Popp, Wilhelm

Popp for Flu­te

7 europäische Salonstücke für Flöte und Klavier, hg. von Elisabeth Weinzierl und Edmund Wächter

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2017
erschienen in: üben & musizieren 3/2018 , Seite 58

Der Titel des Hefts könn­te viel­leicht zu fal­schen Erwar­tun­gen ver­lei­ten, aber das ist auch schon alles, was an die­sem Heft mit klei­nen roman­ti­schen Cha­rak­ter­stü­cken von Wil­helm Popp (1828–1902) zu kri­ti­sie­ren wäre. Die dar­in ent­hal­te­nen Titel Ser­bi­sches Mär­chen, Ita­lie­ni­sches Ständ­chen, Spa­ni­scher Tanz, Schwe­di­sche Idyl­le, Rus­si­scher Musik-Abend, Unga­ri­scher Tanz und Lied ohne Wor­te – im deut­schen Volk­stone stam­men aus ver­schie­de­nen Opus­num­mern, und man könn­te das Heft durch­aus als eine dem euro­päi­schen Gedan­ken gewid­me­te Zusam­men­stel­lung anse­hen…
Popps Kom­po­si­tio­nen sind heu­te wie­der sehr beliebt, weil sie spiel­tech­ni­sche För­de­rung mit ech­ter Freu­de an der Musik zu ver­bin­den wis­sen. Der Anspruch sei­ner oft päd­ago­gisch ori­en­tier­ten Flö­ten­mu­sik reicht von ganz leicht – das wären z. B. die schon vor lan­ger Zeit erschie­ne­nen Klei­nen Anfän­ger­übun­gen – bis hoch­vir­tu­os wie in der Rigo­let­to-Fan­ta­sie. Die hier von den Her­aus­ge­be­rIn­nen mit glück­li­cher Hand aus­ge­wähl­ten Stü­cke bie­ten in ers­ter Linie konzent­rierte musi­ka­li­sche Auf­ga­ben. Das unter­schei­det die­se Neu­erscheinung von ande­ren, viel­leicht eher zufäl­lig ent­stan­de­nen Aus­ga­ben und macht sie beson­ders wert­voll für Unter­richt und Kon­zert.
Dass Eini­ges dar­aus bereits in ande­ren Zusam­men­hän­gen her­aus­ge­ge­ben wur­de, spielt des­halb auch kei­ne Rol­le. Schließ­lich gibt es von Popp noch kein Werk­ver­zeich­nis, das die Über­sicht über sei­ne mehr als 500 klei­nen oder grö­ße­ren Kom­po­si­tio­nen erleich­tern wür­de.
Die inhalt­lich viel­fäl­ti­gen und dadurch recht anspruchs­vol­len Stü­cke ver­lan­gen viel Fle­xi­bi­li­tät und Reak­ti­ons­fä­hig­keit von bei­den Spiel­part­ne­rIn­nen, die immer wie­der fei­ne dyna­mi­sche und ago­gi­sche Über­gän­ge zwi­schen wech­seln­den musi­ka­li­schen Stim­mun­gen zu gestal­ten haben. Das setzt schon eini­ge instru­men­ta­le und musi­ka­li­sche Erfah­rung vor­aus, för­dert sie aber auch ganz erheb­lich. Der Kla­vier­satz ist wie immer bei Popp gut spiel­bar, bei sei­ner klang­li­chen Rea­li­sie­rung könn­te man an einen Strei­cher­satz (mit Kon­tra­bass) den­ken.
Sei­ne frü­he und ver­mut­lich sehr viel­sei­ti­ge flö­tis­ti­sche Aus­bil­dung erhielt Popp in sei­ner Hei­mat­stadt Coburg durch Kas­par Kum­mer und Lou­is Drou­et, bei­de Kapell­meis­ter am Hof in Coburg und aus­ge­zeich­ne­te Spie­ler der alten Flö­te, Kum­mer zudem auch ein hoch­ge­schätz­ter Kom­po­nist. Popp war bis 1867 Solo­flö­tist in die­ser Kapel­le und gleich­zei­tig Hof­pia­nist, anschlie­ßend dann in Ham­burg zehn Jah­re Solo­flö­tist des Phil­har­mo­ni­schen Orches­ters, nach­dem er 1865 zur Boehm­flö­te gewech­selt war. Danach war er bis zu sei­nem Lebens­en­de als Musik­leh­rer tätig. Lexi­ka­lisch lan­ge ver­nach­läs­sigt wie vie­le ande­re Flö­tis­ten gibt es inzwi­schen einen sei­ne Arbeit wür­di­gen­den Bei­trag im Lexi­kon der Flö­te (2009). Da ist sicher noch man­ches zu ent­de­cken.
Ursu­la Pesek