Hauff, Andreas
Was ist stimmliche Heimat?
Das 22. Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme widmete sich dem Thema „Heimaten“
Oft verdichtet sich die Thematik des Leipziger Symposiums zur Kinder- und Jugendstimme in den musikalisch-künstlerischen Beiträgen. So auch diesmal bei der 22. Auflage der traditionsreichen Veranstaltung, die jährlich an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig gemeinsam mit der Sektion Phoniatrie und Audiologie der Leipziger Universitätsklinik und dem Arbeitskreis für Musik in der Jugend (amj) veranstaltet wird. Erstmals hatte sich das interdisziplinär besetzte Konzeptionsteam unter Leitung des Mediziners Michael Fuchs entschieden, zwei aufeinanderfolgende Symposien inhaltlich zu verknüpfen. 2025 war „Zukunft“ dran, 2026 ging es um „Heimaten“ – wohlgemerkt nicht um „die“ eine Heimat, denn Menschen haben mehrere und verschiedene Heimaten.
Dass die Stadt Leipzig und im besonderen die Thomaskantorei ein sängerisches Zuhause darstellen, machte das Vokalensemble Amarcord nicht nur in seinem thematisch und stilistisch abwechslungsreichen Samstagabend-Konzert deutlich, sondern auch in einem nachmittäglichen „musikalischen Intermezzo“, das es gemeinsam mit dem Thomaner-Nachwuchs des Forum Thomanum und der Leipziger Grundschule „Anna Magdalena Bach“ bestritt. Es war eindrucksvoll und anrührend, wie jeweils sieben Knaben links und rechts die vier erwachsenen Sänger einrahmten und mit ihnen gemeinsam sauber, ausdrucksvoll, mit großem Ernst und in fast einwandfreier Haltung drei ganz unterschiedliche Lieder vortrugen.
Die Arrangements waren so angelegt, dass der musikalische Nachwuchs seine eigene tragende Rolle hatte: in Bachs berühmtem Choralvorspiel Jesus bleibet meine Freude etwa die Liedmelodie, die Amarcord seinerseits kunstvoll in Vocalisen umspielte. Wie die Älteren den Jüngeren in einer wohldosierten Mischung von väterlicher Fürsorge und künstlerischer Kollegialität begegneten, konnte einen Beobachter nur optimistisch stimmen ob der Zukunft der Thomaner als Institution und Lebensform. Dass auf Bach zwei stilistisch völlig andere Stücke folgten, machte auch deutlich, dass professionelles Singen immer wieder bedeutet, sich mit Neuem, Anderem und Fremdem auseinanderzusetzen und es sich anzuverwandeln.
Lesen Sie weiter in Ausgabe 3/2026.


