Castilla-Avila, Augutín

Tam­boras y Tam­bo­res

für 4 Gitarren und 4 Streich­instrumente (2 Violinen, Viola, Violoncello), Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Joachim-Trekel-Musikverlag, Hamburg 2014
erschienen in: üben & musizieren 6/2014 , Seite 57

"Gitar­re gren­zen­los", so das dies­jäh­ri­ge Mot­to der Musik­schu­len Liech­ten­steins, der Ost­schweiz und des Vor­arl­bergs, die seit 2000 alle drei Jah­re das län­der­über­grei­fen­de Musik­fes­ti­val "Gren­zen­los" ver­an­stal­ten. Dar­in sol­len unter ande­rem spe­zi­el­le Aspek­te der Musik­schul­ar­beit prä­sen­tiert wer­den, wofür im Vor­feld ein Kom­po­si­ti­ons­wett­be­werb statt­fand. Die Ver­an­stal­ter erhoff­ten sich so neue, auf die Bedürf­nis­se der Musik­schu­len zuge­schnit­te­ne Spiel­mu­sik.
Vier Kom­po­si­tio­nen sind schließ­lich prä­miert wor­den, die alle­samt im Ham­bur­ger Joa­chim-Trekel-Musik­ver­lag erschie­nen. Die etwa zwei­mi­nü­ti­ge Pas­sa­ca­glia Tam­boras y Tam­bo­res stammt von Agus­tín Cas­til­la-Avi­la, einem 40-jäh­ri­gen Ton­künst­ler und Gitar­ris­ten aus Spa­ni­en, der 2013 vom Land Salz­burg ein Jah­res­sti­pen­di­um für Musik erhielt. "Ein­rich­tun­gen und den Noten­satz besorg­te Chris­toph Jäger", wel­cher punkt­ge­nau und sehr über­sicht­lich sowie gut les­bar gedruckt wor­den ist.
Im Titel sind mit den Tam­bo­res zum einen Trom­meln gemeint, Tam­boras bedeu­ten zum ande­ren gitar­ris­tisch-per­kus­si­ve Effek­te, bei denen "der Spie­ler mit dem Dau­men auf die Sai­ten auf­klopft, als wären sie das Fell einer Trom­mel". Und das nicht nur bei den Gitar­ren, son­dern auch bei­spiels­wei­se bei der Vio­li­ne II in T. 13 oder der Vio­la in T. 21 ("Tam­bo­ra mit dem Zei­ge­fin­ger der rech­ten Hand"). "Aus die­ser Idee", so der unge­nann­te Ver­fas­ser des Vor­worts wei­ter, "ent­wi­ckel­te der Kom­po­nist sein Stück, das er dem Gitar­ren­bau­er Peter Bam­ber­ger" wid­me­te.
Zwar ist eine Beset­zung von je vier Gitar­ren und vier Strei­chern vor­ge­se­hen, das Stück kann jedoch "in unter­schied­li­chen Beset­zungs­va­ri­an­ten gespielt wer­den", die "vom Kom­po­nis­ten nicht nur erlaubt, son­dern aus­drück­lich erwünscht" sind. So sei bei­spiels­wei­se die leich­te "Trio­be­set­zung Vio­lon­cel­lo, Gitar­re 3 und 4 bereits von Unter­stu­fen­schü­le­rIn­nen zu bewäl­ti­gen. Fort­ge­schrit­te­ne könn­ten das Stück als Sex­tett mit Vio­li­ne 2, Vio­la, Vio­lon­cel­lo, Gitar­re 2, 3 und 4 auf­füh­ren." Dabei ist gedacht, das Stück nicht nur ein­mal, son­dern meh­re­re Male mit den ver­schie­de­nen Beset­zun­gen bis hin­auf zum Oktett auf­zu­füh­ren, wofür die Tei­le attac­ca anein­an­der­ge­reiht wer­den sol­len.
Um dem Stück den rich­ti­gen Sound zu ver­lei­hen, sind eini­ge Sai­ten an man­chen Instru­men­ten mit Kle­be­pads zu prä­pa­rie­ren, um den Klang zu ver­frem­den. Hier­für sind eigens zwei Abbil­dun­gen in das erklä­ren­de Vor­wort gescannt wor­den. Die Par­ti­tur bie­tet indes noch mehr Effek­te wie Fla­geo­letts im Cel­lo, neben dem Schla­gen auf den Kor­pus und auf die Sai­ten kom­men zudem Töne vor, die zwi­schen Bund und Sat­tel sowie zwi­schen Sat­tel und Sai­ten­be­fes­ti­gung erzeugt wer­den, oder das bei Gitar­ris­tIn­nen selbst­ver­ständ­li­che, sechs­stim­mi­ge "ras­gue­a­do" im For­te als Höhe­punkt. Die Schü­le­rIn­nen wer­den bei den Auf­füh­run­gen sicher­lich gro­ßen Spaß haben.
Wer­ner Boden­dorff