Twelsiek, Monika (Hg.)

Spiel­sa­chen

44 leichte Originalwerke für Klavier

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2014
erschienen in: üben & musizieren 4/2014 , Seite 52

In die­ser Samm­lung sind Stü­cke von sehr bekann­ten (Schu­mann, Tschai­kow­sky, Debus­sy, Bar­tók, Schosta­ko­witsch u. a.) und weni­ger bekann­ten Kom­po­nis­ten (Hein­rich Lich­ner, Flor Pee­ters, René Defos­sez u. a.) aus der Zeit vom 19. Jahr­hun­dert bis in die Gegen­wart ver­tre­ten. Die Rei­hen­fol­ge wird vom Schwie­rig­keits­grad bestimmt und reicht von der Anfangs­stu­fe bis zu einem immer noch ziem­lich mode­ra­ten Niveau.
„Spiel­zeug“ als über­grei­fen­de pro­gram­ma­ti­sche Idee umfasst Spiel­uh­ren, Pup­pen, Ted­dys, Ste­cken­pfer­de, Autos, Tän­ze. Bis auf ein Stück, das aus ein­zel­nen Frag­men­ten vom Spie­ler wie ein Puz­zle zusam­men­ge­fügt wer­den soll, sind die Stü­cke auf her­kömm­li­che Wei­se notiert und klin­gen auch über­wie­gend tra­di­tio­nell. Das lässt sich z. B. an der Ver­tei­lung der Ton­ar­ten beob­ach­ten: Etwa ein Drit­tel der Stü­cke steht in C‑Dur, ins­ge­samt domi­nie­ren die Dur-Ton­ar­ten gegen­über denen in Moll. Ver­ein­zelt gibt es Anklän­ge an den Jazz.
Ins­ge­samt wer­den die Spie­le­rIn­nen mit einer Viel­zahl von Auf­ga­ben­stel­lun­gen kon­fron­tiert. Es wur­de offen­sicht­lich dar­auf geach­tet, Stü­cke zu wäh­len, in denen bei­de Hän­de aus­ge­wo­gen beschäf­tigt sind. Die Melo­die erscheint teil­wei­se abwech­selnd rechts und links, manch­mal wech­seln die Hän­de sich unmit­tel­bar nach­ein­an­der ab oder eine Hand greift über die ande­re. Ledig­lich aus­ge­spro­chen poly­fo­ne Stü­cke sind nicht ver­tre­ten. Tech­nisch gese­hen gibt es Posi­ti­ons­spiel, Dop­pel­grif­fe, Drei­klän­ge und Pas­sa­gen­spiel in unter­schied­li­chen For­men. Letz­te­res erscheint immer mit „Erho­lungs­mög­lich­keit“ für die Hän­de, das heißt in klei­ne­ren Grup­pen, mit klei­nen Pau­sen dazwi­schen, mit melo­di­scher Kon­tur oder sequen­zie­rend, sodass die „Atmung“ der Hän­de gelernt wer­den kann. Alle Stü­cke erfor­dern eine bewuss­te Arti­ku­la­ti­on und sind dies­be­züg­lich dif­fe­ren­ziert notiert.
Wenn man den Band als Lehr­ma­te­ri­al ansieht, dann ist noch posi­tiv zu erwäh­nen, dass es auch auf der rhyth­mi­schen Ebe­ne viel­fäl­ti­ge Erfah­rungs­be­rei­che gibt (unter­schied­lichs­te Takt­ar­ten, Takt­wech­sel, Trio­len, Punk­tie­run­gen, Syn­ko­pen). Einer Beschrän­kung auf den mitt­le­ren Ton­raum wird dadurch ent­ge­gen gewirkt, dass z. B. die Spiel­uh­ren­stü­cke durch Okta­vie­run­gen in höhe­re Lagen gera­ten. Auch die tie­fe­re Bass­re­gi­on wird teil­wei­se so erschlossen.
In mehr als einem Vier­tel der Stü­cke gibt es ein­fa­che Pedal­an­wei­sun­gen, auch das lin­ke Pedal kommt vor. Der Band wur­de durch­gän­gig mit Fin­ger­sät­zen ver­se­hen. Sehr posi­tiv fällt hier auf, dass die Bezeich­nun­gen nur dort erschei­nen, wo es Zwei­fel geben könn­te oder Posi­ti­ons­wech­sel not­wen­dig sind. Damit wird einer Über­frach­tung des Noten­bil­des vor­ge­beugt und gleich­zei­tig dem Spie­ler die Logik der Fin­ger­set­zung klar gemacht.
Scha­de, dass außer Lebens­da­ten kei­ne Infor­ma­tio­nen zu den Kom­ponisten auf­ge­nom­men wur­den. Ins­ge­samt eig­net sich der Band auf jeden Fall als Lite­ra­tur­samm­lung für den Klavierunterricht.
Lin­de Großmann