klang­lich recht hart. Nicht vor­ge­se­hen ist die Mög­lich­keit, selbst aus gege­be­nen Mate­ria­li­en eige­ne Lösun­gen zu ent­wi­ckeln, auch impro­vi­sa­to­risch wir­ken­de Abschnit­te wer­den genau aus­no­tiert. Man­che Sujets hät­ten mit etwas mehr Expe­ri­men­tier­freu­de gestal­tet wer­den kön­nen, doch geben Heu­manns Stü­cke stets deut­lich die ange­streb­te Asso­zia­ti­ons­brei­te wie­der, die die­ses Heft inter­es­sant macht.
Chris­ti­an Kunt­ze-Kra­kau