Losert, Martin (Hg.)

Quel­len des Musi­zie­rens

Das wechselseitige Verhältnis von Musik und Pädagogik

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2017
erschienen in: üben & musizieren 6/2017 , Seite 51

Das Bild des Weges ist eine bekann­te Meta­pher, wenn es um (musi­ka­li­sches) Ler­nen geht. Es fin­den sich Umwe­ge, Schleich­we­ge, Sack­gas­sen und ande­res. Her­aus­ge­ber Mar­tin Losert aller­dings hat nicht das Bild des Weges, son­dern das der Quel­le gewählt. Aus oft­mals ver­steck­tem Ursprung ent­steht ein klei­ner Bach, der mit der Zeit immer grö­ßer und kräf­ti­ger wird, bis er sich zu einem ruhig dahin­flie­ßen­den Strom ent­wi­ckelt.
Dass die­se Meta­pher deut­lich tref­fen­der ist, wird in vie­len Bei­trä­gen der knapp 20 AutorIn­nen, alle­samt ver­dien­te Musik­päd­ago­gIn­nen der Uni­ver­si­tät Mozar­te­um Salz­burg sowie Nachwuchs­wissenschaftlerInnen der­sel­ben, klar her­aus­ge­ar­bei­tet.
Michae­la Schwarz­bau­er macht sich auf die Suche nach förder­lichem Eltern­ver­hal­ten, wel­ches sie auf geschick­te Wei­se am Bei­spiel Mozarts und sei­nes Vaters mit zeit­ge­nös­si­schen Musi­kern zu ver­bin­den weiß.
Wie immer höchst gehalt­voll und mit einer Pri­se Humor ver­se­hen äußert Ulrich Mah­lert kri­ti­sche Ansich­ten zur Behaup­tung, dem ers­ten Leh­rer käme eine grö­ße­re Wich­tig­keit zu als dem spä­te­ren. Er nimmt Bezug auf Ador­nos 1957 ver­fas­sen Auf­satz „Zur Musik­päd­ago­gik“ und kann dem dar­in ange­führ­ten Bei­spiel von Sieg­fried, der die Spra­che der Vögel zu ver­ste­hen ver­sucht, noch vie­le wich­ti­ge Gedan­ken­gän­ge anfü­gen. Als Kon­klu­si­on stellt Mah­lert so die Wich­tig­keit der Ver­bin­dung von musi­ka­li­schen und päd­ago­gi­schen Qua­li­tä­ten her­aus.
Wolf­gang Les­sing schärft den Blick für den Unter­schied zwi­schen leh­ren­den und künst­le­ri­schen Momen­ten im Unter­richt. Hier­aus ent­steht ein kla­res Bild für Hand­lungs­mus­ter, die sich in die Unter­richts­pra­xis inte­grie­ren las­sen.
Dass akti­ves Musi­zie­ren und didak­ti­sches Erklä­ren ein sinn­vol­les Oszil­la­ti­ons­mo­dell erge­ben, aus des­sen Balan­ce sich ein prä­gen­der Instru­men­tal­un­ter­richt spei­sen kann, weiß Peter Röb­ke zu begrün­den.
Mar­tin Losert gelingt es, Kom­pe­tenz­be­rei­che eines Leh­rers tref­fend zu ana­ly­sie­ren und Ant­wor­ten dar­auf zu fin­den, wel­che päd­ago­gi­schen und musi­ka­li­schen Fähig­kei­ten einen nach­hal­ti­gen Lern­er­folg ermög­li­chen und begüns­ti­gen.
Höchst lesens­wert sind zudem die Gedan­ken von Anna Maria Kal­cher zum The­ma Krea­ti­vi­tät sowie von Imtraud Tarr über die soge­nann­ten „Lec­tu­re Reci­tals“, wel­che als neu­ar­ti­ge Form der künst­le­ri­schen Mas­ter­ar­beit eine gelun­ge­ne Ver­bin­dung zwi­schen wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis und musi­ka­li­schem Vor­trag im Rah­men eines kom­men­tier­ten Kon­zerts schaf­fen.
Die­ses Buch, Fest­schrift zum 70. Geburts­tag von Rein­hart von Gut­zeit, lang­jäh­ri­ger Rek­tor der Uni­ver­si­tät Mozar­te­um Salz­burg, ent­hält facet­ten­rei­che Anre­gun­gen und wert­vol­le Per­spek­ti­ven, die das musik­päd­ago­gi­sche Han­deln berei­chern. Vie­le Tex­te sind eine groß­ar­ti­ge fach­li­che wie per­sön­li­che Berei­che­rung und wich­ti­ge Impuls­ge­ber unter den wis­sen­schaft­li­chen Schrif­ten der aktu­el­len Musik­päd­ago­gik.
Kris­tin Thie­le­mann