Kasparick, Leonie

„Üben? Nein, ­keinen Bock!“

Selbstwirksamkeit und intrinsische Motivation zum instrumentalen Üben

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Hollitzer, Wien 2025
erschienen in: üben & musizieren 1/2026 , Seite 60

Leonie Kasparick fragt danach, „inwiefern […] sich die instrumentenbezogene Selbstwirksamkeit auf die intrinsische Motivation zum Üben von Instrumenten bei Schüler:innen“ auswirkt. Damit ist Folgendes gemeint: Es geht um die Frage, ob die eigene Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit – etwa eine Überzeugung von den eigenen Fähigkeiten – die Motivation zum Üben steigern und damit zu einem größeren Übeerfolg führen kann.
Der theoretische Hintergrund der Studie betrifft drei große Bereiche. Zunächst nähert sich Kasparick dem Begriff der Motivation an. Zentral ist hier die Rezeption der Selbstbestimmungstheorie nach Edward Deci und Richard Ryan. Die Autorin markiert intrinsische Motivation als „eine entscheidende Bedingung für das Lernen und dessen Qualität“. Der zweite Bereich widmet sich dem Konzept der Selbstwirksamkeit. Das so bezeichnete „Vertrauen einer Person in ihre Fähigkeiten, ein bestimmtes Ziel erreichen zu können“, wird als weiterer Faktor für einen Übeerfolg markiert. Im dritten Abschnitt folgen Hinweise zum Begriff des Übens.
Die Impulse aus dem Theorieteil fließen dann in die Formulierung von elf Hypothesen. Darunter finden sich Aussagen wie „Je höher die instrumentenbezogene Selbstwirksamkeit der Schüler:innen, desto höher ist ihre intrinsische Motivation zum Üben von Instrumenten“ und „Kritik und Druck von Instrumentallehrkräften wirken sich negativ auf die instrumentenbezogene Selbstwirksamkeit der Schüler:innen aus“. Die Hypothesen werden anschließend mittels eines umfangreichen Fragenkatalogs überprüft. Dieser umfasst zahlreiche Items zu verschiedenen Inhaltsbereichen, etwa zur „Instrumentalen Ausbildung“, zu „Außerunterricht­licher musikalischer Aktivität“ u. a. m. Zur Auswertung gelangen schließlich 675 Fragebögen, ausgefüllt von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 8 bis 11. Die Antworten bestätigen neun der elf Ausgangshypothesen, darunter die oben zitierte zur instrumentenbezogenen Selbstwirksamkeit. Nicht bestätigt wird hingegen die zweite zitierte Hypothese zu Kritik und Druck.
Die Autorin legt eine sorgfältig ausgearbeitete Studie vor. Das gilt für den informativen Theorieteil sowie für die souverän umgesetzte methodische Anlage. Die Ergebnisse der aufwändigen Untersuchung bestätigen im Großen und Ganzen die schlüssig hergeleiteten Ausgangshypothesen. Von Interesse sind schließlich die Hinweise, die Kasparick zum Schulunterricht geben kann – schließlich wurden die Fragebögen von Schülerinnen und Schülern ausgefüllt. Sie kommt zu dem Schluss, dass im schulischen Musikunterricht „motivationale Anreize für das Üben […] kaum bis gar nicht gesetzt“ werden. Dabei wären Verbindungen zwischen schulischem und außerschulischem Musikunterricht sicherlich wünschenswert.
Matthias Goebel

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