Grüner, Micaela

Orff-Instru­men­te und wie man sie spielt

mit CD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2011
erschienen in: üben & musizieren 1/2012 , Seite 52

Die Moden in der Musik­päd­ago­gik kom­men und gehen, sie aber blei­ben: die Orff-Instru­men­te. Jeder Musik­schü­ler, jede Musik­schü­le­rin aus vie­len Genera­tio­nen kennt die soli­den Tro­gxy­lo­fo­ne und ‑metallofo­ne, Klanghöl­zer, Hand­trom­meln und Schrau­benpauken, die – da sie den pau­ken­ty­pi­schen Kes­sel durch eine zylin­dri­sche Zar­ge erset­zen – eigent­lich gar kei­ne Pau­ken sind.
In hand­werk­li­cher Qua­li­tät seit Jahr­zehn­ten nahe­zu unver­än­dert von der Fir­ma Stu­dio 49 pro­du­ziert, kann man die­se ele­men­ta­ren Instru­men­te ohne grö­ße­re Vor­kennt­nis­se spie­len, wobei die Ent­ste­hung der Klän­ge sehr direkt zu beob­ach­ten ist. Aber obwohl sie in den Früh­erzie­hungs­räu­men der Musik­schu­len und den Musik­sä­len der all­ge­mein bil­den­den Schu­len omni­prä­sent sind, haben die Orff-­In­stru­men­te heu­te offen­sicht­lich ein Image­pro­blem. Zu oft ste­hen sie ange­staubt an den Rän­dern und wer­den nur sel­ten genutzt. Das mag dar­an lie­gen, dass es das Ele­men­ta­re in den Zei­ten mu­sikelektronischer Hoch­glanz-Pop-Pro­duk­te natur­ge­mäß schwer hat, es ist aber wohl auch dadurch begrün­det, dass im Lau­fe der Jahr­zehn­te man­ches Mal eher kind­tü­melnd als kind­ge­recht mit den Instru­men­ten umge­gan­gen wur­de. Ihr gro­ßes Musik- und Bewe­gungs­po­ten­zi­al geriet in Vergessenheit.
Umso ver­dienst­vol­ler nun der Ansatz von Micae­la Grü­ner, Dozen­tin am Orff-Insti­tut Salz­burg, mit ihrem Hand- und Pra­xis­buch umfas­send und anschau­lich in den Umgang mit die­sen Instru­men­ten ein­zu­füh­ren. In den Ein­gangs­ka­pi­teln wird die hoch­in­ter­es­san­te Geschich­te des Orff-Instru­men­ta­ri­ums und ‑Schul­werks mit ihren Wur­zeln in außer­eu­ro­päi­schen Musik­kul­tu­ren und der Neu­en Tanz­be­we­gung sehr leben­dig beschrie­ben: von den Anfän­gen im win­zi­gen Bas­telkeller in Orffs Eltern­haus bis zur welt­wei­ten Ver­brei­tung. Der reich bebil­der­te Mit­tel­teil infor­miert vor allem über die Hand­ha­bung und Spiel­wei­se der Inst­rumente, wobei die klas­si­sche Orff-Per­kus­si­on um ande­re Inst­rumente erwei­tert wird. Die­se stam­men ent­we­der aus Latein­ame­ri­ka (Ago­go, Gui­ro, Caba­za) oder sind Neu­erfin­dun­gen wie Sound shapes (Trom­mel­schei­ben) oder Boom­wha­ckers (Kunst­stoffröhren), die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren regel­recht Furo­re machten.
Im abschlie­ßen­den Teil des Buchs wer­den die Aus­wahl und der all­täg­li­che Umgang mit dem Instru­men­ta­ri­um the­ma­ti­siert. Wel­che Instrumentenzusammen­stellung ist für den Kin­der­gar­ten oder die Senio­ren­tanz­grup­pe sinn­voll? Wie pfle­ge ich die Inst­rumente? Und am allerwichtigs­ten: Wel­che Musik mache ich mit ihnen? Zahl­rei­che Kopier­vor­la­gen mit Lie­dern, Lied­be­glei­tun­gen, Arran­ge­ments und jede Men­ge Ideen und Tipps machen Orff-Instru­men­te und wie man sie spielt zu einem Stan­dard­werk und wich­ti­gen Rat­ge­ber für jeden Musik­päd­ago­gen, jede Musik­päd­ago­gin im wei­ten ele­men­ta­ren Feld. Die bei­lie­gen­de CD gibt über­dies mehr als 50 gut klin­gen­de Anregungen.
Ste­phan Froleyks