Halter-Oppelt, Christine

Rock my home

Wie Musiker wohnen

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: DVA, München 2017
erschienen in: üben & musizieren 2/2018 , Seite 54

Soge­nann­te „Homes­to­ries“ ver­spre­chen exklu­si­ve Ein­bli­cke in das Leben von Pro­mi­nen­ten. Wir Lese­rin­nen und Leser mei­nen, damit den von uns bewun­der­ten Stars beson­ders nahe zu sein. Chris­ti­ne Hal­ter-Oppelt, ver­ant­wort­lich für das Wohn­res­sort des Schwei­zer Maga­zins Style, port­rätiert in ihrem Buch Rock my home zwölf Grö­ßen des Rock- und Pop­busi­ness und gibt uns, so die Autorin, „Ein­blick in eine Welt, die sonst hin­ter ver­schlos­se­nen Türen bleibt“.
Die Welt, die sich uns eröff­net, ist in ers­ter Linie eine des Luxus. Für Stars wie Ozzy Osbourne, Céli­ne Dion, John Legend oder Cher spielt es kei­ne Rol­le, ob ein Anwe­sen andert­halb, sechs oder zwan­zig Mil­lio­nen kos­tet. Die Wel­ten, in denen sich die Por­trä­tier­ten bewe­gen, sind denk­bar weit von unse­rer eige­nen ent­fernt. Und doch bestün­de ja zumin­dest die Hoff­nung, dass der Blick durchs Schlüs­sel­loch ins Pri­va­tes­te der Stars uns ein wenig Auf­schluss geben könn­te über deren Leben und Den­ken.
Doch der Ein­druck, der sich beim Blät­tern und Lesen immer mehr ver­fes­tigt, ist ein ganz ande­rer: Je näher wir den Stars durch den „Besuch zu Hau­se“ zu kom­men mei­nen, des­to mehr ent­fer­nen sie sich von uns. Denn wie „per­sön­lich“ ist ein Zuhau­se, wenn sich nicht weni­ger als drei der Por­trä­tier­ten – Cher, Kid Rock und Ozzy Osbourne – den sel­ben Innen­ein­rich­ter tei­len, den sie ­alle über Elton John ken­nen gelernt haben? Mehr und mehr ver­deut­licht die­ser luxu­ri­ös aus­ge­stat­te­te Bild­band, dass es wie frü­her bei alten Adels­ge­schlech­tern auch beim gegen­wär­ti­gen Geld­adel vor­wie­gend um Reprä­sen­ta­ti­on geht und weni­ger um Aus­druck der eige­nen Per­sön­lich­keit.
Der Preis, den die Stars zu zah­len haben, ist womög­lich der Ver­lust von Hei­mat und Iden­ti­tät. Lily Allen (ers­ter Bei­trag) zieht nach weni­gen Jah­ren aus ihrem traum­haften Land­haus im Her­zen Eng­lands – „Ich selbst habe mich als Kind immer nach einem Zuhau­se gesehnt. Wir sind stän­dig umge­zo­gen“ – zurück nach Lon­don: „Ich ände­re mein Leben min­des­tens ein­mal im Jahr.“ Der Tech­no-Musi­ker Moby (zwei­ter Bei­trag) ver­kauft sein mit viel Lie­be und Geld her­ge­rich­te­tes Schlöss­chen recht bald mit Gewinn an einen anony­men Bie­ter. Ozzy Osbourne (drit­ter Bei­trag) ver­lässt sei­ne Luxus­vil­la nach kur­zer Zeit und zieht sich an einen anony­men Ort zurück. Und so fort.
Die Ein­rich­tun­gen die­ses luxu­riö­sen Jet­sets wir­ken oft wie Fas­sa­den, hin­ter denen sich die Bewoh­ner vor unse­ren Bli­cken ver­schan­zen. So kann einen bei aller Neu­gier und Fas­zi­na­ti­on am Ende ein Hauch von Trau­rig­keit über­kom­men ange­sichts des­sen, dass die von uns benei­de­ten Pro­mis selbst hin­ter hohen Hecken nicht unbe­dingt ein Leben in Gebor­gen­heit füh­ren. Als klei­nen Trost kön­nen wir uns einen Abglanz unse­res Lieb­lings­stars in die eige­nen beschei­de­nen vier Wän­de holen: Am Ende jedes Por­träts gibt uns die Autorin eine „Get-the-look“-Doppelseite: „eine Aus­wahl an Möbeln, Wohn­accessoires, Stof­fen oder Tape­ten, die es leicht machen, ihm nach­zu­ei­fern“. So bleibt für alle Fans von Lily Allen wenigs­tens der Kis­sen­be­zug „Åker­vall­mo“ – „gese­hen bei Ikea“.
Rüdi­ger Beh­schnitt