Choi, Song / Eva Lotta Stein

Noah & Pau­li­ne. Auf der Suche nach dem Kontrabass

Eine Kontrabass-Geschichte für Kinder

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Gilgenreiner Verlag, Winterthur 2015
erschienen in: üben & musizieren 5/2015 , Seite 55

War­um ent­schei­det sich wel­ches Kind für wel­ches Instru­ment? Song Choi, Kon­tra­bas­sist und Instru­men­tal­päd­ago­ge – er unter­rich­tet an den Musik­hoch­schu­len in Frank­furt und Frei­burg und ist Grün­der der Päd­ago­gi­schen Arbeits­ge­mein­schaft Kont­rabass Baden-Würt­tem­berg –, erin­nert sich an sei­ne Anfangs­zeit und berich­tet von der Fas­zi­na­ti­on, die ein im gan­zen Kor­pus fühl­ba­rer gestri­che­ner oder gezupf­ter Kon­tra­bass­ton auf ihn aus­ge­übt hat. „Die meis­ten mei­ner Schü­le­rin­nen und Schü­ler“, so Choi, „nen­nen dann auch die tie­fen Töne als Haupt­grund, Kon­tra­bass ler­nen zu wollen.“
Kon­tra­bass für Kin­der? Song Choi gehör­te zu den ers­ten Päd­ago­gen, die gezielt in die­ser Rich­tung tätig wur­den. Gemein­sam mit einem Bass­bau­er ent­wickelte er in den 1990er Jah­ren ein Sech­zehn­tel-Instru­ment, das einen frü­hen Zugriff auf den ­„Gigan­ten“ ermög­licht. Ent­spre­chend prä­sen­tiert sich die­ses Buch als Ver­such, die auf den ers­ten Blick unver­ein­ba­ren Wel­ten klei­ne Kinder/große Instru­men­te ein­an­der anzunähern.
Den Anstoß indes gab die Illust­ratorin Eva Lot­ta Stein. Aus ihrer ursprüng­li­chen Idee einer bebil­der­ten Kon­tra­bass­schu­le ent­wi­ckel­te sich die vor­lie­gen­de Geschich­te: Noah besucht sei­ne Freun­din Pau­li­ne. Sie ist sehr auf­ge­regt, denn ihr Kon­tra­bass ist ver­schwun­den. Noah bemüht sich, ihr zu erklä­ren, dass der Bass (um die Poin­te vor­weg­zu­neh­men) tags zuvor in sei­nem Haus lie­gen geblie­ben ist, doch Pau­li­ne lässt ihn nicht zu Wort kom­men, son­dern stif­tet ihn an, ihr bei der Suche behilf­lich zu sein. In deren Ver­lauf begeg­nen die Kin­der nicht nur einem in frei­er Natur üben­den Kon­tra­bas­sis­ten, son­dern stol­pern über die unter­schied­lichs­ten Situa­tio­nen und Gegen­stän­de, in denen sich gleich­sam Basics der ele­men­ta­ren Musik­erzie­hung spie­geln. Noten­dau­ern, Ton­hö­hen, ver­schie­de­ne Rhyth­men, gan­ze Lied­me­lo­dien – man muss sie, bild­lich gespro­chen, nur vom Baum pflücken.
Lei­der jedoch gerät die Meta­pho­rik schon bald in Schief­la­ge: Mögen ver­schie­den gro­ße Fuß­stapfen als Sinn­bild für die Simul­tanei­tät von Vier­tel- und Ach­tel­no­ten noch aus­sa­ge­kräf­tig sein, so wir­ken hin­ter dem Busch tan­zen­de Noten, mit ver­schie­de­nen Noten­dau­ern behäng­te Han­teln und schließ­lich die 2/4- und 3/4‑Züge, die die Kin­der im Bahn­hof erbli­cken, eini­ger­ma­ßen befremd­lich. Hier kip­pen kind­li­che Vor­stel­lungs­wel­ten. Die Bezü­ge, die tun­lichst ent­ste­hen sol­len, bedurf­ten spür­bar der aukt­o­ria­len Brech­stan­ge. Die inte­grier­ten Lie­der sind gewiss hübsch, hin­sicht­lich ihrer Mach­art aber nicht neu.
Und über­haupt: Noten über Noten, Wis­sen, Daten, Fak­ten! War­um so ver­kopft? War­um hat man es nicht mit einem asso­zia­tiv-spie­le­ri­schen Zugang ver­sucht, frei nach dem Mot­to: Hört mal, was ein Kon­tra­bass alles kann? Brum­men wie ein Bär, plät­schern wie ein Bach… Wie vie­le Ach­tel in ein Zug­ab­teil pas­sen, lernt man dann schon noch.
Ger­hard Anders