© Ivanka Muncan

Muncan, Ivanka

Sin­gle String Play­ing

Beginn des Gitarrenspiels auf einer Saite

Rubrik: Praxis
erschienen in: üben & musizieren 6/2017 , Seite 26

Der Beginn des Gitarrenunterrichts mit Lagenspiel von der ersten Lage an aufwärts führt oft zu "Höhen­angst" vor hohen Lagen. Weshalb nicht zunächst mit nur einer Saite beginnen und auf dieser die Geo­grafie der Gitarre begreifen?

Vor etwa drei­ßig Jah­ren bekam ich eine klei­ne gel­be Kunst­stoff-Gitar­re von mei­nen Eltern geschenkt. Es dau­er­te nicht lan­ge, bis ich ein Spiel erfand: die „Such­rei­se“. Ich begann, Melo­di­en, die mir gefie­len, ent­lang einer Sai­te zu suchen, unge­dul­dig, bis ich die rich­ti­gen Töne fand, um die gan­ze Melo­die zu spie­len. Ich zele­brier­te die­ses Spiel so regel­mä­ßig, dass es mei­nem Vater auf­fiel – und bald saß ich mit einer „ech­ten“ Gitar­re als Schü­le­rin in der Musik­schu­le.
In der Musik­schu­le lern­te ich viel Neu­es ken­nen: das Lagen­spiel, zunächst in ers­ter und zwei­ter Lage, die Noten und klas­si­sche Gitar­ren­li­te­ra­tur. Mein Such­spiel auf einer Sai­te setz­te ich zu Hau­se noch ver­ein­zelt fort, bis ich schließ­lich auf­grund des stei­gen­des Niveaus mei­ner Musik­schul­stü­cke kei­ne Zeit mehr dafür fand.
Erst wäh­rend des Stu­di­ums fand die­ses Spiel im Rah­men mei­nes ers­ten Jazz­gi­tar­re-Unter­richts sei­ne Fort­set­zung, hier jedoch schon auf meh­re­ren Gitar­ren­sai­ten. Erst damals erfuhr ich, dass es einen Namen für mein Such­spiel gab: tran­skri­bie­ren. Wow! Ich hat­te als Kind ein Hoch­schul-Spiel ent­deckt!

Lagen­spiel ver­sus Such­rei­se

Da es gän­gig war und im Stu­di­um so emp­foh­len wur­de, habe ich vie­le Jah­re mit mei­nen Schü­le­rIn­nen im Anfangs­un­ter­richt mit dem Lagen­spiel begon­nen, also zunächst ers­te Lage, dann zwei­te Lage usw. Ich beob­ach­te­te aber wie­der­holt gro­ße Nach­tei­le die­ser Metho­de:
– Die ers­ten Bün­de sind am wei­tes­ten von­ein­an­der ent­fernt.
– Die Töne kön­nen oft nicht benannt wer­den.
– Die Angst vor höhe­ren Lagen jen­seits des fünf­ten Bun­des ist die Regel.
– Die Anord­nung der Töne auf dem Instru­ment wird nicht ver­stan­den, da sie nicht so offen­sicht­lich ist wie z. B. am Kla­vier.
– Dar­aus folgt: gro­ße Abhän­gig­keit vom Noten­blatt und von Fin­ger­sät­zen.


Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 6/2017.