König, Wolfram

Schlüs­sel zum Violinspiel

mit 86 Beispielen auf DVD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Apollon Musikoffizin, Wien 2009
erschienen in: üben & musizieren 4/2010 , Seite 54

Wolf­ram König, einer der bedeu­ten­den Vio­lin­päd­ago­gen unse­rer Zeit, wid­met sein 2009 in der Apol­lon Schrif­ten­rei­he Musik­päd­ago­gik erschie­ne­nes Grund­la­gen­werk – wie vor ihm schon ande­re bedeu­ten­de Vio­lin­päd­ago­gen – dem Erwerb der gei­ge­ri­schen Grund­la­gen­tech­nik auf der Basis des ange­bo­re­nen oder bereits früh, das heißt bis zum drit­ten Lebens­jahr erwor­be­nen Bewe­gungs­re­per­toires. Der Ver­gleich der Bewe­gungs­ab­läu­fe her­vor­ra­gen­der Gei­ger unse­rer Zeit, auf reich­lich vor­han­de­nem Film­ma­te­ri­al doku­men­tiert, eig­net sich dabei aus­ge­zeich­net, Ähn­lich­kei­ten von Hal­tungs- und Bewe­gungs­im­pul­sen dar­zu­stel­len und Leh­ren­den und Ler­nen­den als Hil­fe­stel­lung in kom­pri­mier­ter Form zur Ver­fü­gung zu stellen.
Die bei­gefüg­te sorg­fäl­tig „beob­ach­ten­de“ DVD-Doku­men­ta­ti­on bie­tet dabei detail­ge­naue und anschau­li­che Bei­spie­le für die in ihre Teil­be­we­gun­gen zer­leg­ten kom­ple­xen Bewe­gungs­ab­läu­fe beim Vio­lin­spiel. Wolf­ram König sieht sich dabei durch­aus in der Tra­di­ti­on sei­ner renom­mier­ten vio­lin­päd­ago­gi­schen Vor­gän­ger von Giu­sep­pe Tar­ti­ni über Leo­pold Mozart bis Carl Flesch.
Wich­ti­ges Anlie­gen von Wolf­ram König ist es jedoch, das Vio­lin­spiel nicht als schwie­ri­ge und unna­tür­li­che Betä­ti­gung erschei­nen zu las­sen, son­dern als unter gedul­di­ger und auf­merk­sa­mer Anlei­tung mit eini­ger Auf­merk­sam­keit leicht zu erler­nen­des Spiel. Beson­de­re Beach­tung ver­dient dabei der Hin­weis, dass bei Kin­dern als beson­ders effi­zi­en­te Metho­de der Grup­pen­un­ter­richt in nicht zu gro­ßen Grup­pen emp­foh­len wird. Die­se Unter­richts­form bie­tet nach Ansicht des Autors und mitt­ler­wei­le auch zahl­rei­cher wei­te­rer Instru­men­tal­päd­ago­gIn­nen die Mög­lich­keit, klei­ne Lern­schrit­te in Auf­merk­sam­keit erzeu­gen­der Wie­der­ho­lung bei gleich­zei­ti­ger hoher Akzep­tanz durch das spie­le­risch ler­nen­de Kind einzuüben.
Kom­ple­xe Vor­gän­ge wie schnel­le Bewe­gun­gen und Pas­sa­gen, Bogen­stri­che, Sai­ten­wech­sel „zer­legt“ König in ihre Teil­be­we­gun­gen, die stets auch eine Bewe­gungs­rich­tung haben. Das Her­aus­fin­den der ein­zel­nen Bewe­gungs­an­satz­punk­te mit ihren Bewe­gungs­im­pul­sen sowie die Klä­rung der „Denk­rei­hen­fol­ge“ und der Koor­di­na­ti­on ist sein  Kern­an­lie­gen zur Ent­wick­lung von „Schlüs­seln“ für die kom­ple­xen gei­ge­ri­schen Funk­tio­nen. Hier­bei befin­det sich der Autor auf einer Linie mit den drei Grund­an­for­de­run­gen zur Ent­wick­lung des „Flow-Erle­bens“ beim Instru­men­tal­spiel: Beschrän­kung des Tuns auf ein begrenz­tes Feld, unmit­tel­ba­re „Erfolgs­rück­mel­dung“ und ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis von Anfor­de­rung und Fertigkeit.
König wid­met sich in kom­pri­mier­ter Form allen tech­ni­schen Fel­dern des Gei­gen­spiels, der Tech­nik der lin­ken Hand, der Bogen­tech­nik, aber auch musi­ka­li­schen und ästhe­ti­schen Anfor­de­run­gen wie Into­na­ti­on, Dyna­mik, Klang­far­be und Arti­ku­la­ti­on. Trotz der gedräng­ten Zusam­men­fas­sung stellt die­ses klei­ne Buch mit DVD eine hoch­in­ter­es­san­te „Stu­dier­hil­fe“ für Leh­ren­de und Ler­nen­de dar.
Uwe Gäb