Lessing, Wolfgang

Kann es eine kri­ti­sche Instru­men­tal­päd­ago­gik geben – und wenn ja, wie müss­te sie aussehen?

Can there be a critical instrumental pedagogy – and if so, what would it be like?

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: üben & musizieren.research 2021

Der Beitrag wird von der Überzeugung geleitet, dass das pädagogische Potenzial der Instrumentalpädagogik eng mit der Frage zusammenhängt, ob und inwieweit sie mit dem Begriff der Kritik in Verbindung gebracht werden kann. Um die Möglichkeit einer „kritischen“ Instrumentalpädagogik zu klären, werden zunächst ihr spezifischer Gegenstand sowie die Prämissen, auf denen dieser Gegenstand beruht, untersucht. Diese Prämissen sind die Perspektive des lebenslangen Lernens und die Einbettung in gegebene kulturelle Kontexte. Vor diesem Hintergrund werden zwei Fragen gestellt, von deren Beantwortung die Rechtfertigung einer „kritischen“ Instrumentalpädagogik abhängt. Anhand eines Fallbeispiels wird dann gezeigt, dass gerade die Langfristigkeit, auf die instrumentalpädagogische Prozesse implizit angelegt sind, die Möglichkeit einer reflexiven und „kritischen“ Übungskultur bietet, die es den Musikern erlaubt, sich sowohl zu ihrer eigenen persönlichen Entwicklung als auch zu ihrer musikalisch-instrumentalen Biografie in ein reflexives Verhältnis zu setzen. Zugleich soll dieses Verständnis einen neuen Blick auf die Problematik der Langfristigkeit von Partizipationsprozessen ermöglichen.

URN: urn:nbn:de:101:1–2021110414394954728592

Arti­kel ver­öf­fent­licht am: 04.11.2021

Abs­tract:
This arti­cle is gui­ded by the con­vic­tion that the edu­ca­tio­nal poten­ti­al of instru­men­tal pedago­gy is clo­se­ly rela­ted to the ques­ti­on of whe­ther and to what extent it can be asso­cia­ted with the con­cept of cri­tique. In order to cla­ri­fy the pos­si­bi­li­ty of a “cri­ti­cal” instru­men­tal pedago­gy, the paper first exami­nes its spe­ci­fic sub­ject mat­ter as well as the pre­mi­ses on which this sub­ject mat­ter rests. The­se pre­mi­ses are the lifel­ong lear­ning per­spec­ti­ve and the embed­ding in given cul­tu­ral con­texts. Against this back­ground two ques­ti­ons are posed, on the ans­wers to which the jus­ti­fi­ca­ti­on of a “cri­ti­cal” instru­men­tal pedago­gy depends. On the basis of a case stu­dy, it will then be shown that it is pre­cise­ly the long-term natu­re towards which instru­men­tal pedago­gi­cal pro­ces­ses are impli­ci­tly desi­gned that offers the pos­si­bi­li­ty of a refle­xi­ve and “cri­ti­cal” cul­tu­re of prac­ti­cing, which allows the musi­ci­ans to place them­sel­ves in a refle­xi­ve rela­ti­ons­hip both to their own per­so­nal deve­lo­p­ment and to their musi­cal-instru­men­tal bio­gra­phy. At the same time, this under­stan­ding should enab­le a new view of the pro­blem of long-termness in par­ti­ci­pa­ti­on processes.