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Herrmann, Michael

Repa­ra­tur und War­tung

Umsatz erhöhen durch Verkauf von Musikinstrumenten und Zubehör, Teil 2

Rubrik: musikschule )) DIREKT
erschienen in: üben & musizieren 6/2016 , musikschule )) DIREKT, Seite 08

Lohnt es sich wirklich, als Musikpädagoge unter die Einzelhändler zu gehen? Und wie genau stellt man das an? Im ersten Teil gab Michael Herrmann Tipps, wie man ein Ladengeschäft eröffnet und den richtigen Großhändler findet. Im zweiten Teil geht es nun um die moralische und rechtliche Seite der Instrumentenbesorgung für Schüler, um Steuerfallen und um die Frage, wie Sie mit einem Reparaturservice Geld verdienen können.

Im ers­ten Teil mei­nes Bei­trags in der ver­gan­ge­nen Aus­ga­be von musik­schu­le )) DIREKT habe ich Ihnen das Part­ner-Shop- Modell vor­ge­stellt, mit dem Sie auch ohne eige­nes Laden­ge­schäft für Ihre Schü­le­rin­nen und Schü­ler Instru­men­te besor­gen kön­nen. Bei die­ser Art des Besor­gungs­ge­schäfts gibt es einen wich­ti­gen mora­li­schen und ei­nen eben­so wich­ti­gen recht­li­chen Aspekt. Begin­nen wir mit dem mora­li­schen Aspekt: Als Päd­ago­ge, der eine gewis­se Auto­ri­tät gegen­über sei­nem Schü­ler aus­übt, soll­ten Sie kei­nes­falls eine Muss-Situa­ti­on her­auf­be­schwö­ren. Wer sei­nen Schü­ler bewusst oder auch nur unbe­wusst dazu ver­pflich­tet, sei­ne Instru­men­te bei ihm zu besor­gen, han­delt sowohl mora­lisch als auch recht­lich ver­werf­lich.
Jeder Schü­ler muss die abso­lut freie Wahl haben, wo er sei­ne Musi­ka­li­en erwirbt. Dabei ist man als Lehr­kraft meist in einer unglück­li­chen, zwei­schnei­di­gen Situa­ti­on: Zum einen sieht man, dass das bis­her vor­han­de­ne Instru­ment für einen ange­mes­se­nen Fort­schritt nicht aus­rei­chend ist, zum ande­ren darf man den Schü­ler nicht nöti­gen, das Instru­ment bei einem selbst zu kau­fen. Noch unge­müt­li­cher ist die Situa­ti­on bei Noten: Man kann als Lehr­kraft voll­kom­men zu Recht dem Schü­ler auf­tra­gen, ein ganz bestimm­tes Noten­heft zu erwer­ben, weil es für den Unter­richt benö­tigt wird. Gleich­zei­tig soll­te man ihm höchs­tens anbie­ten, es für ihn zu beschaf­fen, ihm aber jeder­zeit die freie Wahl las­sen, es ander­wei­tig zu besor­gen.
Aus recht­li­cher Sicht gibt es zwar grund­sätz­lich kei­ne Ein­schrän­kun­gen bezüg­lich die­ser Art des Besor­gungs­ge­schäfts. Den­noch ent­ste­hen beson­ders bei min­der­jäh­ri­gen Schü­le­rin­nen und Schü­lern schnell recht­li­che Grenz­si­tua­tio­nen: Ein nicht voll geschäfts­fä­hi­ger Schü­ler darf rein recht­lich sei­nen Musik­leh­rer gar nicht beauf­tra­gen, für ihn ein eini­ge hun­dert Euro teu­res Inst­rument zu besor­gen. Spä­tes­tens wenn dann die Eltern das Instru­ment bezah­len sol­len, kann die Situa­ti­on unschön wer­den. Denn wenn der Schü­ler nicht voll geschäfts­fä­hig ist, so ist sein Besor­gungs­auf­trag an den Leh­rer aus recht­li­cher Sicht ungül­tig. In der Kon­se­quenz bedeu­tet das, dass die Eltern nicht zur Abnah­me und Bezah­lung ver­pflich­tet sind und der Leh­rer zuse­hen kann, wie er das Instru­ment ander­wei­tig los wird. Dabei muss es sich nicht ein­mal um ein teu­res Instru­ment han­deln: Schon Noten für weni­ge Euro kön­nen die­se Situa­ti­on her­auf­be­schwö­ren. Kurz gesagt: Eine pro­fes­sio­nell arbei­ten­de Lehr­per­son lässt ihren Schü­le­rin­nen und Schü­lern immer die Wahl­frei­heit, wo sie ihre Instru­men­te und Noten besor­gen.

