Zhao, Zhang

Pia­no Suite No. 1 / No. 2 / No. 3

„Three Mountain Ballades of Southern Yunnan“ / „In Pursuit of a Vanishing Sound“ / „Luo Zuo and Folk Songs“

Rubrik: Noten
Verlag/Label: People’s Music Publishing House/Schott, Beijing/Mainz 2020
erschienen in: üben & musizieren 4/2022 , Seite 63

Chi­ne­si­sche Kla­vier­mu­sik ist in Deutsch­land wenig bekannt. Die nun in einer chi­ne­sisch-deut­schen Gemein­schafts­pro­duk­ti­on ver­öf­fent­lich­ten drei Kla­vier­sui­ten von Zhang Zhao ste­hen für ein in Chi­na sehr belieb­tes und ver­brei­te­tes Reper­toire, das Folk­lo­re aus ver­schie­de­nen Regio­nen Chi­nas in mehr oder min­der apar­ten Kla­vier­sät­zen auf­be­rei­tet und poe­ti­sche Natur­ein­drü­cke wie Mond­schein- und Fluss­land­schaf­ten verklanglicht.
Die oft pen­ta­to­ni­sche Melo­dik ver­bin­det sich mit pia­nis­ti­schen Schreib­wei­sen, die durch euro­päi­sches Reper­toire (beson­ders aus dem Umkreis des Impres­sio­nis­mus und der Kla­vier­mu­sik von Bar­tók) ange­regt wur­den. Cha­rak­te­ris­tisch für die Satz­tech­nik der meis­ten der alle­samt tona­len Stü­cke ist eine moto­ri­sche Spiel­freu­de, die in der chi­ne­si­schen Kla­vier­päd­ago­gik hoch geschätzt wird. In den lang­sa­men Sät­zen gelin­gen dem Kom­po­nis­ten stim­mungs­vol­le Klang­bil­der, deren Weich­zeich­nung aller­dings gele­gent­lich einer popu­lä­ren, zur Sen­ti­men­ta­li­tät nei­gen­den „Musik zum Träu­men“ nahekommt.
Wie den Sui­ten sind auch deren Stü­cken Über­schrif­ten bei­gege­ben, die auf den Cha­rak­ter oder die zugrun­de­lie­gen­de poe­ti­sche Idee ver­wei­sen: Moun­tain Child­ren, Moun­tain Moon, Moun­tain Fire (Suite Nr. 1), Rhythm from the Distance, Sac­red Song, In­ebriating (= berau­schen­de) strings, Joy­ful Dance (Suite Nr. 2), Luo Zuo (ein schnel­ler Volks­tanz aus Yunn­an), Folk Song, Luo Zuo (Suite Nr. 3).
Zhang Zhao wur­de 1964 in der süd­chi­ne­si­schen Pro­vinz Yunn­an gebo­ren. Er greift in den drei Sui­ten diver­se Lie­der und Tän­ze auf, die ihm aus sei­ner Kind­heit ver­traut sind. Auch als Pro­fes­sor an der MINZU Uni­ver­si­tät, an der er sei­ne Aus­bil­dung als Kom­po­nist und Pia­nist erhielt, befasst er sich inten­siv mit der Bewah­rung von Musik klei­ner eth­ni­scher Volks­grup­pen. Für die­se vor allem ist die hoch renom­mier­te Uni­ver­si­tät in Peking bestimmt. Wäh­rend eth­ni­sche Min­der­hei­ten in Chi­na vor Ort zum Teil unter­drückt oder gar ver­folgt wer­den, för­dert die staat­li­che Kul­tur­po­li­tik die Popu­la­ri­sie­rung exo­ti­scher Folk­lo­re aus dem Rie­sen­reich, zumin­dest dann, wenn die­se sich nicht eman­zi­pa­to­risch ver­steht, son­dern ideell im Rah­men staat­li­cher Vor­ga­ben bleibt.
Zhang Zhao ist heu­te in Chi­na einer der bekann­tes­ten Kom­po­nis­ten. Mitt­ler­wei­le gelan­gen sei­ne Wer­ke mehr und mehr auch nach Euro­pa. Eini­ge sei­ner folk­lo­ris­ti­schen Bear­bei­tun­gen wur­den in die Reper­toire­lis­ten für Prü­fun­gen des ABRSM auf­ge­nom­men. Auch die Stü­cke der hier vor­ge­leg­ten Sui­ten eig­nen sich dank ihres begrenz­ten Umfangs und des zum Teil ein­fa­chen, sel­ten über einen mitt­le­ren Schwie­rig­keits­grad hin­aus­ge­hen­den Kla­vier­sat­zes gut für Schülervorspiele.
Ulrich Mahlert