Grieg, Edvard

Peer-Gynt-Sui­te Nr. 1

arr. für Klavier zu vier Händen von Wolfgang Roloff

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Verlag Roloff, Waldbröl 2014
erschienen in: üben & musizieren 2/2015 , Seite 54

Peer Gynt gehört heu­te sicher­lich zu den bekann­tes­ten Titeln des nor­we­gi­schen Schrift­stel­lers Hen­rik Ibsen (1828–1906) – und das ver­dankt das Schau­spiel nicht allein sei­ner lite­ra­ri­schen Qua­li­tät, son­dern zwei­fels­oh­ne auch der Tat­sa­che, dass Ibsen 1874 den nor­we­gi­schen Kom­po­nis­ten Edvard Grieg bat, eine Schau­spiel­mu­sik dafür zu schrei­ben. Grieg kom­po­nier­te 22 Stü­cke, die gro­ßen Erfolg beim Publi­kum hat­ten und von denen er spä­ter acht zu zwei Orches­ter­sui­ten zusam­men­stell­te, die heu­te zum meist­ge­spiel­ten Reper­toire vie­ler Sin­fo­nie­or­ches­ter gehö­ren. Außer­dem gab Grieg die­se acht Stü­cke auch noch in einer Kla­vier­fas­sung her­aus, die tech­nisch recht anspruchs­voll und nur von sehr ver­sier­ten Pia­nis­tIn­nen rea­li­sier­bar ist. Wolf­gang Roloff hat mit die­sem Heft nun ein Arran­ge­ment für Kla­vier zu vier Hän­den vor­ge­legt.
Lei­der sind nicht alle acht Stü­cke der Orches­ter­sui­ten ent­hal­ten, son­dern nur die vier der ers­ten Sui­te und zusätz­lich „Solveigs Lied“. Aber für ein Vor­spiel oder auch eine Haus­mu­sik in der Fami­lie reicht die Län­ge der fünf Num­mern voll­kom­men aus, ins­be­son­de­re, da der Band auch noch Zwi­schen­tex­te ent­hält, in denen die Hand­lung der jewei­li­gen Stü­cke kurz erläu­tert wird und die sich bei einer Auf­füh­rung ein­schie­ben las­sen.
Der gro­ße Vor­teil an die­sem Arran­ge­ment ist, dass die Grieg’schen Kom­po­si­tio­nen so auch schon von etwas fort­ge­schrit­te­ne­ren Schü­le­rIn­nen gespielt wer­den kön­nen. Zwar weist etwa die „Mor­gen­stim­mung“ vier Kreu­ze auf und sind die flot­ten Stac­cat­ti von „In der Hal­le des Berg­kö­nigs“ auch auf­ge­teilt auf vier Hän­de nicht ganz ohne, aber mit ent­spre­chen­dem Übefleiß durch­aus zu bewäl­ti­gen – schon weil durch die Auf­tei­lung die meis­ten der oft gro­ßen Grif­fe und schwer zu tref­fen­den Sprün­ge des Ori­gi­nals redu­ziert bezie­hungs­wei­se weg­ge­fal­len sind.
Die Umset­zung ist dem Arran­geur also im Gro­ßen und Gan­zen sehr gut gelun­gen. An eini­gen Stel­len kom­men sich die bei­den Spie­le­rIn­nen gefähr­lich nahe; das ist ange­sichts der ori­gi­na­len Noten nicht zu ver­mei­den, aber hier muss von vor­ne­her­ein auf gute Fin­ger­sät­ze geach­tet wer­den, bei denen man den jeweils ande­ren Spie­ler bewusst im Blick hat. Roloff selbst gibt kei­ner­lei Fin­ger­sät­ze an.
Sehr genau und klar im Druck sind jedoch Arti­ku­la­ti­ons- und dyna­mi­sche Zei­chen des Ori­gi­nals wie­der­ge­ge­ben; Takt­zah­len dürf­ten das gemein­sa­me Üben erleich­tern. Etwas eigen­ar­tig scheint die Anga­be der Okta­va bassa (eine Okta­ve tie­fer spie­len als gedruckt) und Okta­va (eine Okta­ve höher spie­len als gedruckt) mit jeweils einer klei­nen 8 unter oder über dem Noten­schlüs­sel. Hier wür­de man sich doch die übli­che­re Nota­ti­on mit durch­bro­che­ner Linie über bezie­hungs­wei­se unter dem Sys­tem wün­schen, aus der kla­rer ersicht­lich ist, wo man wie­der in die Ursprungs­ok­ta­ve zurück­kehrt. Doch wer gründ­lich übt, soll­te damit kei­ne Schwie­rig­kei­ten haben.
Andrea Braun