Ach­tung: Steu­er­fal­le!

Es gibt aber auch eine klei­ne steu­er­li­che Fal­le, die Sie ken­nen soll­ten. Das Stich­wort, auf das Sie Ihren Steu­er­be­ra­ter anspre­chen soll­ten, ist die soge­nann­te „Vor­steu­er-Kür­zung durch umsatz­steu­er­be­frei­te Umsät­ze“. Bevor ich lan­ge erklä­re, wor­um es sich hier­bei han­delt, mache ich es an einem Bei­spiel fest: Ange­nom­men, Sie erwirt­schaf­ten im Monat 1000 Euro Gewinn, davon 900 Euro – also 90 Pro­zent – durch die Ertei­lung von Musik­un­ter­richt und 100 Euro – 10 Pro­zent – durch den Ver­kauf von Musik­in­stru­men­ten und Noten an Ihre Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Der Musik­un­ter­richt ist in der Regel von der Umsatz­steu­er befreit, der Ver­kauf der Musik­in­stru­men­te nicht. Nun stellt sich die Situa­ti­on also so dar, dass Sie 90 Pro­zent Ihrer Umsät­ze aus nicht umsatz­steu­er­pflich­ti­gen Berei­chen gene­rie­ren und nur 10 Pro­zent aus umsatz­steu­er­pflich­ti­gen Berei­chen. Das wie­der­um bewirkt, dass die Umsatz­steu­er, die Sie beim Ein­kauf von Waren erwirt­schaf­ten, um 90 Pro­zent gekürzt wird – im Umkehr­schluss bedeu­tet das, dass Sie nur 10 Pro­zent der Umsatz­steu­er, die Sie bezahlt haben, wie­der vom Finanz­amt zurück­er­hal­ten.
Wenn Sie also eine Gitar­re für 119 Euro ein­kau­fen (die­se ent­hält ja 19 Pro­zent, also 19 Euro Umsatz­steu­er), kön­nen Sie nur 10 Pro­zent davon beim Finanz­amt zurück­ho­len, also nur 1,90 Euro. Der Musik­la­den um die Ecke, der aus­schließ­lich Musik­in­stru­men­te ver­kauft und kei­nen Musik­un­ter­richt erteilt, kann sich hin­ge­gen bei der glei­chen Gitar­re 19 Euro Umsatz­steu­er vom Finanz­amt zurück­ho­len. Wenn Sie die Gitar­re wie­der ver­kau­fen, ist dies rela­tiv irrele­vant. Anders sieht es aller­dings aus, wenn Sie die Gitar­re für sich selbst gekauft haben, bei­spiels­wei­se um sie für Ihren Musik­un­ter­richt oder für Kon­zert­auf­trit­te zu nut­zen.
Nun mag sich der eine oder ande­re viel­leicht den­ken, die­se paar Euro kön­ne man durch­aus ver­schmer­zen. Ja – könn­te man. Rich­tig tra­gisch wird es aller­dings, wenn Sie ein Auto kau­fen, das Sie für Ihre gewerb­li­che Tätig­keit zu nut­zen beabsich­tigen. Hier ist der Unter­schied zwi­schen 100 Pro­zent Vor­steu­er­ab­zug und nur 10 Pro­zent Vor­steu­er­ab­zug schon gewal­tig: Das kann oft in die Tau­sen­de gehen. Sie ver­zichten damit unter Umstän­den auf einen ordent­li­chen Betrag und soll­ten sich gut über­le­gen, ob Sie das ris­kie­ren möch­ten.

