Lessing, Wolfgang

Kann es eine kritische Instrumentalpädagogik geben – und wenn ja, wie müsste sie aussehen?

Can there be a critical instrumental pedagogy – and if so, what would it be like?

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: üben & musizieren.research 2021 , 01–16

Der Beitrag wird von der Überzeugung geleitet, dass das pädagogische Potenzial der Instrumentalpädagogik eng mit der Frage zusammenhängt, ob und inwieweit sie mit dem Begriff der Kritik in Verbindung gebracht werden kann. Um die Möglichkeit einer „kritischen“ Instrumentalpädagogik zu klären, werden zunächst ihr spezifischer Gegenstand sowie die Prämissen, auf denen dieser Gegenstand beruht, untersucht. Diese Prämissen sind die Perspektive des lebenslangen Lernens und die Einbettung in gegebene kulturelle Kontexte. Vor diesem Hintergrund werden zwei Fragen gestellt, von deren Beantwortung die Rechtfertigung einer „kritischen“ Instrumentalpädagogik abhängt. Anhand eines Fallbeispiels wird dann gezeigt, dass gerade die Langfristigkeit, auf die instrumentalpädagogische Prozesse implizit angelegt sind, die Möglichkeit einer reflexiven und „kritischen“ Übungskultur bietet, die es den Musikern erlaubt, sich sowohl zu ihrer eigenen persönlichen Entwicklung als auch zu ihrer musikalisch-instrumentalen Biografie in ein reflexives Verhältnis zu setzen. Zugleich soll dieses Verständnis einen neuen Blick auf die Problematik der Langfristigkeit von Partizipationsprozessen ermöglichen.

URN: urn:nbn:de:101:1-2021110414394954728592

Artikel veröffentlicht am: 04.11.2021

Abstract:
This article is guided by the conviction that the educational potential of instrumental pedagogy is closely related to the question of whether and to what extent it can be associated with the concept of critique. In order to clarify the possibility of a “critical” instrumental pedagogy, the paper first examines its specific subject matter as well as the premises on which this subject matter rests. These premises are the lifelong learning perspective and the embedding in given cultural contexts. Against this background two questions are posed, on the answers to which the justification of a “critical” instrumental pedagogy depends. On the basis of a case study, it will then be shown that it is precisely the long-term nature towards which instrumental pedagogical processes are implicitly designed that offers the possibility of a reflexive and “critical” culture of practicing, which allows the musicians to place themselves in a reflexive relationship both to their own personal development and to their musical-instrumental biography. At the same time, this understanding should enable a new view of the problem of long-termness in participation processes.