Igudesman & Joo

Ret­te die Welt

Wie du deine Kreativität weckst und damit alles veränderst

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: edition a, Wien 2019
erschienen in: üben & musizieren 6/2019 , Seite 52

Ret­te die Welt“: Das Künst­ler­duo „Igu­des­man & Joo“ for­dert nicht gera­de wenig von uns! Und auch der Unter­ti­tel macht die Auf­gabe zunächst nicht ein­fa­cher. Doch in der Tat ist für die Ret­tung unse­rer Welt Krea­ti­vi­tät gefragt. Und sind für neu­es krea­ti­ves Den­ken nicht gera­de Künst­le­rIn­nen prä­de­sti­niert?
Doch Vio­li­nist Alek­sey Igu­des­man und Pia­nist Hyung-ki Joo, die als Duo „Igu­des­man & Joo“ auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se in ihren Shows Humor und musi­ka­li­sche Vir­tuo­si­tät mit­ein­an­der ver­bin­den, haben kei­ne poli­ti­sche Denk­schrift ver­fasst, son­dern ein Mut-mach- und Mit­mach-Buch – eine Anlei­tung, wie wir unser Leben und unser Mit­ein­an­der ver­än­dern und damit womög­lich ver­bes­sern kön­nen. Krea­ti­vi­tät umfasst für Igu­des­man und Joo nicht nur den künst­le­ri­schen Bereich, son­dern jed­we­de Pro­blem­lö­sungs­kom­pe­tenz – und auch die Vor­aus­set­zun­gen, die krea­ti­ves Den­ken und Han­deln begüns­ti­gen wie etwa gesun­de Ernäh­rung, Acht­sam­keit, Humor, Ver­ständ­nis, Empa­thie: „Wenn unse­re Her­zen nicht in der Lage sind, empa­thisch zu sein, dann müs­sen wir unser Gehirn dazu auf­for­dern, fan­ta­sie­vol­ler zu sein“, schreibt Hyung-ki Joo. „Fan­ta­sie ist eine gute Kraft­quel­le für Empa­thie. Wir kön­nen unse­re Fan­ta­sie dazu nut­zen, die Stand­punk­te ande­rer zu ver­ste­hen und uns vor­stel­len, wie es ist, in ihrer Haut zu ste­cken. […] Fan­ta­sie und Krea­ti­vi­tät sind der Schlüs­sel dazu, ein bes­se­rer Mensch zu sein.“
Doch die bei­den Künst­ler-Autoren wären nicht die, die sie sind, hät­ten sie ein sal­bungs­voll eso­te­ri­sches Beleh­rungs­buch ver­fasst. Nein, ihre Ver­öf­fent­li­chung ist vol­ler Humor, der auch vor den Untie­fen des Non­sen­se nicht halt­macht, abwechs­lungs­reich und krea­tiv im bes­ten Sin­ne. Immer abwech­selnd haben Alek­sey Igu­des­man und Hyung-ki Joo je ein Kapi­tel ver­fasst, das von Zwi­schen­ru­fen des ande­ren unter­bro­chen wird. Dar­aus erge­ben sich klei­ne Wort­wech­sel, im Lay­out durch ande­re Schrift und Grö­ße abge­setzt. Sogar der „Redak­teur“ schal­tet sich immer wie­der ein und ermahnt die Autoren zu mehr Dis­zi­plin. Zahl­rei­che mit den Autoren befreun­de­te Künst­le­rin­nen und Künst­ler haben das Buch illus­triert.
Immer wie­der for­dern die Autoren uns zum Mit­ma­chen auf: Leer­sei­ten, Käs­ten, freie Lini­en sol­len dazu inspi­rie­ren, ins Buch hin­ein­zu­schrei­ben und an krea­ti­ven Spie­len aller Art teil­zu­neh­men. In jedem Kapi­tel gibt es mit „Time to play“ über­schrie­be­ne Spiel­ide­en, die uns hel­fen sol­len, unse­re Krea­ti­vi­tät zu wecken.
Nichts von dem, was die Autoren prä­sen­tie­ren, ist neu. Doch die Art der Prä­sen­ta­ti­on ist anders, spie­le­risch und rund­um sym­pa­thisch. Hin­ter allen Albern­hei­ten geht der erns­te Kon­text nie ver­lo­ren: Igu­des­man und Joo for­dern uns auf zu einem bewuss­ten Leben, das acht­sam, krea­tiv und humor­voll mit uns, unse­ren Mit­men­schen und unse­rer Umwelt umgeht. Und wenn jeder von uns auch nur einen Teil der Ide­en aus die­sem Buch umsetzt, gelingt es uns womög­lich doch noch, die Welt zu ret­ten.
Rüdi­ger Beh­schnitt