Hier kann noch rich­tig Geld ver­dient wer­den: Repa­ra­tu­ren

Wuss­ten Sie eigent­lich, dass in einer Musi­ka­li­en­hand­lung der Deckungs­bei­trag II für Repa­ra­tu­ren übli­cher­wei­se weit über dem für den Han­del mit Musik­in­stru­men­ten, Zube­hör und Noten liegt? Sie haben kei­ne Ahnung, wovon ich spre­che? For­mu­lie­ren wir es ganz ein­fach: Wenn Sie ein Instru­ment repa­rie­ren, ver­die­nen Sie das zig-­fa­che von dem, was Sie bei einem Ver­kauf des Instru­ments ver­die­nen wür­den.
Neh­men wir ein Bei­spiel: Wenn Sie eine Gitar­re für 100 Euro ver­kau­fen, haben Sie dar­an vor­aus­sicht­lich etwa 15 Euro ver­dient. Wenn Sie eine bau­glei­che Gitar­re aller­dings neu besai­ten, umfang­reich rei­ni­gen, alles über­prü­fen und gege­be­nen­falls die Mecha­ni­ken nach­fet­ten, so kön­nen Sie eben­falls 15 Euro ver­lan­gen. Nur mit dem klei­nen Unter­schied, dass Sie in letz­te­rem Fall gera­de mal ein paar Cent für Rei­ni­gungs­mit­tel und Fett ein­ge­setzt, im Fal­le eines Ver­kaufs aber min­des­tens 85 Euro inves­tiert haben. Ein­fach gesagt könn­te man for­mu­lie­ren, dass Sie, um 15 Euro zu ver­die­nen, zwei Mög­lich­kei­ten haben: Ent­we­der Sie inves­tie­ren 85 Euro (Ver­kauf) oder ein paar Cent (Repa­ra­tur). Was ist wirt­schaft­li­cher? Na logisch: Vari­an­te zwei.
Vie­le Musik­lehr­kräf­te bie­ten Repa­ra­tu­ren als kos­ten­lo­sen Ser­vice an. Sie soll­ten dar­über nach­den­ken, die­sen Ser­vice künf­tig kos­ten­pflich­tig zu machen. Ein Bei­spiel: Das Auf­zie­hen von Gitar­ren­sai­ten dau­ert bei einer Klas­sik-Gitar­re im Durch­schnitt etwa 15 Minu­ten. Wenn Sie einen Stun­den­lohn von bei­spiels­wei­se 35 Euro anset­zen, dann ergibt das 8,75 Euro für 15 Minu­ten Arbeit. Wenn Sie die­se Dienst­leis­tung in Ihrer Musik­schu­le direkt bei Ihren Schü­le­rin­nen und Schü­lern bewer­ben, wer­den Sie sich wun­dern, wie schnell Sie eine Stamm­kund­schaft auf­bau­en.

Erstel­len Sie ein­fach eine Preis­lis­te mit den häu­figs­ten Repa­ra­tu­ren, von denen Sie wis­sen, dass Sie sie zuver­läs­sig aus­füh­ren kön­nen, und hän­gen Sie die­se aus – die ers­ten Anfra­gen wer­den schnell ein­tref­fen. Und wenn sich ein­mal her­um­ge­spro­chen hat, dass Sie einen ordent­li­chen Ser­vice bie­ten, ist das schon „die hal­be Mie­te“. Um sich wei­ter­zu­bil­den, gibt es übri­gens immer wie­der Instru­men­ten­bau-Kur­se bei vie­len Her­stel­lern – im Inter­net gut zu recher­chie­ren.

Fazit

In der Musi­ka­li­en­han­dels­bran­che sind die Gewinn­mar­gen äußerst klein und das Geschäft ver­la­gert sich immer mehr ins Inter­net. Wer jetzt beschließt, ein Musik­ge­schäft zu eröff­nen, braucht zum einen viel Kapi­tal und zum ande­ren viel Mut. Damit ein Musik­ge­schäft läuft, muss es groß sein – sehr groß sogar. Nur so kön­nen Sie mit den mise­ra­blen Gewinn­mar­gen über­le­ben. Ein klei­ner Musik­la­den hat heut­zu­ta­ge qua­si kei­ne Chan­ce mehr.
Wo Sie als „Klei­ner“ aller­dings noch Geld ver­die­nen kön­nen, ist bei den Ser­vice­leis­tun­gen: Repa­ra­tu­ren, War­tung und Instand­hal­tung. Dort kön­nen Sie durch­aus attrak­ti­ve Gewin­ne machen, auch als Ein­per­so­nen­be­trieb.
Um Ihren Schü­le­rin­nen und Schü­lern Musik­in­stru­men­te zu besor­gen, soll­ten Sie sich bei einem Inter­net­shop als Musik­lehr­kraft oder Musik­schu­le regis­trie­ren las­sen, um dort mit einem Part­ner-Shop-Modell ver­güns­tigt ein- und dann mit einem klei­nen Auf­schlag wei­ter­zu­ver­kau­fen.
Pro­bie­ren Sie das ein oder ande­re doch ein­fach mal aus. Sie wer­den sehen: Es kann sich loh­nen – und macht sogar Spaß!