Dare, Marie

Sere­na­de & Val­se

für Violoncello und Klavier, hg. mit einem Vorwort und Hinweisen für den Unterricht von Anna Catharina Nimczik

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2017
erschienen in: üben & musizieren 3/2018 , Seite 59

Eine Meis­te­rin ihres Fachs, genau­er: ihrer Fächer, denn Marie Dare zeich­ne­te sich durch Viel­sei­tig­keit aus. 1902 in Schott­land gebo­ren, stu­dier­te sie an der Lon­do­ner Guild­hall School; zu ihren Cel­lo­leh­rern zähl­te Wil­liam Hen­ry Squi­re. Zugleich erhielt sie Kom­po­si­ti­ons­un­ter­richt bei Ben­ja­min Dale und ver­voll­komm­ne­te nach dem Ers­ten Welt­krieg ihre cel­lis­ti­sche Aus­bil­dung in Paris bei Paul Baze­l­ai­re. Sie trat als Solis­tin und Mit­glied eines Kla­vier­tri­os auf und in einem Kon­zert in der Lon­do­ner Aeo­li­an Hall, das ihren Kom­po­si­tio­nen gewid­met war, konn­te man sie als Cel­lis­tin und Pia­nis­tin hören.
Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs beklei­de­te Marie Dare den Rang eines Unter­of­fi­ziers in der Roy­al Navy, doch selbst in die­ser Zeit setz­te sie ihre Kon­zert­tä­tig­keit fort. Spä­ter gehör­te sie zum Kol­le­gi­um der renom­mier­ten Roy­al Scot­tish Aca­de­my of Music and Dra­ma, wirk­te als Orches­ter- und Kam­mer­mu­si­ke­rin, kom­po­nier­te ein umfang­rei­ches Œuvre, das auch Chor- und Orches­ter­par­ti­tu­ren umfasst, und coach­te „neben­bei“ noch Kon­tra­bass-Schü­le­rIn­nen in Jugend­or­ches­tern. Kurz: Marie Dare ver­kör­per­te den Typus eines bri­ti­schen All­round-Musi­kers, wie wir ihn noch heu­te auf der Insel antref­fen und gele­gent­lich mit einem Anflug von Neid bewun­dern.
Bereits im 2016 erschie­ne­nen Sam­mel­band Ari­et­ta (vgl. Rezen­si­on in Aus­ga­be 4/2016) begeg­ne­ten wir eini­gen attrak­ti­ven Piè­cen aus der Feder der pro­duk­ti­ven Kom­po­nis­tin. Mit dem vor­lie­gen­den Band setzt Schott sei­ne edi­to­ri­schen Akti­vi­tä­ten zu Marie Dare fort. Ob die e-Moll-Sere­na­de und die in G-Dur ste­hen­de Val­se als Mini-Sui­te kon­zi­piert waren, wird zwar nicht ersicht­lich, doch eig­nen sich die bei­den char­man­ten Stü­cke aus­ge­zeich­net für eine sol­che Vor­trags­fol­ge. Frei­lich kann sowohl die melan­cho­li­sche Sere­na­de als auch der schwung­vol­le Wal­zer für sich bestehen: Die ein­neh­men­de Melo­dik der Stü­cke ist dem Cel­lo auf den Leib geschrie­ben, dar­über hin­aus jedoch zeigt sich ihre kom­po­si­to­ri­sche Ori­gi­na­li­tät in den ide­en- und modu­la­ti­ons­rei­chen Kla­vier­parts. Letz­te­re sind nicht über­mä­ßig schwie­rig, ver­lan­gen aber durch­aus nach pro­fes­sio­nel­len Pia­nis­ten-Hän­den, wohin­ge­gen die Cel­lo­parts – gemäß Level 1 der dies­be­züg­lich genau durch­or­ga­ni­sier­ten bri­ti­schen Strei­cher­aus­bil­dung – samt und son­ders in der 1. Lage und mit­hin für Schü­lerInnen im erwei­ter­ten Anfän­ger­sta­di­um rea­li­sier­bar sind.
Her­aus­ge­be­rin Anna Catha­ri­na Nimc­zik hat die­ser Aus­ga­be umfang­rei­che Hin­wei­se für den Unter­richt hin­zu­ge­fügt. Alles, was dort zu lesen ist, ver­rät Sach­ver­stand und päd­ago­gi­sches Ein­füh­lungs­ver­mö­gen. Gleich­wohl: Über­frach­ten wir die wun­der­bar schlich­ten Stü­cke nicht ein wenig damit? Soll­te man, im „eng­li­schen Sin­ne“ gedacht, avan­cier­te Fin­ger­sät­ze, Über­legungen zu Vibra­to etc. nicht eher den Levels 2 bis 5 zukom­men las­sen? Any­way: Wir freu­en uns auf wei­te­re Schät­ze aus den Archi­ven zu Marie Dare!
Ger­hard Anders