Gaul, Magnus / Eva Nagel

SPRING

Sprache lernen durch Singen, Bewegung und Tanz, mit CD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Bosse, Kassel 2016
erschienen in: üben & musizieren 1/2017 , Seite 52

End­lich ein pra­xis­ori­en­tier­tes Buch, in dem nicht nur in der Theo­rie über die frucht­ba­re Syn­the­se von Musik und Sprach­er­werb geschrie­ben wird, son­dern gleich 128 Sei­ten geball­te Ide­en inklu­si­ve Übungs-CD an die Hand gege­ben wer­den. Um die Ide­en­ge­ber Magnus Gaul und Eva Nagel schart sich ein viel­fäl­ti­ges Team fach­li­cher Exper­ten aus den Berei­chen Zweit­sprach­er­werb bis Pup­pen­spiel.
SPRING ist „ein an der Unter­richts­pra­xis ori­en­tier­ter musik­di­dak­ti­scher Bei­trag zum Erler­nen der deut­schen Spra­che“ für die Arbeit in jun­gen Sprach­lern­grup­pen. Es ist aus einem Koopera­tionsprojekt her­aus ent­wi­ckelt wor­den und beschränkt sich erfreu­li­cher­wei­se nicht nur aufs Sin­gen, son­dern för­dert ein leben­di­ges, ganz­heit­li­ches Aus­drucks­ver­mö­gen von Kin­dern. Dabei wird Alt­be­währ­tes aus der Musik­päd­ago­gik aus der Sicht der Sprach­för­de­rung betrach­tet und die Übun­gen die­nen der prak­tischen Ergän­zung des Gram­matikunterrichts.
Nimmt man das Buch genau­er unter die Lupe, wird die anfäng­li­che Eupho­rie zunächst durch sei­ten­lan­ge Abhand­lun­gen über die Kraft der Musik, aktu­el­le sozi­al­päd­ago­gi­sche Her­aus­for­de­run­gen und Eigen­lob gedämpft. Es gibt drei Kapi­tel: „Grund­la­gen der Sprach­di­dak­tik und Sprach­för­de­rung“, „Übun­gen mit ver­schie­de­nen Schwer­punk­ten“ und „Mit SPRING zur Per­sön­lich­keit“. Neben pla­ka­ti­ven Aus­sa­gen fehlt den „Grund­la­gen“ aller­dings eine ziel­füh­ren­de Dra­ma­tur­gie und Struk­tur.
Gaul und Nagel ver­wen­den eine basa­le Spra­che. Es wer­den vie­le Ide­en for­mu­liert, es wird viel erklärt. Die Erklä­run­gen ver­lie­ren sich teil­wei­se in Flos­keln, die Spiel- und Aus­füh­rungs­ide­en hin­ge­gen sind inspi­rie­rend und mit ein­fa­chen Mit­teln umsetz­bar. Posi­tiv sind die Ver­wei­se auf ­musi­ka­li­sche und sprachdidak­tische Grund­be­grif­fe sowie auf den schu­li­schen Rah­men­lehr­plan. Auch inhalt­lich wer­den viel­fäl­ti­ge The­men- und somit Wort­schatz­be­rei­che in eini­gen bekann­ten und vie­len neu­en Kin­der­lie­dern ver­ar­bei­tet.
Wel­che Ziel­grup­pe soll von SPRING ange­spro­chen wer­den? Die AutorIn­nen posi­tio­nie­ren sich dazu nicht – Spra­che, Inhalt, Audio­tracks mit Melo­die und Exkur­se in Trom­mel­bau und Gitar­ren­spiel spre­chen für musik­lieb­ha­ben­de Päd­ago­gIn­nen, die in der musik­päd­ago­gi­schen Arbeit eher uner­fah­ren sind. „Die Spra­che ist der Schlüs­sel zur Inte­gra­ti­on!“ Die­ser Leit­ge­dan­ke bestimmt klar die Aus­rich­tung die­ser Übun­gen, musi­ka­li­sche Gestal­tung ist zweit­ran­gig.
Beim Lesen von SPRING spürt man die Mühe und den Fleiß bei der Pro­duk­ti­on die­ses Buchs. In die­sem Fall wäre weni­ger jedoch mehr gewe­sen. Statt­des­sen hät­te etwas Inno­va­ti­on dem Cover und der gra­fi­schen Gestal­tung des Buchs gut getan. SPRING ist ein Buch aus der Pra­xis für die Pra­xis, getreu dem Mot­to der AutorIn­nen: „Geben wir den Kin­dern eine Hei­mat in Spra­che und Musik!“
Eva-Maria Kös­ters