Terzibaschitsch, Anne (Hg.)

Rari­tä­ten und Hits der Kla­vier­mu­sik

Original-Kompositionen und Bearbeitungen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Holzschuh, Manching 2015
erschienen in: üben & musizieren 6/2016 , Seite 53

Es ist ein üppi­ger Sam­mel­band: Auf rund 160 Sei­ten prä­sen­tiert Anne Ter­zi­ba­schitsch 72 Kla­vier­stü­cke von 55 Kom­po­nis­ten aus vier Jahr­hun­der­ten: ein Best-of ver­schie­de­ner Gen­res der Kla­vier­mu­sik. Hier ste­hen mehr oder weni­ger bekann­te „Klas­si­ker“ (u. a. Wer­ke von Scar­lat­ti, Bach, Beet­ho­ven, Burg­mül­ler, Schu­mann, Cho­pin, Alkan, Hen­selt, Brahms, Grieg, Debus­sy, Niel­sen, Sibe­li­us, Bar­tók, Ibert, Kaba­lew­ski, Pärt) neben popu­lären Film­mu­si­ken (z. B. aus Twi­light, The Pia­no, Die wun­der­ba­re Welt der Ame­lie) von Yiru­ma, Micha­el Nyman, Yann Tier­sen und mini­ma­lis­ti­schen Wer­ken von Phil­ip Glass und John Cage sowie drei Kom­po­si­tio­nen der Her­aus­ge­be­rin. Aber auch reiz­vol­le Neu­ent­de­ckun­gen sind zu fin­den, z. B. ein Kla­vier­stück aus Op. 12 von Max Bruch oder Dream aus dem Zyk­lus Enfan­ti­nes von Ernest Bloch.
Fast allen Stü­cken kann man die Prä­di­ka­te dank­bar und beliebt ver­lei­hen, weil sie von Kla­vier­spie­le­rIn­nen der Mit­tel­stu­fe gut zu bewäl­ti­gen und gleich­zei­tig aus­drucks­stark oder moto­risch wir­kungs­voll sind. Die Aus­ga­be ist in einem sehr guten Druck ediert und mit klu­gen und hilf­rei­chen Fin­ger­sät­zen aus­ge­stat­tet. Zwei alpha­be­ti­sche Ver­zeich­nis­se (nach Kom­po­nist bzw. Titel) wei­sen den Weg durch die Viel­falt; und dies ist auch gut so, denn die nicht chro­no­lo­gi­sche Anein­an­der­rei­hung der Stü­cke folgt kei­nem offen­sicht­li­chen Prin­zip, son­dern erscheint auf den ers­ten Blick will­kür­lich.
Wer nach einem roten Faden sucht, fin­det durch­aus tech­ni­sche oder struk­tu­rel­le Anknüp­fungs­punk­te von Stück zu Stück oder auch frei asso­zia­ti­ve Fort­spin­nun­gen. Zwei aus­ge­wähl­te Stück­fol­gen mögen die­se Über­le­gung ver­deut­li­chen: Eine Sequenz von Kom­po­si­tio­nen mit os­tinaten Figu­ren zuguns­ten eines ein­heit­li­chen Bewe­gungs­ty­pus: La machi­ne à coud­re (Ibert), Dreh­or­gel (Schosta­ko­witsch), Im Schlit­ten und Die Spa­nie­rin (Bort­kie­wicz).
Die Rei­hung der sie­ben letz­ten Stü­cke der Samm­lung mag der Idee einer all­mäh­li­chen Ent­rü­ckung in fer­ne Traum­land­schaf­ten fol­gen: Erns­te Gedan­ken (Johan­na Senf­ter), Ada­gio sos­ten­uto aus der „Mond­schein­so­na­te“, (Beet­ho­ven), Gjen­di­nes Wie­gen­lied (Grieg), Von frem­den Län­dern und Men­schen und Träu­me­rei (Schu­mann) sowie In a Land­scape (Cage).
Für einen All-inclu­si­ve-Kla­vier­un­ter­richt ist die Samm­lung ein Geschenk. Mozarts Alla tur­ca ist auch dabei.
Maria Zeid­ler-Kröll