Reich, Martin

pri­mo & secon­do

20 ausgewogene Arrangements für Klavier vierhändig

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2017
erschienen in: üben & musizieren 6/2017 , Seite 55

Vier­hän­di­ges Kla­vier­spiel steht im Unter­richt meist nicht im Vor­der­grund, stellt jedoch eine sinn­vol­le und auch unentbehr­liche Ergän­zung jeder pia­nis­ti­schen Aus­bil­dung dar. Es för­dert das Auf­ein­an­der-Hören und das gemein­sa­me Fin­den bzw. Emp­fin­den von klang­li­cher Balan­ce und Tem­pi. Didak­ti­sche Kon­zep­tio­nen, die wie hier unter­schied­li­che Schwie­rig­keits­gra­de zwi­schen leicht und mit­tel­schwer bereit­stel­len und somit für einen län­ge­ren Unter­richts­zeit­raum ge­eignet sind, gibt es kaum. So gese­hen stel­len die vor­lie­gen­den Stü­cke eine Bereiche­rung und Ergän­zung der vor­han­de­nen vier­hän­di­gen Lite­ra­tur dar.
Die bereits im Titel erwähn­te Aus­ge­wo­gen­heit bezieht sich vor allem auf die Tat­sa­che, dass die Melo­die meist nicht nur im Pri­mo, son­dern auch im Secon­do in der Mit­tel- oder Unter­stim­me zu fin­den ist und sich die spiel­tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten auf bei­de Spie­le­rIn­nen gleich­mä­ßig ver­tei­len. Die nach­voll­zieh­ba­re Idee des Arran­geurs hat in ers­ter Linie also einen päd­ago­gi­schen Hin­ter­grund, was schließ­lich auch in den ein­zel­nen (Übe-)Hinweisen im Anhang deut­lich wird.
Die Kin­der- und Volks­lie­der bie­ten einen geeig­ne­ten Ein­stieg in das ers­te gemein­sa­me Musi­zie­ren, vor­aus­ge­setzt die Schü­le­rIn­nen sind bereits sicher im Noten­le­sen, vor allem im Bass­schlüs­sel bis hin zur drei­ge­stri­che­nen Okta­ve. Stü­cke wie Frè­re Jac­ques, Der Kuckuck und der Esel, Yan­kee Dood­le, Oh when the Saints oder Hap­py Bir­th­day sind bei­spiels­wei­se mal im Uni­so­no oder in einem Kanon gesetzt und stel­len so bereits auf die­ser Stu­fe auch wech­seln­de Anfor­de­run­gen an die Spie­le­rIn­nen. Die sti­lis­tisch sehr unter­schied­li­chen Bear­bei­tun­gen set­zen sich fort in wei­te­ren Stü­cken klas­si­scher Musik wie auch in Gos­pel-, Blues- und Rag­ti­me­stü­cken, die klang­lich meist aus­ge­wo­gen gesetzt sind, vor allem in den mit­tel­schwe­ren Bear­bei­tun­gen Pas­se­pied (Bach), im The­ma der Rhaps­o­dy in Blue (Gershwin) oder auch im Map­le Leaf Rag ­(Jop­lin).
Hin­ge­gen soll­te man ande­re, meist leich­te­re klas­si­sche Bear­bei­tun­gen wie bei­spiels­wei­se An die Freu­de, Là ci darem la mano (Mozart), Fröh­li­cher Land­mann (Schu­mann), Andan­ti­no (Tschai­kow­sky), In der Hal­le des Berg­kö­nigs (Grieg) oder Lie­bes­traum (Liszt) eher unter ent­de­ckungs- und moti­va­ti­ons­psy­cho­lo­gi­schen Grün­den und damit aus Schü­ler­sicht betrach­ten. Eine musi­ka­li­sche Wir­kung haben sie eben­falls, wenn auch hin­sicht­lich des Ori­gi­nals nur andeu­tungs­wei­se.
Romald Fischer